Der Lea­sing­ver­trag für den Bür­ger­meis­ter­wa­gen

Zwar sind die mit einer pri­va­ten Fir­ma geschlos­se­nen Lea­sing­ver­trä­ge über die Dienst­wa­gen für einen Ober­bür­ger­meis­ter und einen Bür­ger­meis­ter "amt­li­che Infor­ma­tio­nen" im Sin­ne des Lan­des­in­for­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes. Aller­dings steht einem gel­tend gemach­ten Anspruch auf Infor­ma­ti­ons­zu­gang ent­ge­gen, dass sich die Fir­ma dar­auf beru­fen kann, dass es sich bei den Lea­sing­ver­trä­ge um ein Geschäfts­ge­heim­nis nach dem Lan­des­in­for­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz han­delt.

Der Lea­sing­ver­trag für den Bür­ger­meis­ter­wa­gen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt an der Wein­stra­ße in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Bür­gers abge­wie­sen, der Zugang zum Infor­ma­ti­ons­in­halt des mit der Fir­ma BMW geschlos­se­nen Lea­sing­ver­tra­ges über den Dienst­wa­gen für den Ober­bür­ger­meis­ter und Bür­ger­meis­ter begehrt hat. Der in Neu­stadt wohn­haf­te Klä­ger bat im Dezem­ber 2011 die beklag­te Stadt Neu­stadt u.a. um Aus­kunft, ob dem Ober­bür­ger­meis­ter, den Bei­geord­ne­ten sowie den ehren­amt­li­chen Bei­geord­ne­ten Dienst­wa­gen zur Ver­fü­gung ste­hen und wel­che Kos­ten damit ver­bun­den sei­en. Die Stadt ant­wor­te­te ihm, dass dem Ober­bür­ger­meis­ter und dem Bür­ger­meis­ter jeweils ein geleas­tes Kraft­fahr­zeug zuge­wie­sen sei. Für die Dienst­wa­gen fie­len die übli­chen Unter­hal­tungs­kos­ten an. Dar­auf­hin begehr­te der Klä­ger Aus­kunft über die Höhe der Lea­sing­kos­ten für die Dienst­wa­gen sowie Zugang zu den Lea­sing­ver­trä­gen mit der Begrün­dung, als Bür­ger und Steu­er­zah­ler habe er ein grund­sätz­li­ches Inter­es­se dar­an zu erfah­ren, was mit den Gel­dern gesche­he und ob die­se wirt­schaft­lich sinn­voll ein­ge­setzt wür­den. In der Fol­ge­zeit frag­te die Beklag­te die bei­den betrof­fe­nen Auto­mo­bil­kon­zer­ne (Daim­ler Benz, BMW), ob sie mit einer Offen­le­gung der Lea­sing­ver­trä­ge ein­ver­stan­den sei­en. Dem wider­sprach die Fir­ma BMW unter Beru­fung auf das Geschäfts­ge­heim­nis.

Mit Bescheid vom 23. März 2012 lehn­te die Beklag­te dar­auf­hin die Anträ­ge des Klä­gers hin­sicht­lich des Zugangs zu den Lea­sing­ver­trä­gen für die Dienst­wa­gen des Ober­bür­ger­meis­ters und des Bür­ger­meis­ters sowie auf Zugang zu den Infor­ma­tio­nen über die Kos­ten der Dienst­wa­gen ab. Dage­gen leg­te der Klä­ger im April 2012 Wider­spruch ein, über den die Stadt in der Fol­ge­zeit nicht ent­schied. Des­halb erhob der Klä­ger Untä­tig­keits­kla­ge und ver­lang­te unter Bezug­nah­me auf das Lan­des­in­for­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz die Vor­la­ge der mit Daim­ler Benz und BMW geschlos­se­nen Lea­sing­ver­trä­ge. Im Lau­fe des Ver­fah­rens leg­te die Stadt die Ver­trä­ge mit Daim­ler Benz vor. Die Fir­ma BMW hielt an ihrer Ableh­nung fest.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Neu­stadt habe der Klä­ger kei­nen Anspruch auf Zugang zum Infor­ma­ti­ons­in­halt des mit der Fir­ma BMW geschlos­se­nen Lea­sing­ver­tra­ges. Zwar sei­en die vom Klä­ger begehr­ten Daten "amt­li­che Infor­ma­tio­nen" im Sin­ne des Lan­des­in­for­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes. Auch wenn der Abschluss eines Lea­sing­ver­tra­ges mit einem Pri­va­ten kei­ne hoheit­li­che Tätig­keit dar­stel­le, son­dern zur Fis­kal­ver­wal­tung zäh­le, dien­ten die Auf­zeich­nun­gen dienst­li­chen Zwe­cken. Dies fol­ge schon dar­aus, dass die anfal­len­den Lea­sing­ra­ten im Haus­halts­plan der Beklag­ten auf­ge­führt sei­en.

Aller­dings ste­he dem gel­tend gemach­ten Anspruch auf Infor­ma­ti­ons­zu­gang ent­ge­gen, dass sich BMW zu Recht auf Geschäfts­ge­hei­mis­se beru­fen habe. Geschäfts­ge­heim­nis­se ziel­ten auf den Schutz kauf­män­ni­schen Wis­sens; sie beträ­fen alle Kon­di­tio­nen, durch wel­che die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se eines Unter­neh­mens maß­geb­lich bestimmt wer­den könn­ten. Dazu gehör­ten auch kon­kre­te Ver­trags­ge­stal­tun­gen. Bei der vom Klä­ger begehr­ten Ein­sicht­nah­me in die Lea­sing­ver­trä­ge mit sei­nen nur den Ver­trags­par­tei­en bekann­ten Kon­di­tio­nen han­de­le es sich um durch die Berufs­frei­heit geschütz­te Infor­ma­tio­nen, die Rück­schlüs­se der Kon­kur­renz auf die Betriebs­füh­rung des Lea­sing­ge­bers zulas­sen könn­ten. Spe­zi­ell even­tu­el­le beson­de­re Zah­lungs­be­din­gun­gen lie­ßen Schluss­fol­ge­run­gen über die Kos­ten­kal­ku­la­ti­on und die wirt­schaft­li­che Lage von BMW zu.

Im Sin­ne der Pri­vat­au­to­no­mie oblie­ge es der Fir­ma BMW, Ver­trä­ge indi­vi­du­ell zu gestal­ten und aus­zu­ar­bei­ten, so könn­ten die Kon­di­tio­nen für ver­gleich­ba­re Fahr­zeu­ge je nach Kun­de vari­ie­ren. Um die­se Dis­po­si­ti­ons­frei­heit nicht zu begren­zen und dem Unter­neh­men jeg­li­chen Spiel­raum beim Ver­trags­ab­schluss mit Drit­ten zu neh­men, die sich jeweils auf die nach Ver­öf­fent­li­chung bekann­ten güns­ti­ge­ren Kon­di­tio­nen berie­fen, sei es nach­voll­zieh­bar, dass es sich bei den Lea­sing­ver­trä­gen um ein Geschäfts­ge­heim­nis im Sin­ne des Lan­des­in­for­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes han­de­le. Die Ent­schei­dung der Beklag­ten, die begehr­ten Infor­ma­tio­nen als Geschäfts­ge­heim­nis ein­zu­stu­fen, sei somit gericht­lich nicht zu bean­stan­den.

Durch die Aus­wei­sung der all­ge­mei­nen Kos­ten für die bei­den Lea­sing­fahr­zeu­ge im lau­fen­den Haus­halt ver­lie­re die Infor­ma­ti­on nicht ihren Anspruch, als Geheim­nis ein­ge­stuft zu wer­den. Aus­ge­wie­sen wür­den ledig­lich die Gesamt­kos­ten für bei­de Fahr­zeu­ge, die ein­zel­nen Kon­di­tio­nen der Ver­trags­schlie­ßung sei­en dar­aus nicht ersicht­lich. Ein für den Geheim­nis­trä­ger unkon­trol­lier­ba­rer Infor­ma­ti­ons­zu­gang für belie­bi­ge Drit­te lie­ge gera­de nicht vor.

Aus dem Umstand, dass die Beklag­te ein Hoheits­trä­ger sei, erge­be sich kei­ne ander­wei­ti­ge Beur­tei­lung der Situa­ti­on. Ins­be­son­de­re kön­ne aus der Ver­pflich­tung öffent­li­cher Stel­len zur Trans­pa­renz kei­ne Dul­dungs­pflicht Pri­va­ter hin­sicht­lich der Ver­öf­fent­li­chung sol­cher Ver­trags­mo­da­li­tä­ten abge­lei­tet wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt an der Wein­stra­ße, Urteil vom 6. Sep­tem­ber 2013 – 4 K 242/​13.NW