Der Hau­berg und der Stra­ßen­aus­bau

Für Maß­nah­men der Lan­des­pfle­ge im Zusam­men­hang mit der Erwei­te­rung einer Bun­des­stra­ße darf der Stra­ßen­bau­last­trä­ger kei­ne Flä­chen eines Hau­bergs in Anspruch neh­men, wenn sich eine Befug­nis zur Durch­füh­rung von Aus­gleichs­maß­nah­men auf den Grund­stü­cken weder aus dem Bun­des­fern­stra­ßen­ge­setz noch aus den Rodungs­ge­neh­mi­gun­gen der Lan­des­forst­be­hör­de ergibt. Eine Berech­ti­gung zur Inan­spruch­nah­me der Flä­chen kann auch nicht mit deren wirk­sa­mer Her­aus­lö­sung aus dem Hau­berg­ver­band begrün­det wer­den, wenn die­se etwaig wirk­sam her­aus­ge­lös­ten Flä­chen jeden­falls zivil­recht­lich zunächst wei­ter­hin im Gesamt­hand­s­ei­gen­tum der vor­ma­li­gen Hau­berg­ge­nos­sen ste­hen.

Der Hau­berg und der Stra­ßen­aus­bau

Zu die­ser Ent­schei­dung ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall des Hau­bergs Unnau-Korb gelangt. Die Klä­ger gehö­ren der Hau­berg­ge­nos­sen­schaft Unnau-Korb an, einer Spe­zi­al­form der Genos­sen­schaft, bei der die Mit­glie­der gemein­sam die forst­wirt­schaft­li­che Nut­zung eines bewal­de­ten Gebie­tes über­neh­men. Die Hau­ber­ge ste­hen im unge­teil­ten und unteil­ba­ren Eigen­tum der Genos­sen­schaft; die Antei­le an der Genos­sen­schaft selbst sind über­trag­bar. Recht­li­che Rege­lun­gen ent­hält eine Hau­berg­ord­nung, wel­che von 1887 datiert. Im Jah­re 2009 hat­te die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die durch den Kauf meh­re­rer Antei­le eben­falls Hau­berg­ge­nos­sin gewor­den war und rund 75 % der Flä­chen­an­tei­le hält, einen Beschluss der Haupt­ver­samm­lung erwirkt, wonach meh­re­re Flä­chen aus dem Hau­berg her­aus­ge­löst wer­den soll­ten, um die­se sodann als Aus­gleichs­flä­chen für Maß­nah­men der Lan­des­pfle­ge im Zuge der Erwei­te­rung der B 414 zwi­schen Kir­berg und Schneid­müh­le ver­wen­den zu kön­nen.

Mit ihrer gegen eine Inan­spruch­nah­me für die­sen Zweck gerich­te­ten Kla­ge mach­ten die Klä­ger gel­tend, die betrof­fe­nen Grund­stü­cke sei­en nicht wirk­sam aus dem Hau­berg­ver­band her­aus­ge­löst wor­den. So sei der Bund bei der Beschluss­fas­sung bereits nicht wie von der Hau­berg­ord­nung ver­langt durch einen gesetz­li­chen Ver­tre­ter ver­tre­ten wor­den, son­dern nur durch einen Bevoll­mäch­tig­ten. Über­dies ver­lan­ge die Hau­berg­ord­nung für eine Her­aus­lö­sung von Flä­chen aus dem Hau­berg drin­gen­de Grün­de des Ver­kehrs; eine Ver­wen­dung für blo­ße Aus­gleichs­maß­nah­men sei nicht vor­ge­se­hen. Zudem wer­de wegen des Umfan­ges der her­aus­zu­lö­sen­den Flä­chen der Bestand des Hau­bergs gefähr­det und die Her­aus­lö­sung sei auch nicht in das Grund­buch ein­ge­tra­gen wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz erge­be sich eine Befug­nis zur Durch­füh­rung von Aus­gleichs­maß­nah­men auf den Grund­stü­cken weder aus dem Bun­des­fern­stra­ßen­ge­setz noch aus den vor­lie­gen­den Rodungs­ge­neh­mi­gun­gen der Lan­des­forst­be­hör­de, wel­che ledig­lich die Ver­ein­bar­keit mit dem Lan­des­wald­ge­setz beschei­nig­ten, nicht jedoch eine Befug­nis zum Ein­griff in pri­va­te Rech­te Drit­ter ein­räum­ten. Auch eine vom Hau­berg­vor­ste­her unter­schrie­be­ne Zustim­mungs­er­klä­rung sei nicht rechts­wirk­sam, da hier­über der Hau­berg­vor­stand zu ent­schei­den gehabt habe. Eine Berech­ti­gung zur Inan­spruch­nah­me der Flä­chen kön­ne schließ­lich auch nicht mit deren wirk­sa­mer Her­aus­lö­sung aus dem Hau­berg­ver­band begrün­det wer­den. Unge­ach­tet der Fra­ge, ob – woge­gen bereits Vie­les spre­che – die stren­gen Vor­aus­set­zun­gen der Hau­berg­ord­nung für eine sol­che Her­aus­lö­sung über­haupt erfüllt sei­en, stün­den etwai­ge wirk­sam her­aus­ge­lös­te Flä­chen jeden­falls zivil­recht­lich zunächst wei­ter­hin im Gesamt­hand­s­ei­gen­tum der vor­ma­li­gen Hau­berg­ge­nos­sen. Damit ste­he die­sen jeden­falls bis zu einer Tei­lung des Eigen­tums ein Abwehr­an­spruch gegen die beab­sich­tig­ten Maß­nah­men zu.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 8. März 2012 – 6 K 796/​11.KO