Der Kreis­rechts­aus­schuss und die Amts­pflich­ten sei­ner Bei­sit­zer

Die Bei­sit­zer eines Kreis­rechts­aus­schus­ses sind ver­pflich­tet, ihr Ver­hal­ten – auch außer­halb der Aus­schuss­sit­zun­gen – so ein­zu­rich­ten, dass das Ver­trau­en der Bür­ger in den Rechts­aus­schuss als unab­hän­gi­ges Kon­troll­organ über die Ver­wal­tung nicht beein­träch­tigt wird.

Der Kreis­rechts­aus­schuss und die Amts­pflich­ten sei­ner Bei­sit­zer

So das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines NPD-Mit­glieds, der gegen sei­ne Abbe­ru­fung aus dem Kreis­rechts­aus­schuss des Land­krei­ses Süd­west­pfalz geklagt hat­te. Der Klä­ger wur­de im Jahr 2009 für die NPD in den Kreis­tag des Land­krei­ses Süd­west­pfalz und dort als Bei­sit­zer in den Kreis­rechts­aus­schuss des Land­krei­ses gewählt. Der Kreis­rechts­aus­schuss, der aus einem Vor­sit­zen­den und zwei Bei­sit­zern besteht, ist zustän­dig für Ent­schei­dun­gen über Wider­sprü­che gegen Beschei­de der Kreis­ver­wal­tung und der kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den. Im Juni 2012 beschloss der Kreis­tag des Beklag­ten, den Klä­ger als Bei­sit­zer aus dem Kreis­rechts­aus­schuss abzu­be­ru­fen, weil er sei­ne Amts­pflich­ten gröb­lich ver­letzt habe. Mit sei­ner hier­ge­gen erho­be­nen Kla­ge mach­te der Klä­ger gel­tend, der eigent­li­che Grund für sei­ne Abbe­ru­fung sei allein sei­ne Mit­glied­schaft in der NPD gewe­sen. Die NPD sei aber kei­ne ver­bo­te­ne Par­tei. Nach­dem sei­ne Kla­ge vom Ver­wal­tungs­ge­richt abge­wie­sen wor­den war, hat der Klä­ger sein Ziel vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt wei­ter ver­folgt.

Nach Auf­as­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz habe der Klä­ger sei­ne Amts­pflich­ten gröb­lich ver­letzt. Die Bei­sit­zer eines Kreis­rechts­aus­schus­ses sei­en ver­pflich­tet, ihr Ver­hal­ten – auch außer­halb der Aus­schuss­sit­zun­gen – so ein­zu­rich­ten, dass das Ver­trau­en der Bür­ger in den Rechts­aus­schuss als unab­hän­gi­ges Kon­troll­organ über die Ver­wal­tung nicht beein­träch­tigt wer­de. Außer­dem müs­se sich der Land­kreis als Trä­ger des Rechts­aus­schus­ses dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass die Bei­sit­zer ihr Amt – wie gesetz­lich vor­ge­schrie­ben – gewis­sen­haft und gerecht aus­üb­ten. Gegen die ent­spre­chen­den Pflich­ten habe der Klä­ger gröb­lich ver­sto­ßen.

Maß­geb­lich für sei­ne Abbe­ru­fung sei sein Ver­hal­ten nach der Wahl im Jahr 2009 gewe­sen, nicht sei­ne Mit­glied­schaft in der NPD. So sei er unter ande­rem bei Kund­ge­bun­gen und Demons­tra­tio­nen mit Spruch­bän­dern wie "gelenk­te Pres­se, Klün­gel, Schau­pro­zes­se, Will­kom­men in der Bana­nen­re­pu­blik" auf­ge­tre­ten. In der "Pfalz-Stim­me", deren Her­aus­ge­ber er sei, wer­de die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land öffent­lich als "BRD-Régime" und "Besat­zer-Régime" ver­un­glimpft. Damit habe er die von einem Bei­sit­zer in einem Kreis­rechts­aus­schuss in der poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung zu beach­ten­de Mäßi­gungs­pflicht ver­letzt und dadurch die von ihm in die­ser Funk­ti­on zu erwar­ten­de Loya­li­tät gegen­über dem Staat, des­sen Teil auch der Land­kreis sei, ver­mis­sen las­sen.

Dar­über hin­aus habe er in der "Pfalz-Stim­me" einen Arti­kel ver­öf­fent­licht mit dem Titel "NPD legt Büro­kra­tie in der Süd­west­pfalz lahm". Allein mit der Über­schrift wer­de der Ein­druck erweckt, Ziel der NPD sei es, die Arbeit der Kreis­ver­wal­tung zu blo­ckie­ren. Hier­zu ste­he die Tätig­keit eines Bei­sit­zers im Kreis­rechts­aus­schuss in offe­nem Wider­spruch, da der Aus­schuss gera­de der ord­nungs­mä­ßi­gen Ver­wal­tungs­tä­tig­keit des Land­krei­ses die­ne.

Durch sein Ver­hal­ten habe er das Anse­hen des Kreis­rechts­aus­schus­ses als unab­hän­gi­ges Kon­troll­organ und die Akzep­tanz sei­ner Ent­schei­dun­gen in der Öffent­lich­keit erheb­lich beein­träch­tigt. Der Land­kreis kön­ne sich wegen sei­nes grob illoya­len und pro­vo­kan­ten Ver­hal­tens auch nicht dar­auf ver­las­sen, dass er das Amt des Bei­sit­zers im Kreis­rechts­aus­schuss gewis­sen­haft und gerecht aus­übe.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 7. August 203 – 10 A 10430/​13.OVG