Der Mari­ne­sol­dat, der Hei­mat­ha­fen – und das Mel­de­recht

In mel­de­recht­li­cher Hin­sicht zäh­len bei der nach § 8 Abs. 2 Satz 1 des nie­der­säch­si­schen Mel­de­ge­set­zes (NMG) anzu­stel­len­den quan­ti­ta­ti­ven Betrach­tung als Auf­ent­halts­ta­ge eines Mari­ne­sol­da­ten im Hei­mat­ha­fen eines Schif­fes nicht nur die Hafen­ta­ge, in denen sich die Fre­gat­te dort befin­det, son­dern auch die Tage, in denen er sich auf hoher See oder in in und aus­län­di­schen Gewäs­sern auf dem Schiff in sei­ner Bord­un­ter­kunft auf­hält 1.

Der Mari­ne­sol­dat, der Hei­mat­ha­fen – und das Mel­de­recht

Bei der Unter­kunft des Klä­gers auf der Fre­gat­te han­delt es sich mel­de­recht­lich jeden­falls nach § 7 Satz 2 NMG um eine mel­de­pflich­ti­ge (§ 16 Nr. 2 NMG) Woh­nung, sodass er dane­ben jeden­falls eine wei­te­re Woh­nung nutzt, also i. S. d. § 8 Abs. 1 NMG meh­re­re Woh­nun­gen bewohnt und dem­nach eine die­ser Woh­nun­gen sei­ne nach den Vor­ga­ben des § 8 Abs. 2 NMG zu bestim­men­de Haupt­woh­nung ist.

Die Bestim­mung der Haupt­woh­nung hat gemäß der Grund­re­gel des § 8 Abs. 2 Satz 1 NMG, d.h. nach Maß­ga­be der vom Sol­da­ten vor­wie­gend genutz­ten Woh­nung, und damit weder unmit­tel­bar noch ent­spre­chend nach der Son­der­be­stim­mung des § 8 Abs. 2 Satz 2 NMG zu erfol­gen, wenn der Klä­ger weder – wie in § 8 Abs. 2 Satz 2 NMG aus­drück­lich vor­aus­ge­setzt wird – ver­hei­ra­tet ist noch in einer Lebens­part­ner­schaft lebt. Auf ledi­ge Per­so­nen ist die­se Bestim­mung man­gels plan­wid­ri­ger Lücke auch nicht ent­spre­chend anwend­bar. Ein Ver­stoß gegen den Schutz der Fami­lie (Art. 6 Abs. 1 GG i. V. m. Art. 3 Abs. 1 GG) liegt hier­in nicht, so dass offen blei­ben kann, ob ein sol­cher Ver­stoß über­haupt zu der vom Antrag­stel­ler gewünsch­ten Rechts­fol­ge füh­ren wür­de. Dass nach Art. 6 Abs. 1 GG Ehe und Fami­lie unter dem beson­de­ren Schutz der staat­li­chen Ord­nung ste­hen, bedeu­tet nicht, dass Ehe und Fami­lie stets gleich zu behan­deln, also mel­de­recht­li­che Son­der­re­ge­lun­gen für Ehe­part­ner stets in glei­chem Umfang auch auf (sons­ti­ge) Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge zu über­tra­gen sei­en. Dass in die­sen unter­schied­li­chen Vor­ga­ben des § 8 Abs. 2 NMG für die Bestim­mung der Haupt­woh­nung von Ledi­gen einer­seits und ver­hei­ra­te­ten Per­so­nen ande­rer­seits auch im Übri­gen kein Ver­stoß gegen den Schutz der Fami­lie zu sehen ist, ist in der Recht­spre­chung aner­kannt 2.

Nach § 8 Abs. 2 Satz 1 NMG ist eine quan­ti­ta­ti­ve Betrach­tung der Auf­ent­halts­zei­ten vor­zu­neh­men. Aus der zitier­ten Son­der­be­stim­mung des § 7 Satz 2 NMG hat es zu Recht den wei­te­ren Schluss gezo­gen, dass die Bord­un­ter­kunft des Klä­gers unab­hän­gig von der jewei­li­gen Lage des Schif­fes mel­de­recht­lich dem Hei­mat­ha­fen des Schif­fes zuzu­ord­nen ist, und damit auch die See- und Hafen­ta­ge, an denen der Klä­ger sich außer­halb des Gemein­de­ge­biets des Hei­mat­ha­fens auf dem Schiff bzw. in sei­ner Bord­un­ter­kunft auf­hält, als Auf­ent­halts­ta­ge in der Gemein­de des Hei­mat­ha­fens zäh­len. Hier­von ist bereits im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zum Erlass des Drit­ten Ände­rungs­ge­set­zes zum Nie­der­säch­si­schen Mel­de­ge­setz vom 28.11.1997 3, mit dem in § 7 der o. a. neue Satz 2 ein­ge­führt wor­den ist, aus­ge­gan­gen wor­den 4. Die Sys­te­ma­tik des Geset­zes unter­streicht die­se Annah­me. Denn nach § 14 Abs. 1 Satz 1 sowie Abs. 2 Satz 3 NMG ist das Bord­per­so­nal von (zivi­len) Schif­fen eben­falls im Hei­mat­ort des Schif­fes bzw. des Ree­ders anzu­mel­den. Eine § 14 Abs. 3 NMG ent­spre­chen­de Aus­nah­me­vor­schrift, wonach die­se Mel­de­pflicht ent­fällt, solan­ge die­se Per­so­nen (ander­wei­tig) im Inland für eine Woh­nung gemel­det sind, besteht für Ange­hö­ri­ge der Bun­des­ma­ri­ne bei einer über sechs Mona­ten andau­ern­den Nut­zung einer dienst­li­chen Unter­kunft – wie hier – nach §§ 16 Nr. 2, 7 Satz 2 NMG gera­de nicht.

Dem­nach zäh­len mel­de­recht­lich für den Mari­ne­sol­da­ten als Auf­ent­halts­ta­ge in der Gemein­de des Hei­mat­ha­fens nicht nur die soge­nann­ten Hafen­ta­ge, in denen sich die Fre­gat­te dort befin­det, son­dern auch die Tage, in denen er sich auf hoher See oder in inlän­di­schen bzw. aus­län­di­schen Gewäs­sern auf dem Schiff in sei­ner Bord­un­ter­kunft auf­hält.

Die Fol­gen die­ser gesetz­li­chen Rege­lun­gen hat der Mari­ne­sol­dat wie ande­re ledi­ge Wochen­end­pend­ler auch hin­zu­neh­men, zumal nicht ersicht­lich ist, dass er die von ihm vor­ge­tra­ge­nen Akti­vi­tä­ten in sei­ner Hei­mat­re­gi­on wegen der mel­de­recht­li­chen Ände­rung sei­ner Haupt­woh­nung nicht mehr wahr­neh­men könn­te oder dadurch sonst schwer­wie­gen­de, etwa finan­zi­el­le Nach­tei­le erlei­den wür­de.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2014 – 11 LA 47/​14

  1. vgl. hier­zu Nds. OVG, Beschluss vom 20.06.2011 – 11 ME 167/​11, NdsVBl.2011, 289[]
  2. vgl. nur BVerfG, Beschluss vom 17.02.2010 – 1 BvR 529/​09, NVwZ 2010, 1022 ff., zu voll­jäh­ri­gen Kin­dern, die noch bei ihren Eltern leben[]
  3. GVBl. S. 483[]
  4. vgl. Nds. LT-Drs. 13/​2690, S. 18[]