Der Inter­net-PC im Büro und die GEZ

Für Inter­net-PCs im Büro oder in der Kanz­lei muss kei­ne Rund­funk­ge­bühr gezahlt wer­den, sofern die­se bereits für ein Radio oder Fern­seh­ge­rät in der Woh­nung gezahlt wird. Inso­weit besteht die Rund­funk­ge­büh­ren­frei­heit für den Inter­net-PC als Zweit­ge­rät auch im nicht aus­schließ­lich pri­va­ten Bereich.

Der Inter­net-PC im Büro und die GEZ

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig in Kla­gen gegen Rund­funk­ge­büh­ren­be­schei­de. Die Klä­ger nut­zen jeweils einen Teil ihrer Woh­nun­gen für die Aus­übung einer selbst­stän­di­gen (frei­be­ruf­li­chen) Tätig­keit. In den dafür genutz­ten Räu­men ver­fü­gen sie über einen inter­net­fä­hi­gen PC. In den ande­ren aus­schließ­lich pri­vat genutz­ten Räu­men sind her­kömm­li­che Fern­seh- und Rund­funk­ge­rä­te vor­han­den, für die Rund­funk­ge­büh­ren ent­rich­tet wer­den. Die beklag­ten öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten ver­lang­ten Rund­funk­ge­büh­ren auch für die beruf­lich genutz­ten PC, wäh­rend die Klä­ger sich auf die Gebüh­ren­be­frei­ung für Zweit­ge­rä­te berie­fen.

In dem ers­ten Fall aus Bay­ern 1 teil­te der Klä­ger der Gebüh­ren­ein­zugs­zen­tra­le der öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten (GEZ) mit, er hal­te im Rah­men sei­ner selbst­stän­di­gen Tätig­keit Gerä­te bereit, die unter die Defi­ni­ti­on „neu­ar­ti­ge Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te“ fie­len. Die­se benö­ti­ge er für sei­ne Arbeit, nut­ze sie aber nicht zum Rund­funk­emp­fang. Für die Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te, die er im Rah­men des gemein­sa­men Haus­halts mit sei­ner zukünf­ti­gen Ehe­frau bereit­hal­te, sowie zusätz­lich für das Radio in sei­nem Pkw bezah­le er bereits Rund­funk­ge­büh­ren. Sei­ne Büroadres­se und die Pri­vat­an­schrift sei­en aller­dings nicht iden­tisch. Unter der von der GEZ mit Schrei­ben ver­ge­be­nen Teil­neh­mer­num­mer setz­te der beklag­te Baye­ri­sche Rund­funk für den Zeit­raum Janu­ar bis März 2008 rück­stän­di­ge Rund­funk­ge­büh­ren in Höhe von 15,56 € und einen Säum­nis­zu­schlag in Höhe von 5,11 € fest. Den hier­ge­gen gerich­te­ten Wider­spruch wies der Baye­ri­sche Rund­funk zurück.

Nun­mehr wand­te sich der Klä­ger an das Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen, das den Gebüh­ren­be­scheid und den Wider­spruchs­be­scheid auf­hob 2. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung des Baye­ri­schen Rund­funks wies der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zurück 3.

In dem zwei­ten Fall aus Hes­sen 4 bewohnt der Klä­ger zusam­men mit sei­ner Fami­lie ein Ein­fa­mi­li­en­haus. Für die pri­vat genutz­ten Gerä­te, die sich in den obe­ren bei­den Eta­gen des Hau­ses befin­den, bezahlt er Rund­funk- und Fern­seh­ge­büh­ren. Im Kel­ler des Hau­ses ist ein Arbeits­zim­mer ein­ge­rich­tet, das der Klä­ger für sei­ne Arbeit als selbst­stän­di­ger Infor­ma­ti­ker nutzt. Im Arbeits­zim­mer befin­det sich kein „klas­si­sches“ Rund­funk- oder Fern­seh­ge­rät. Dort ste­hen jedoch Rech­ner, die an das Inter­net ange­schlos­sen sind. Mit Gebüh­ren­be­scheid vom 1. März 2008 zog der beklag­te Hes­si­sche Rund­funk den Klä­ger für den Zeit­raum von August bis Okto­ber 2007 zur Zah­lung von Rund­funk­ge­büh­ren in Höhe von ins­ge­samt 16,56 € her­an und mach­te außer­dem einen Säum­nis­zu­schlag von 5,11 € gel­tend. Den Wider­spruch des Klä­gers wies der Hes­si­sche Rund­funk zurück.

Der hier­ge­gen gerich­te­ten Kla­ge hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main statt­ge­ge­ben und die ange­foch­te­nen Beschei­de auf­ge­ho­ben 5, die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Beru­fung des Hes­si­schen Rund­funkgs hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zurück­ge­wie­sen 6.

Im drit­ten Fall aus Rhein­land-Pfalz 7 unter­hält der Klä­ger in dem­sel­ben Gebäu­de, in dem sich sei­ne Pri­vat­woh­nung befin­det, ein Büro für sei­ne Tätig­keit als Web­de­si­gner und Her­aus­ge­ber eines Online-Ski­ma­ga­zins. In dem Büro (im Erd­ge­schoss) nutzt er einen an das Inter­net ange­schlos­se­nen PC. In sei­ner Pri­vat­woh­nung (im ers­ten Ober­ge­schoss) ver­fügt er über ein Radio- und ein Fern­seh­ge­rät. Für das Bereit­hal­ten der die­ser Gerä­te in sei­ner Pri­vat­woh­nung ent­rich­tet er Rund­funk­ge­büh­ren an den beklag­ten Süd­west­rund­funk. Der Süd­west­rund­funk setz­te für die Mona­te Novem­ber 2008 bis April 2009 für den PC des Klä­gers Rund­funk­ge­büh­ren in Höhe von 34,08 € zuzüg­lich eines Säum­nis­zu­schlags fest. Dem Wider­spruch des Klä­gers gab der Süd­west­rund­funk nur hin­sicht­lich der Fest­set­zung des Säum­nis­zu­schlags statt, im Übri­gen wies er ihn zurück.

Auch hier urteil­ten die Ver­wal­tungs­ge­richt gegen die Rund­funk­ge­büh­ren­pflicht: Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz hob auf die Anfech­tungs­kla­ge des Klä­gers den Rund­funk­ge­büh­ren­be­scheid des beklag­ten Süd­west­rund­funks in der Gestalt des Wider­spruchs­be­scheids mit der Begrün­dung auf, der her­an­ge­zo­ge­ne PC unter­fal­le (jeden­falls) der Gebüh­ren­be­frei­ung für Zweit­ge­rä­te nach § 5 Abs. 3 Satz 1 RGebStV 8. Die dage­gen ein­ge­leg­te Beru­fung des Süd­west­rund­funks wies das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz zurück 9.

In allen drei Fäl­len hat nun das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die gegen die vor­in­stanz­li­chen Ent­schei­dun­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Lan­des­rund­funk­an­stal­ten zurück­ge­wie­sen:

Nach der ein­schlä­gi­gen Bestim­mung des Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­tra­ges ist für neu­ar­ti­ge Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te (ins­be­son­de­re Rech­ner, die Rund­funk­pro­gram­me aus­schließ­lich über Ange­bo­te aus dem Inter­net wie­der­ge­ben kön­nen) im nicht aus­schließ­lich pri­va­ten Bereich kei­ne Rund­funk­ge­bühr zu ent­rich­ten, wenn die Gerä­te ein und dem­sel­ben Grund­stück oder zusam­men­hän­gen­den Grund­stü­cken zuzu­ord­nen sind und ande­re Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te dort zum Emp­fang bereit­ge­hal­ten wer­den.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Vor­schrift nun dahin aus­ge­legt, dass die Vor­schrift auch dann anzu­wen­den ist, wenn das her­kömm­li­che Rund­funk­emp­fangs­ge­rät als Erst­ge­rät auf dem­sel­ben Grund­stück zum Emp­fang bereit­ge­hal­ten wird, dem auch der PC als Zweit­ge­rät zuzu­ord­nen ist, ohne dass es dar­auf ankommt, ob auch das her­kömm­li­che Rund­funk­emp­fangs­ge­rät in dem nicht aus­schließ­lich pri­vat, son­dern auch beruf­lich genutz­ten Bereich des Grund­stücks oder der Woh­nung bereit­ge­hal­ten wird.

Zu die­ser Bewer­tung ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt maß­geb­lich unter Beach­tung des Sinn und Zwecks der Rege­lung gelangt, die neu­ar­ti­ge Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te rund­funk­ge­büh­ren­recht­lich pri­vi­le­gie­ren will. Denn einer­seits sind sol­che Gerä­te nicht sel­ten trag­bar (Lap­tops, inter­net­fä­hi­ge Mobil­te­le­fo­ne) und ent­zie­hen sich von daher einer fes­ten Zuord­nung zu bestimm­ten Räum­lich­kei­ten. Ande­rer­seits die­nen die neu­ar­ti­gen Gerä­te – vor allem im nicht­pri­va­ten Bereich – häu­fig nicht (pri­mär) dem Rund­funk­emp­fang, son­dern wer­den als Arbeits­mit­tel benutzt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 17.08.2011 – 6 C 15.10, 45.10 und 20.11

  1. BVerwG 6 C 20.11[]
  2. VG Mün­chen, Urteil vom 28.12.2009 – M 6b K 09.768[]
  3. BayVGH, Urteil vom 27.04.2011 – 7 BV 10.443[]
  4. BVerwG 6 C 45.10[]
  5. VG Frank­furt am Main, Urteil vom 08.09.2009 – 11 K 1310/​08.F(V).[]
  6. Hess. VGH, Beschluss vom 30.03.2010 – 10 A 2910/​09[]
  7. BVerwG 6 C 15.10[]
  8. VG Koblenz, Urteil vom 12.01.2010 – 1 K 1058/​09.KO[]
  9. OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 17.06.2010 – 7 A 10416/​10[]