Der Blick in den Ter­min­ka­len­der der Bun­des­kanz­le­rin

Es besteht kein Anspruch nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz auf Ein­sicht in den Ter­min­ka­len­der der Bun­des­kanz­le­rin für den Zeit­raum der Pla­nung und Durch­füh­rung eines Abend­essens, das die Bun­des­kanz­le­rin ver­an­stal­te­te. Dem begehr­ten Infor­ma­ti­ons­zu­gang steht ein gesetz­li­cher Aus­schluss­grund ent­ge­gen, da die Offen­le­gung des Ter­min­ka­len­ders nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen auf die inne­re Sicher­heit, ins­be­son­de­re die Sicher­heit der Bun­des­kanz­le­rin, haben könn­te. Dage­gen besteht ein Anspruch auf Zugang zu der im Bun­des­kanz­ler­amt erar­bei­te­ten Rede­vor­la­ge, der Gäs­te­lis­te und der Tisch- und Sitz­ord­nung durch Über­las­sung von Kopien in unge­schwärz­ter Form. Hier über­wiegt das Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se das ent­ge­gen­ste­hen­de Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se.

Der Blick in den Ter­min­ka­len­der der Bun­des­kanz­le­rin

So die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Frei­ga­be von Infor­ma­tio­nen über das Abend­essen, das die Bun­des­kanz­le­rin für den sei­ner­zei­ti­gen Vor­stands­vor­sit­zen­den der Deut­schen Bank AG, Herrn Dr. Josef Acker­mann, aus Anlass sei­nes 60. Geburts­ta­ges im April 2008 im Bun­des­kanz­ler­amt mit Gäs­ten aus Poli­tik, Wirt­schaft und Unter­hal­tung gege­ben hat. Gestützt auf das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz hat­ten die Klä­ger Zugang zu Unter­la­gen des Bun­des­kanz­ler­am­tes begehrt, die im Zusam­men­hang mit der Pla­nung und Durch­füh­rung des Abend­essens ste­hen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin [1] hat der Kla­ge teil­wei­se statt­ge­ge­ben und die Beklag­te ver­pflich­tet, den Klä­gern Zugang zu der im Bun­des­kanz­ler­amt erar­bei­te­ten Rede­vor­la­ge, der Gäs­te­lis­te und der Tisch- und Sitz­ord­nung durch Über­las­sung von Kopien in unge­schwärz­ter Form zu gewäh­ren. Hin­sicht­lich der begehr­ten Ein­sicht in den Ter­min­ka­len­der der Bun­des­kanz­le­rin und der Vor­la­ge wei­te­rer Unter­la­gen hat es die Kla­ge abge­wie­sen. Gegen die­ses Urteil haben sowohl die Klä­ger als auch die Beklag­te Beru­fung ein­ge­legt.

In sei­ner Ent­schei­dung ist das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg in Über­ein­stim­mung mit dem ange­grif­fe­nen Urteil davon aus­ge­gan­gen, dass den Klä­gern auch die bis­lang geschwärz­ten Pas­sa­gen der Rede­vor­la­ge – mit Aus­nah­me der nament­li­chen Erwäh­nung eines Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten – zugäng­lich zu machen sind. Der Infor­ma­ti­ons­an­trag der Klä­ger bezie­he sich auch auf die­se Pas­sa­gen; ein gesetz­li­cher Aus­schluss­grund sei inso­weit von der Beklag­ten nicht gel­tend gemacht wor­den. Den Klä­gern ste­he auch ein Anspruch auf Preis­ga­be der Namen der ein­ge­la­de­nen Gäs­te des Abend­essens zu. Soweit die Betrof­fe­nen nicht ohne­hin einer Offen­le­gung zuge­stimmt hät­ten und von der Beklag­ten bereits benannt wor­den sei­en, über­wie­ge das Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Klä­ger das ent­ge­gen­ste­hen­de Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se. Mit der Annah­me der Ein­la­dung der Bun­des­kanz­le­rin haben sich die Gäs­te nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts in einen Bereich des öffent­li­chen Mei­nungs­aus­tau­sches bege­ben, der nicht ihrer geschütz­ten Pri­vat­sphä­re zuzu­rech­nen sei. Die Beru­fung der Beklag­ten ist daher in vol­lem Umfang zurück­ge­wie­sen wor­den.

Auf die Beru­fung der Klä­ger ist die Beklag­te über­dies ver­pflich­tet wor­den, die im zeit­li­chen Zusam­men­hang mit dem Abend­essen ste­hen­de Sam­mel­rech­nung der Kanz­ler­kü­che über die Beschaf­fung von Lebens­mit­teln in teil­wei­se geschwärz­ter Form an die Klä­ger her­aus­zu­ge­ben. Die Sam­mel­rech­nung nebst Anla­gen war bereits wäh­rend der münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­legt und mit den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ein­ge­se­hen wor­den; von dem Anspruch auf Infor­ma­ti­ons­zu­gang aus­ge­nom­men sind nach Auf­fas­sung des Senats ledig­lich bestimm­te schutz­wür­di­ge per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten wie etwa die Steu­er­num­mer oder Bank­ver­bin­dun­gen.

Im Übri­gen hat­te die Beru­fung der Klä­ger gleich­falls kei­nen Erfolg. Ein Anspruch auf Ein­sicht in den Ter­min­ka­len­der der Bun­des­kanz­le­rin für den streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum vom 1. März bis 15. Mai 2008 steht den Klä­gern nicht zu. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat damit im Ergeb­nis die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung bestä­tigt. Zwar han­de­le es sich bei den Ein­tra­gun­gen im Ter­min­ka­len­der um amt­li­che Infor­ma­tio­nen im Sin­ne des Geset­zes, soweit es um dienst­li­che und nicht ledig­lich pri­va­te Ter­mi­ne der Bun­des­kanz­le­rin gehe. Dem begehr­ten Infor­ma­ti­ons­zu­gang ste­he jedoch ein gesetz­li­cher Aus­schluss­grund ent­ge­gen, da die Offen­le­gung des Ter­min­ka­len­ders nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen auf die inne­re Sicher­heit, ins­be­son­de­re die Sicher­heit der Bun­des­kanz­le­rin, haben kön­ne. Die in Bezug auf die­sen Aus­schluss­grund vor­lie­gen­de Pro­gno­se­ent­schei­dung der Beklag­ten ist nach Auf­fas­sung des Senats recht­lich nicht zu bean­stan­den. Die Beru­fung der Klä­ger wur­de auch inso­weit zurück­ge­wie­sen, als sie sich auf wei­te­re Infor­ma­tio­nen bezog, die im Bun­des­kanz­ler­amt nicht oder nicht mehr vor­han­den sind.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 20. März 2012 – 12 B 27.11

  1. VG Ber­lin, Urteil vom 07.04.2011 – 2 K 39.10[]