Der Betrieb einer Gewebebank

Betrieb einer Gewebebank kann für Ärzte nur erlaubnisfrei sein, wenn sie alle wesentlichen Tätigkeiten selbst durchführen.

Der Betrieb einer Gewebebank

Die Gewinnung und Bearbeitung von menschlichem Gewebe bedarf grundsätzlich einer behördlichen Erlaubnis. Die für Ärzte geltende Ausnahmeregelung setzt voraus, dass der das Gewebe bei seinen Patienten anwendende Arzt alle anfallenden Tätigkeiten in der Hand behält und nicht auf externe Stellen überträgt.

Dies hat jetzt Bundesverwaltungsgericht in Leipzig auf die Klage eines Chefarztes für Orthopädische Chirurgie in einem Kreiskrankenhaus entschieden. Dieser leitete dort eine Knochenbank, in der bei Operationen anfallende Oberschenkelknochenköpfe als Spendermaterial zur Verwendung an anderen Patienten aufbereitet und vorgehalten wurden. Teile der hierfür notwendigen Labortests sowie die Keimüberprüfung fanden in externen, hierfür zugelassenen Einrichtungen statt. Nachdem die zuständige Überwachungsbehörde den Kläger darauf hingewiesen hatte, dass die Knochenbank ohne entsprechende Erlaubnis nur fortgeführt werden dürfe, wenn der verantwortliche Arzt alle Tätigkeiten selbst ausübe, zeigte der Chefarzt den Betrieb einer von ihm persönlich verantworteten Knochenbank an. Die Behörde untersagte den Betrieb der Knochenbank, weil die unmittelbare fachliche Verantwortung des Chefarztes durch die Weitergabe von Tätigkeiten an externe Labore nicht sichergestellt sei.

Die hiergegen gerichtete Klage blieb im Berufungsverfahren vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof erfolglos1. Und das Bundesverwaltungsgericht wies nun auch die Revision des Chefarztes zurück:

Das in § 20d des Arzneimittelgesetzes enthaltene Ärzteprivileg ist vom Gesetzgeber bewusst eng gefasst worden. Es setzt voraus, dass der Arzt alle für die Anwendung des Gewebes bei seinen Patienten erforderlichen, an sich erlaubnispflichtigen Tätigkeiten fachlich verantwortet. Die Vergabe von solchen Laborleistungen an eine externe Stelle ist damit nicht vereinbar. Angesichts der spezifischen Besonderheiten und Risiken bei der Gewinnung und Bearbeitung von menschlichem Gewebe begegnet die gesetzgeberische Entscheidung für einen umfassenden Erlaubnisvorbehalt keinen verfassungsrechtlichen Bedenken. Gegen eine großzügigere Handhabung der Ausnahmeregelung spricht auch das Recht der Europäischen Union, das im Anwendungsbereich der maßgeblichen Richtlinie 2004/23/EG ein Ärzteprivileg nicht vorsieht.

Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 24. Januar 2019 – 3 C 5.17

  1. BayVGH, Urteil vom 19.01.2017 – 20 BV 15.21 []