Der Lebens­un­ter­halt eines Aus­län­ders – und die Her­an­zie­hung eines Ver­pflich­tungs­ge­bers

Schon aus dem Geset­zes­wort­laut des § 68 Abs. 1 Satz 1 Auf­en­thG ergibt sich, dass der Ver­pflich­te­te sämt­li­che öffent­li­chen Mit­tel zu erstat­ten hat, die für den Lebens­un­ter­halt des Aus­län­ders auf­ge­wen­det wer­den.

Der Lebens­un­ter­halt eines Aus­län­ders – und die Her­an­zie­hung eines Ver­pflich­tungs­ge­bers

Als erstat­tungs­pflich­tig wer­den im Gesetz aus­drück­lich auch auf­ge­wen­de­te Mit­tel zur Ver­sor­gung im Krank­heits­fall und bei Pfle­ge­be­dürf­tig­keit genannt. Das kön­nen für Inha­ber einer Auf­ent­halts­er­laub­nis nach § 23 Auf­en­thG Leis­tun­gen bei Krank­heit nach § 4 Asyl­bLG und bei Bezie­hern von Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeits­lo­se nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Zwei­tes Buch (SGB II) – wie hier im Streit – Bei­trags­zah­lun­gen zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung sein.

In der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ist geklärt, dass das Prin­zip der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung und das Gebot, bei der Auf­stel­lung und Aus­füh­rung des Haus­halts­plans die Grund­sät­ze der Wirt­schaft­lich­keit und Spar­sam­keit zu beach­ten (vgl. § 6 Abs. 1 HGrG), in der Regel ver­lan­gen, dass der Ver­pflich­te­te im Regel­fall zur Erstat­tung her­an­zu­zie­hen ist, ohne dass es dahin­ge­hen­der Ermes­sens­er­wä­gun­gen bedürf­te, dass indes von die­ser Regel bei Vor­lie­gen aty­pi­scher Gege­ben­hei­ten abge­wi­chen wer­den kann.

Wäh­rend typi­scher­wei­se von einem Regel­fall aus­zu­ge­hen ist, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des Auf­ent­halts­ti­tels ein­schließ­lich der finan­zi­el­len Belast­bar­keit des Ver­pflich­te­ten im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren voll und indi­vi­du­ell geprüft wor­den sind und nichts dafür spricht, dass die Her­an­zie­hung zu einer unzu­mut­ba­ren Belas­tung des Ver­pflich­te­ten füh­ren könn­te, ist ein Aus­nah­me­fall anzu­neh­men, wenn eine wer­ten­de Betrach­tung aller Umstän­de des Ein­zel­falls ergibt, dass die strik­te Geset­zes­an­wen­dung Fol­gen zei­tig­te, die vom Gesetz­ge­ber nicht gewollt sind und mit den Grund­sät­zen der Gerech­tig­keit und der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, ins­be­son­de­re der Rück­sicht­nah­me auf die indi­vi­du­el­le Leis­tungs­fä­hig­keit nicht ver­ein­bar wären.

Im Übri­gen ist unter Wür­di­gung vor­nehm­lich der Umstän­de, unter denen die jewei­li­ge Ver­pflich­tungs­er­klä­rung abge­ge­ben wor­den ist, zu klä­ren, ob die Her­an­zie­hung zur vol­len Erstat­tung der Auf­wen­dun­gen gemäß § 68 Auf­en­thG nament­lich im Hin­blick auf den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit gerecht­fer­tigt ist oder ob es wei­te­rer Erwä­gun­gen bedarf, um zu einem ange­mes­se­nen Inter­es­sen­aus­gleich zu gelan­gen 1.

Unab­hän­gig davon bestimmt sich der Inhalt der gegen­über einer bestimm­ten Behör­de abge­ge­be­nen Ver­pflich­tungs­er­klä­rung gemäß den §§ 133, 157 BGB nach dem Emp­fän­ger­ho­ri­zont (hier dem der Aus­län­der­be­hör­de). Nimmt die­se eine Ver­pflich­tungs­er­klä­rung ent­ge­gen, die nach der tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung (ein­deu­tig) die Haf­tung für bestimm­te Leis­tun­gen aus­schließt, ist die Erklä­rung auch nur mit die­sem Inhalt wirk­sam gewor­den. Dies gilt auch dann, wenn in der Erklä­rung die Erstat­tungs­pflicht zulas­ten eines ande­ren Rechts­trä­gers (hier: der Bun­des­agen­tur für Arbeit) sach­lich und/​oder zeit­lich ein­ge­schränkt wor­den ist 2.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. März 2018 – 1 B 5.18

  1. BVerwG, Urteil vom 24.11.1998 – 1 C 33.97, BVerw­GE 108, 1, 17 ff.[]
  2. s.a. BVerwG, Beschluss vom 14.03.2018 – 1 B 9.18, Rn. 6[]