Der Dop­pel­de­cker als Café

Ein Bus ist als bau­li­che Anla­ge zu bewer­ten, wenn er wie­der­holt orts­fest an einem kon­kre­ten Stand­ort als Gas­tro­no­mie­be­trieb benutzt wird.

Der Dop­pel­de­cker als Café

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren der Stadt Müns­ter recht gege­ben, dass ein als Café genutz­ter Bus am Hafen nicht auf­ge­stellt wer­den darf, da die erfor­der­li­che Bau­ge­neh­mi­gung fehlt. Am Hafen in Müns­ter hat die Antrag­stel­le­rin einen ehe­ma­li­gen Dop­pel­de­cker-Lini­en­bus auf­ge­stellt, der zu einem Café mit Sitz­ge­le­gen­hei­ten umge­baut wor­den ist, in dem Kaf­fee und ande­re Pro­duk­te zum Ver­zehr ange­bo­ten wer­den. Gegen­über der Stadt Müns­ter hat­te sie ange­kün­digt, den stra­ßen­ver­kehrs­recht­lich zuge­las­se­nen Bus regel­mä­ßig von Mitt­woch bis Sonn­tag wie­der­holt für jeweils meh­re­re Stun­den an der soge­nann­ten Strand­pro­me­na­de des Stadt­ha­fens Müns­ter auf­zu­stel­len. Ende Febru­ar 2020 hat­te die Stadt Müns­ter die Antrag­stel­le­rin mit sofor­ti­ger Wir­kung auf­ge­for­dert, den Bus zu besei­ti­gen und eine erneu­te Auf­stel­lung auf dem betref­fen­den Grund­stück zukünf­tig zu unter­las­sen. Außer­dem hat­te sie für jeden Fall der Nicht­be­fol­gung ein Zwangs­geld in Höhe von 1500 Euro ange­droht. Dage­gen hat sich die Antrag­stel­le­rin mit ihrem Eil­an­trag gewehrt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter aus­ge­führt, dass die Auf­stel­lung des Bus­ses zur Nut­zung als Schank- und Spei­se­wirt­schaft auf dem betref­fen­den Grund­stück am Hafen­weg in Müns­ter ein geneh­mi­gungs­be­dürf­ti­ges Bau­vor­ha­ben dar­stel­le, für das der Antrag­stel­le­rin kei­ne Bau­ge­neh­mi­gung erteilt wor­den sei. Nach der maß­geb­li­chen gesetz­li­chen Rege­lung wür­den Fahr­zeu­ge wie bau­li­che Anla­gen behan­delt, weil sie eine erkenn­bar ver­fes­tig­te Bezie­hung zu die­sem Stand­ort hät­ten und damit wie bau­li­che Anla­gen wirk­ten, auch wenn sie zeit­wei­se noch zum Fah­ren benutzt wür­den. Der Bus der Antrag­stel­le­rin sei als bau­li­che Anla­ge zu bewer­ten, weil er wie­der­holt orts­fest an dem kon­kre­ten Stand­ort als Gas­tro­no­mie­be­trieb benutzt wer­de. Der Bus tre­te am kon­kre­ten Stand­ort als Laden­er­satz in Erschei­nung. Da er aus­schließ­lich für Zwe­cke einer Schank- und Spei­se­wirt­schaft genutzt wer­de, tre­te sei­ne Fort­be­we­gungs­funk­ti­on in den Hin­ter­grund.

Als bau­li­che Anla­ge bedür­fe der Bus einer bau­recht­li­chen Geneh­mi­gung, die aber offen­sicht­lich nicht vor­lie­ge. Eine Bau­ge­neh­mi­gung kön­ne auch nicht erteilt wer­den. Denn das Bau­vor­ha­ben ver­sto­ße gegen den hier ein­schlä­gi­gen Bebau­ungs­plan. Die­ser set­ze für den Bus-Stand­ort unter ande­rem eine öffent­li­che Ver­kehrs­flä­che fest und damit eine all­ge­mei­ne öffent­li­che Nut­zung. Indem die Antrag­stel­le­rin ihren Bus in die­sem Bereich auf­stel­le, ent­zie­he sie der Flä­che ihre durch den Bebau­ungs­plan vor­ge­se­he­ne Funk­ti­on.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 29. April 2020 – 2 L 189/​20