Der Feh­marn­belt­tun­nel – und die Kos­ten des Brand­schut­zes

Das Land Schles­wig-Hol­stein ist sowohl ver­fas­sungs­recht­lich als auch völ­ker­recht­lich befugt, für den Bereich des Küs­ten­mee­res und den Bereich des Feh­marn­belts, gesetz­li­che Rege­lun­gen zu erlas­sen. Dies gilt ins­be­son­de­re für Rege­lun­gen, die sich auf einen im Mee­res­un­ter­grund des Fest­landso­ckels geführ­ten Tun­nel bezie­hen. Aller­dings liegt inso­weit ein Ver­stoß gegen die Lan­des­ver­fas­sung vor, als das Land kei­ne Rege­lung über den Aus­gleich von Kos­ten getrof­fen hat, die der Stadt Feh­marn durch den Auf­ga­ben­zu­wachs im Bereich des abweh­ren­den Brand­schut­zes im Feh­marn­belt­tun­nel zusätz­lich ent­ste­hen.

Der Feh­marn­belt­tun­nel – und die Kos­ten des Brand­schut­zes

So hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall der kom­mu­na­len Ver­fas­sungs­be­schwer­de ent­schie­den. Die Beschwer­de der Stadt Feh­marn rich­tet sich gegen eine am 1. März 2019 in Kraft getre­te­ne Rege­lung über die Erwei­te­rung der behörd­li­chen Bezir­ke auf den im deut­schen Zustän­dig­keits­be­reich gele­ge­nen Teil der geplan­ten Fes­ten Feh­marn­beltque­rung (§ 30 Absatz 4 des All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­ge­set­zes des Lan­des). Für die Stadt Feh­marn folgt dar­aus, dass ihre Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr in der Bau­pha­se und spä­ter beim Betrieb der als Mee­res­tun­nel geplan­ten Que­rung für Ein­sät­ze im abweh­ren­den Brand­schutz und für die Hil­fe­leis­tung bei Not- und Unglücks­fäl­len (Tech­ni­sche Hil­fe) zustän­dig sein wird.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus­ge­führt, dass das Gesetz for­mell ver­fas­sungs­ge­mäß ist. Denn das Land Schles­wig-Hol­stein ist sowohl ver­fas­sungs­recht­lich als auch völ­ker­recht­lich befugt, für den Bereich des Küs­ten­mee­res und den Bereich des Feh­marn­belts, der in der Aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne Deutsch­lands liegt, gesetz­li­che Rege­lun­gen zu erlas­sen. Dies gilt ins­be­son­de­re für Rege­lun­gen, die sich auf einen im Mee­res­un­ter­grund des Fest­landso­ckels geführ­ten Tun­nel bezie­hen.

Nach Mei­nung des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt greift der Gesetz­ge­ber mit der Zustän­dig­keits­er­wei­te­rung aller­dings in das der Stadt Feh­marn zuste­hen­de Recht auf kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung ein (Arti­kel 54 Absatz 1 der Lan­des­ver­fas­sung). Die Stadt muss durch die neu zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben im Bereich des abweh­ren­den Brand­schut­zes erheb­li­che finan­zi­el­le Mit­tel auf­wen­den, etwa für die erfor­der­li­che Ver­stär­kung der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr durch eine haupt­amt­li­che Wach­ab­tei­lung mit Berufs­feu­er­wehr­leu­ten. Zwar hält das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt die­sen Ein­griff ange­sichts der im Staats­ver­trag über eine Fes­te Feh­marn­beltque­rung von 2008 ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen und des im Inter­es­se des All­ge­mein­wohls gebo­te­nen Brand­schut­zes zwar für recht­fer­ti­gungs­fä­hig. Hier­zu hät­te das Land aller­dings die finan­zi­el­le Mehr­be­las­tung berück­sich­ti­gen und auf gesetz­li­cher Grund­la­ge einen voll­stän­di­gen Kos­ten­aus­gleich vor­se­hen müs­sen. Dass der Gesetz­ge­ber nach Ein­rei­chung der vor­lie­gen­den Beschwer­de im Haus­halts­ge­setz 2020 das Innen­mi­nis­te­ri­um ermäch­tigt hat, mit der Stadt Feh­marn einen Ver­trag über den Kos­ten­aus­gleich durch das Land abzu­schlie­ßen, genügt den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht, da es bis­lang nicht zum Abschluss eines sol­chen Ver­tra­ges gekom­men ist.

So erge­ben sich die genann­ten Anfor­de­run­gen aus dem die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung stüt­zen­den Kon­ne­xi­täts­prin­zip nach Arti­kel 57 Absatz 2 der Lan­des­ver­fas­sung. Die­ses gilt nicht nur, wenn eine Gemein­de zu neu­en Auf­ga­ben ver­pflich­tet wird, son­dern auch dann, wenn eine bereits bestehen­de Auf­ga­be der­art erwei­tert wird, dass sie einer erst­ma­li­gen Ver­pflich­tung gleich­steht. Eine sol­che „über­tra­gungs­glei­che Ver­pflich­tung“ nimmt das Gericht hier an, da die Zustän­dig­keit der Beschwer­de­füh­re­rin für den abweh­ren­den Brand­schutz auf einen Bereich außer­halb ihres Gemein­de­ge­bie­tes aus­ge­dehnt wird, für den es zuvor kei­ner­lei kom­mu­na­le Zustän­dig­kei­ten gab.

Dar­über hin­aus ist die Rüge ohne Erfolg geblie­ben, dass schon das Aus­ein­an­der­fal­len von Gemein­de­ge­biet und Zustän­dig­keit die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie ver­let­ze und dass es durch den Auf­ga­ben­zu­wachs an der zu gewähr­leis­ten­den finan­zi­el­len Min­dest­aus­stat­tung der Kom­mu­ne feh­le.

Dem Land Schles­wig-Hol­stein ist vom Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf­ge­ge­ben wor­den, bis zum 30. Sep­tem­ber 2021 eine Kos­ten­re­ge­lung zu schaf­fen. Bis dahin bleibt die ange­grif­fe­ne Zustän­dig­keits­er­wei­te­rung anwend­bar, um den auf deut­scher Sei­te über­nom­me­nen Brand­schutz im Mee­res­tun­nel sicher­zu­stel­len.

Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 14. Sep­tem­ber 2020 – LVerfG 3/​19

Der Fehmarnbelttunnel - und die Kosten des Brandschutzes