Der eisen­bahn­recht­li­che Plan­fest­stel­lungs­be­schluss – und die Kla­ge­be­fug­nis einer Anwoh­ne­rin

Vor­schrif­ten zum Schutz der öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­gung (hier § 52 Abs. 1 WHG) ent­fal­ten Dritt­schutz allen­falls nach Maß­ga­be des Rück­sicht­nah­me­ge­bots zuguns­ten qua­li­fi­ziert und indi­vi­dua­li­siert Betrof­fe­ner.

Der eisen­bahn­recht­li­che Plan­fest­stel­lungs­be­schluss – und die Kla­ge­be­fug­nis einer Anwoh­ne­rin

Im Übri­gen ist die Kla­ge einer Anwoh­ne­rin gegen einen Plan­fest­stel­lungs­be­schluss ist man­gels Kla­ge­be­fug­nis unzu­läs­sig.

So auch in dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall: Auch hier ist die Klä­ge­rin nicht kla­ge­be­fugt. Sie kann nicht im Sin­ne von § 42 Abs. 2 VwGO gel­tend machen, durch den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss in ihren Rech­ten ver­letzt zu sein.

Dass die Klä­ge­rin durch Schie­nen­ver­kehrs­ge­räu­sche mehr als gering­fü­gig – und also in abwä­gungs­er­heb­li­cher Wei­se – belas­tet wird, macht sie selbst nicht gel­tend. Die Gering­fü­gig­keit liegt hier schon wegen der gro­ßen Ent­fer­nung ihres Grund­stücks zur Tras­se der aus­ge­bau­ten Stre­cke auf der Hand.

Die Klä­ge­rin kann nicht gel­tend machen, dass die Zulas­sung des Vor­ha­bens oder die Ertei­lung der Erlaub­nis, das anfal­len­de Ober­flä­chen­was­ser aus dem Bereich der Bahn­an­la­gen zu ver­si­ckern, gegen Vor­schrif­ten zum Schutz der öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­gung ver­sto­ße. Die­se Vor­schrif­ten ent­fal­ten Dritt­schutz allen­falls nach Maß­ga­be des Rück­sicht­nah­me­ge­bots zuguns­ten qua­li­fi­ziert und indi­vi­dua­li­siert Betrof­fe­ner. Zu die­sem Per­so­nen­kreis gehört die Klä­ge­rin nicht.

Der Schutz von Trink­was­ser­vor­kom­men wird nach dem Rege­lungs­sys­tem des Was­ser­haus­halts­ge­set­zes (WHG) pri­mär über die Fest­set­zung von Was­ser­schutz­ge­bie­ten gewähr­leis­tet. Die­se sind gemäß § 51 Abs. 1 Satz 1 WHG fest­zu­set­zen, soweit es das Wohl der All­ge­mein­heit erfor­dert. Schon nach dem Wort­laut der Vor­schrift dient die Aus­wei­sung von Was­ser­schutz­ge­bie­ten eben­so wie der Schutz der öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­gung (§ 50 Abs. 1 WHG) öffent­li­chen Inter­es­sen. Anhalts­punk­te dafür, dass auch ein Indi­vi­du­al­schutz bezweckt sein soll, sind nicht ersicht­lich. Dem­entspre­chend haben Pri­va­te grund­sätz­lich kei­nen Anspruch auf die Fest­set­zung oder Bei­be­hal­tung eines Was­ser­schutz­ge­bie­tes1.

Nichts ande­res gilt mit Blick dar­auf, dass von den für Was­ser­schutz­ge­bie­te gel­ten­den Rege­lun­gen gemäß § 52 Abs. 1 Satz 2 WHG Befrei­un­gen erteilt wer­den dür­fen, die nach den hier erlas­se­nen Schutz­ge­biets­ver­ord­nun­gen mit der Auf­la­ge beson­de­rer Schutz­vor­keh­run­gen ver­se­hen wer­den kön­nen (vgl. § 8 Abs. 1 der Rechts­ver­ord­nung des Land­rats­am­tes Breis­gau-Hoch­schwarz­wald zum Schut­ze des Grund­was­sers im Ein­zugs­ge­biet der Tief­brun­nen I bis V des Zweck­ver­ban­des "Was­ser­ver­sor­gung Wei­ler­tal" vom 22.03.1993 sowie § 9 Abs. 2 Satz 1 der Ver­ord­nung des Land­rats­am­tes Breis­gau-Hoch­schwarz­wald zum Schutz des Grund­was­sers im Ein­zugs­ge­biet des Tief­brun­nens II der Stadt Neu­en­burg am Rhein auf dem Grund­stück Flur­stück Nr. 4938 der Gemar­kung Grieß­heim vom 12.08.1997). Es ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht aus­ge­schlos­sen, dass bei die­sen was­ser­recht­li­chen Ent­schei­dun­gen auch die berech­tig­ten Inter­es­sen Pri­va­ter in die behörd­li­chen Ermes­sens­er­wä­gun­gen ein­zu­stel­len sind; das gilt sowohl für die im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss nach § 57 WHG erteil­te Erlaub­nis, das anfal­len­de Ober­flä­chen­was­ser aus dem Bereich der Bahn­an­la­gen in das Erd­reich zu ver­si­ckern, als auch für Befrei­ungs­ent­schei­dun­gen nach § 52 Abs. 1 Satz 2 WHG.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist bei der Ertei­lung einer was­ser­recht­li­chen Erlaub­nis oder Bewil­li­gung stets auf mög­li­che Beein­träch­ti­gun­gen Drit­ter Bedacht zu neh­men (vgl. § 14 Abs. 3 Satz 1 WHG; zu ent­spre­chen­den Neben­be­stim­mun­gen vgl. § 13 Abs. 1 WHG). Die­se Belan­ge wer­den im Rah­men des durch § 12 Abs. 2 WHG ein­ge­räum­ten (Bewirtschaftungs-)Ermessens jedoch nur nach Maß­ga­be des Rück­sicht­nah­me­ge­bots geschützt. Die­ses ver­langt, dass Drit­te in einer qua­li­fi­zier­ten und indi­vi­dua­li­sier­ten Wei­se betrof­fen sind2. Nur sol­che Betrof­fen­hei­ten könn­ten bei der Erlaub­nis­er­tei­lung nach § 57 WHG oder einer Befrei­ung nach § 52 Abs. 1 Satz 2 WHG zu berück­sich­ti­gen sein.

Die Klä­ge­rin ist nicht in der danach erfor­der­li­chen Wei­se qua­li­fi­ziert und indi­vi­dua­li­sier­bar betrof­fen.

Eine indi­vi­dua­li­sier­te Betrof­fen­heit Drit­ter durch eine was­ser­recht­li­che Befrei­ung von Fest­set­zun­gen eines Was­ser­schutz­ge­bie­tes erfor­dert – anders als bei Trä­gern der öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­gung, von denen hier kei­ner Ein­wän­de gegen das Plan­vor­ha­ben erho­ben hat, dass die Situa­ti­on des Drit­ten im Ver­hält­nis zur All­ge­mein­heit durch eine irgend­wie gear­te­te Beson­der­heit gekenn­zeich­net ist3. Anhalts­punk­te hier­für hat die Klä­ge­rin nicht auf­ge­zeigt4. In der münd­li­chen Ver­hand­lung hat sie im Gegen­teil deut­lich gemacht, dass sie sich als Sach­wal­te­rin der Inter­es­sen der Was­ser­ver­sor­gungs­trä­ger sieht.

Dass eine Anwoh­ne­rin – wie hier die Klä­ge­rin – ihr Was­ser bei dem Ver­sor­ger bezie­hen muss, der eine durch Fest­set­zung eines Was­ser­schutz­ge­biets geschütz­te Trink­was­ser­ge­win­nungs­an­la­ge betreibt, genügt in aller Regel nicht für eine qua­li­fi­zier­te und indi­vi­dua­li­sier­te Betrof­fen­heit. Der Bezug von Was­ser bei einem sol­chen Ver­sor­ger stellt kei­ne Benut­zung des Grund­was­sers im Sin­ne von § 9 WHG dar, auf die bei der Zulas­sung eines Eisen­bahn­vor­ha­bens in einem Was­ser­schutz­ge­biet oder der Ertei­lung einer Erlaub­nis für die Ver­si­cke­rung des auf den Bahn­an­la­gen anfal­len­den Ober­flä­chen­was­sers Rück­sicht zu neh­men sein könn­te. Was­ser­be­nut­zer ist inso­weit allein der Betrei­ber der Trink­was­ser­ge­win­nungs­an­la­ge. Gegen ihn hat der Anwoh­ner einen Anspruch auf Lie­fe­rung von Trink­was­ser in der gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Qua­li­tät. Die Zulas­sung des Vor­ha­bens ändert dar­an nichts. Es ist Auf­ga­be des Trä­gers der Was­ser­ver­sor­gung und nicht sei­ner nur mit­tel­bar betrof­fe­nen Kun­den, bei Zulas­sung eines Vor­ha­bens im Was­ser­schutz­ge­biet die Belan­ge der öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­gung gel­tend zu machen. Ob unter beson­de­ren Umstän­den auch ihnen die Befug­nis zukom­men kann, Ver­stö­ße gegen Vor­schrif­ten zum Schutz der öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­gung gel­tend zu machen, kann offen blei­ben. Sol­che beson­de­ren Umstän­de hat die Klä­ge­rin nicht gel­tend gemacht. Ihre Befürch­tung, dass es dem Ver­sor­ger vor­ha­ben­be­dingt unmög­lich wer­den könn­te, Was­ser in der gefor­der­ten Qua­li­tät zu lie­fern, ist nicht durch kon­kre­te Anhalts­punk­te unter­mau­ert. Der Was­ser­ver­sor­ger selbst hat die­se Gefahr nicht gese­hen. Soll­te die Trink­was­ser­ge­win­nungs­an­la­ge tat­säch­lich durch die Ver­si­cke­rung des auf den Bahn­an­la­gen anfal­len­den Ober­flä­chen­was­sers oder in Fol­ge eines Gefahr­gut­un­falls gefähr­det wer­den, wären Schutz­maß­nah­men ver­an­lasst und aller Vor­aus­sicht nach auch mög­lich. Die plan­fest­ge­stell­te Tras­se ver­läuft auf der Gren­ze zwi­schen den Zonen III A und III B der Was­ser­schutz­ge­bie­te. Schad­stoff­ein­trä­ge in die­sem Bereich wür­den sich erst nach län­ge­ren Zeit­räu­men auf die Trink­was­ser­ge­win­nungs­an­la­ge aus­wir­ken, sodass recht­zei­tig Gegen­maß­nah­men getrof­fen wer­den könn­ten. Der Grund­was­ser­flur­ab­stand ist groß. Not­falls müss­te der Ver­sor­ger die betrof­fe­ne Trink­was­ser­ge­win­nungs­an­la­ge vor­über­ge­hend abschal­ten und sich geeig­ne­tes Was­ser auf ande­rem Wege besor­gen.

Man­gels Betrof­fen­heit in einer mate­ri­ell-recht­li­chen Posi­ti­on kann die Klä­ge­rin auch nicht gel­tend machen, durch einen Ver­fah­rens­ver­stoß oder durch die Abwä­gung der Vari­an­ten in eige­nen Rech­ten ver­letzt zu sein5.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. April 2018 – 3 A 162015 –

  1. Breuer/​Gärditz, Öffent­li­ches und pri­va­tes Was­ser­recht, 4. Aufl.2017, Rn. 1089 m.w.N. []
  2. stRspr, vgl. BVerwG, Urtei­le vom 15.07.1987 – 4 C 56.83, BVerw­GE 78, 40, 43 f.; vom 16.03.2006 – 4 A 1075.04, BVerw­GE 125, 116 Rn. 452; und vom 18.03.2009 – 9 A 39.07, BVerw­GE 133, 239 Rn. 34 []
  3. vgl. auch BVerwG, Urteil vom 15.07.1987 – 4 C 56.83, BVerw­GE 78, 40, 44 []
  4. vgl. zum Dar­le­gungs­er­for­der­nis BVerwG, Urteil vom 18.03.2009 – 9 A 39.07, BVerw­GE 133, 239 Rn. 34 []
  5. vgl. BVerwG, Urteil vom 02.10.2013 – 9 A 23.12, Buch­holz 451.91 EuropUm­wR Nr. 55 Rn. 16 []