Der Kat­zen­schutz­ver­ein und die Kas­tra­ti­on frei leben­der Kat­zen

Das grund­recht­lich geschütz­te Betä­ti­gungs­feld eines Ver­eins (hier: der Schutz von Kat­zen) garan­tiert nicht ein bestimm­tes Ergeb­nis der sat­zungs­mä­ßi­gen Betä­ti­gung oder gar deren opti­ma­le Ent­fal­tung. Die Betä­ti­gung des Ver­eins wird durch den Nicht­er­lass einer Rechts­ver­ord­nung zur Kas­tra­ti­ons- und Kenn­zeich­nungs­plicht von frei leben­den Kat­zen nicht in grund­rechts­re­le­van­ter Wei­se behin­dert.

Der Kat­zen­schutz­ver­ein und die Kas­tra­ti­on frei leben­der Kat­zen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he eine Fest­stel­lungs­kla­ge des Karls­ru­her Kat­zen­schutz­ver­eins gegen die Stadt Karls­ru­he als unzu­läs­sig abge­wie­sen, mit wel­cher der Kat­zen­schutz­ver­ein gericht­lich fest­ge­stellt haben woll­te, dass der beklag­ten Stadt Karls­ru­he eine taug­li­che Rechts­grund­la­ge für den Erlass einer Ver­ord­nung zur Kas­tra­ti­ons- und Kenn­zeich­nungs­plicht von frei leben­den Kat­zen zur Ver­fü­gung ste­he. Der Ver­ein macht gel­tend, die Ver­meh­rung frei­lau­fen­der wil­der Kat­zen sei zu bekämp­fen, weil für streu­nen­de Kat­zen die Gefahr der Unter­ernäh­rung und ein hohes Risi­ko lebens­be­droh­li­cher Erkran­kun­gen bestehe.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he ist aller­dings ande­rer Auf­fas­sung: Der kla­gen­de Kat­zen­schutz­ver­ein kann nicht ver­lan­gen, dass das Gericht – gleich­sam im Wege eines Rechts­gut­ach­tens – die Rechts­ord­nung dar­auf­hin unter­sucht, ob der Stadt für den Erlass der begehr­ten Rechts­ord­nung eine taug­li­che Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge zur Ver­fü­gung ste­he. Unab­hän­gig davon sei der Kat­zen­schutz­ver­ein aber auch des­halb nicht kla­ge­be­fugt, weil es ihm in dem Ver­fah­ren nicht dar­um gehe, eige­ne Rech­te gegen­über der beklag­ten Stadt durch­zu­set­zen. Weder das ein­fa­che Recht noch das Ver­fas­sungs­recht ver­schaff­ten dem Klä­ger im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang eine sol­che eige­ne Rechts­po­si­ti­on.

Zwar sei der Ver­ein Trä­ger des Grund­rechts auf Ver­ei­ni­gungs­frei­heit. Daher sei auch das sat­zungs­mä­ßi­ge Betä­ti­gungs­feld des Ver­eins – der Schutz von Kat­zen – grund­recht­lich geschützt. Jedoch garan­tie­re die­ses Grund­recht nicht ein bestimm­tes Ergeb­nis der sat­zungs­mä­ßi­gen Betä­ti­gung oder gar deren opti­ma­le Ent­fal­tung. Die sat­zungs­ge­mä­ße Betä­ti­gung des Ver­eins wer­de durch den Nicht­er­lass der strei­ti­gen Rechts­ver­ord­nung nicht in grund­rechts­re­le­van­ter Wei­se behin­dert. Auch der im Grund­ge­setz ver­an­ker­te Schutz der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen, wonach der Staat u.a. auch die Tie­re schüt­ze, ver­schaf­fe dem Ver­ein eben­falls nicht die erfor­der­li­che eige­ne Rechts­po­si­ti­on, die Anknüp­fungs­punkt für die begehr­te Fest­stel­lung sein kön­ne.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 26. April 2012 – 3 K 2151/​11