Der Erlass eines Feu­er­stät­ten­be­schei­des

Ein Feu­er­stät­ten­be­scheid kann nur bei einer vom Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter bzw. bevoll­mäch­tig­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger per­sön­lich durch­ge­führ­ten Feu­er­stät­ten­schau oder auf der Grund­la­ge der Daten des Kehr­buchs erstellt wer­den.

Der Erlass eines Feu­er­stät­ten­be­schei­des

So das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Wohn­haus­ei­gen­tü­mers, der sich gegen einen Feu­er­stät­ten­be­scheid gewehrt hat, mit dem er ver­pflich­tet wor­den ist, Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten zwei­mal im Jahr durch­füh­ren zu las­sen. Die Klä­ger sind Eigen­tü­mer eines mit einem Wohn­haus bebau­ten Grund­stücks, in dem sich seit 2003 auch ein an einen Schorn­stein ange­schlos­se­ner Kamin­ofen befin­det. Die­ser Schorn­stein ist bis zum Jah­re 2009 ein­mal jähr­lich vom Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter gekehrt wor­den. Nach­dem im Jahr 2008 eine Feu­er­stät­ten­schau und im April 2010 die jähr­li­che Keh­rung des Schorn­steins statt­ge­fun­den hat­ten, erließ der beklag­te Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter im Juni 2010 gegen­über den Klä­gern einen Feu­er­stät­ten­be­scheid. Die­ser ver­pflich­te­te die Klä­ger, Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten am Schorn­stein und dar­an ange­schlos­se­nen Kamin­ofen zwei­mal im Jahr in der Zeit zwi­schen Febru­ar und April und zwi­schen Okto­ber und Novem­ber zu ver­an­las­sen und durch­füh­ren zu las­sen. Gegen die­sen Feu­er­stät­ten­be­scheid haben die Klä­ger vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg Kla­ge erho­ben und gel­tend gemacht, dass der Kamin­ofen seit 2003 unver­än­dert genutzt wer­de und daher eine Ver­dopp­lung der Kehr­häu­fig­keit nicht nach­zu­voll­zie­hen sei. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Kla­ge mit Urteil vom 1. Dezem­ber 2011 abge­wie­sen und zur Begrün­dung maß­geb­lich dar­auf abge­stellt, dass bei der Keh­rung im April 2010 ver­stärk­te Ruß­an­haf­tun­gen am Schorn­stein fest­ge­stellt wor­den sei­en. Dage­gen ist Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat in sei­ner Urteils­be­grün­dung dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Gesetz­ge­ber das deut­sche Schorn­stein­fe­ger­we­sen auf Ver­an­las­sung der Euro­päi­schen Uni­on einer grund­le­gen­den Neu­ord­nung mit dem Ziel einer Libe­ra­li­sie­rung unter­zo­gen hat. Zwi­schen­zeit­lich kön­nen sich die Eigen­tü­mer für vie­le Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten, vor allem die regel­mä­ßi­gen Kehr- und Über­prü­fungs­ar­bei­ten, ihren Schorn­stein­fe­ger aus­su­chen. Eine wesent­li­che Neue­rung besteht nun in der Not­wen­dig­keit, in regel­mä­ßi­gen Abstän­den einen Feu­er­stät­ten­be­scheid zu erlas­sen. Die­ser Bescheid soll den Eigen­tü­mern auf­zei­gen, wel­che Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten durch­zu­füh­ren sind und gleich­zei­tig eine Kon­trol­le der tat­säch­li­chen Durch­füh­rung die­ser Arbei­ten ermög­li­chen. Der Gesetz­ge­ber hat im Schorn­stein­fe­ger­hand­werks­ge­setz die Tat­sa­chen­grund­la­ge für die Fest­set­zun­gen im Feu­er­stät­ten­be­scheid kon­kret bestimmt. Danach kann der Feu­er­stät­ten­be­scheid nur bei einer vom Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter bzw. bevoll­mäch­tig­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger per­sön­lich durch­ge­führ­ten Feu­er­stät­ten­schau oder auf der Grund­la­ge der Daten des Kehr­buchs erstellt wer­den.

Hier hat die Feu­er­stät­ten­schau bei Erlass des Feu­er­stät­ten­be­schei­des im Juni 2010 schon mehr als zwei Jah­re zurück­ge­le­gen. Der Feu­er­stät­ten­be­scheid konn­te daher nur auf der Grund­la­ge der Daten des Kehr­buchs erlas­sen wer­den. Das Kehr­buch hat bis 2009 aber stets nur eine Keh­rung des Schorn­steins aus­ge­wie­sen. Soweit der Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter anläss­lich der durch sei­nen Schorn­stein­fe­ger­ge­sel­len durch­ge­führ­ten Keh­rung im April 2010 Erkennt­nis­se gewon­nen haben will, die unter Umstän­den eine zwei­te Keh­rung hät­ten not­wen­dig erschei­nen las­sen kön­nen, durf­ten die­se nach der Kon­zep­ti­on des Gesetz­ge­bers beim Erlass des Feu­er­stät­ten­be­schei­des nicht berück­sich­tigt wer­den. Sie kön­nen allen­falls bei Gefähr­dun­gen der Brand­si­cher­heit Anlass für vor­läu­fi­ge Siche­rungs­maß­nah­men sein.

Daher hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts im Beru­fungs­ver­fah­ren geän­dert und den Feu­er­stät­ten­be­scheid auf­ge­ho­ben, soweit dar­in für den Schorn­stein mit ange­schlos­se­nem Kamin­ofen eine zwei­te, im Zeit­raum von Okto­ber bis Novem­ber eines Jah­res durch­zu­füh­ren­de Keh­rung fest­ge­setzt wor­den ist.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 14. Febru­ar 2013 – 8 LB 165/​12