Der Kanal­an­schluss­bei­trag

Im Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern muss eine Befris­tung für die Gel­tend­ma­chung von Kanal­an­schluss­bei­trä­gen nicht ent­hal­ten sein. Auf­grund von unter­schied­li­chen lan­des­recht­li­chen Rege­lun­gen ist das Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern nicht mit dem baye­ri­schen Lan­des­recht zu ver­glei­chen, für das die­se Fra­ge vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 1 anders beur­teilt wor­den ist.

Der Kanal­an­schluss­bei­trag

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Schwe­rin in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge von Grund­stücks­ei­gen­tü­mern abge­wie­sen, die sich gegen die Zah­lung von Kanal­an­schluss­bei­trä­gen gewehrt haben. Die Klä­ger sind Eigen­tü­mer von Grund­stü­cken auf der Insel Poel. Der zustän­di­gen Zweck­ver­band Wis­mar hat­te sie zur Zah­lung her­an­ge­zo­gen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Wis­mar auch zu der Fra­ge Stel­lung genom­men, ob im Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern eine Befris­tung für die Gel­tend­ma­chung von Anschluss­bei­trä­gen ent­hal­ten sein müs­se, und dies ver­neint. Die­se Fra­ge hat­te durch eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum baye­ri­schen Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz von Anfang März die­sen Jah­res 1 an Aktua­li­tät gewon­nen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Schwe­rin stellt vor Allem auf die Unter­schied­lich­keit der lan­des­recht­li­chen Rege­lun­gen ab. Wäh­rend nach dem baye­ri­schen Lan­des­recht auch Per­so­nen zu Bei­trä­gen her­an­ge­zo­gen wer­den könn­ten, denen – wie im vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall – das betrof­fe­ne Grund­stück schon (seit lan­gem) nicht mehr gehö­re, sei dies nach der Rechts­la­ge in Meck­len­burg-Vor­pom­mern aus­ge­schlos­sen. Der mit der Abwas­ser­an­la­ge bzw. den Anschluss ver­bun­de­ne Vor­teil blei­be in Meck­len­burg-Vor­pom­mern dem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer erhal­ten. Das Pro­blem einer "Ver­flüch­ti­gung" wie im baye­ri­schen Lan­des­recht stel­le sich daher nicht.

Auch ent­hal­te das Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz des hie­si­gen Lan­des kei­ne ver­gleich­ba­re Ver jäh­rungs­re­ge­lung. Die Ver­jäh­rung­frist betra­ge in Meck­len­burg-Vor­pom­mern vier Jah­re nach dem Ent­ste­hen der sach­li­chen Bei­trags­pflicht. Ein Aus­ein­an­der­klaf­fen zwi­schen Ent­ste­hen der Bei­trags­pflicht und Beginn der Ver­jäh­rung sei damit aus­ge­schlos­sen.

Zudem sei in den neu­en Bun­des­län­dern zu berück­sich­ti­gen, dass nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung
hohe Beträ­ge in die Abwas­ser­an­la­gen inves­tiert wor­den sei­en. Dies sei auch bei der Anla­ge des Beklag­ten der Fall. Außer­dem sei deren end­gül­ti­ger Aus­bau­zu­stand selbst der­zeit noch nicht erreicht. Eine funk­ti­ons­fä­hi­ge Abwas­ser­an­la­ge bie­te einen lang andau­ern­der Vor­teil.

Ver­wal­tungs­ge­richt Schwe­rin, Urteil vom 11. April 2013 – 4 A 1250/​12

  1. BVerfG, Beschluss vom 05.03.2013 – 1 BvR 2457/​08[][]