Der Pudel im Tier­heim

Ein Kos­ten­be­scheid kann im Ein­zel­fall auf­ge­ho­ben wer­den, weil die zustän­di­ge Behör­de nicht die zur Bewer­tung der Recht­mä­ßig­keit der For­de­rung not­wen­di­gen Ermitt­lun­gen durch­ge­führt hat. Dies zeigt jetzt wie­der eine Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz, in der es um die Kos­ten für die Unter­brin­gung von Pudeln in Tier­hei­men ging.

Der Pudel im Tier­heim

Die Klä­ge­rin betrieb im Land­kreis Neu­wied eine Pudel­zucht. Nach­dem der Land­kreis Män­gel in der Tier­hal­tung fest­stell­te, gab er der Klä­ge­rin auf, ihren Hun­de­be­stand bis zum 1. Sep­tem­ber 2002 auf maxi­mal zehn Tie­re zu redu­zie­ren, und droh­te an, ansons­ten die über­zäh­li­gen Hun­de ander­wei­tig auf Kos­ten der Klä­ge­rin unter­zu­brin­gen. Im Okto­ber 2002 wur­den in der stark ver­un­rei­nig­ten Woh­nung der Klä­ge­rin ins­ge­samt 98 Pudel vor­ge­fun­den. Dar­auf­hin ver­füg­te der Land­kreis, alle Hun­de abzu­trans­por­tie­ren und brach­te die Tie­re in ver­schie­de­nen Tier­hei­men unter. Zudem wur­den die Pudel teil­wei­se tier­me­di­zi­nisch behan­delt und fünf Tie­re ein­ge­schlä­fert. Die Tier­hei­me gaben in der Fol­ge­zeit die Pudel gegen eine „Schutz­ge­bühr“, „Kau­ti­on“ bzw. Spen­de an Inter­es­sen­ten ab. Mit Kos­ten­be­scheid vom 6. Juni 2007 ver­lang­te der Beklag­te von der Klä­ge­rin ins­ge­samt 30.038,22 € (Sach­kos­ten für die Unter­brin­gung, ärzt­li­che Behand­lung und Betreu­ung der Tie­re sowie Gebüh­ren der Kreis­ver­wal­tung abzüg­lich von Spen­den sowie Ein­nah­men aus der Ver­mitt­lung der Hun­de). Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren erhob die Klä­ge­rin Kla­ge. In der münd­li­chen Ver­hand­lung redu­zier­te der Beklag­te die Kos­ten­for­de­rung auf 15.000,– €.

Das Gericht hob den Kos­ten­be­scheid auf. Ein Ver­wal­tungs­akt kön­ne, so die Rich­ter, bin­nen sechs Mona­ten nach Ein­gang der Akten ohne Ent­schei­dung in der Sache auf­ge­ho­ben wer­den, sofern das Gericht eine wei­te­re Sach­auf­klä­rung für erfor­der­lich hal­te, die gebo­te­nen Ermitt­lun­gen erheb­lich sei­en und die Auf­he­bung sach­dien­lich sei. Ein sol­cher Fall lie­ge hier vor. Zwar bestehe vor­lie­gend dem Grun­de nach ein Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch auf­grund tier­schutz­recht­li­cher Bestim­mun­gen. Denn die tier­schutz­recht­li­chen Ver­fü­gun­gen, die dem Vor­ge­hen des Land­krei­ses zugrun­de lägen, hät­ten Bestands­kraft erlangt. Jedoch sei unge­ach­tet der Redu­zie­rung der For­de­rung auf 15.000,– € eine wei­te­re Sach­auf­klä­rung zur Höhe der Unter­brin­gungs- und Pfle­ge­kos­ten der Tie­re gebo­ten. So bestehe Auf­klä­rungs­be­darf zu den unter­schied­li­chen Tages­sät­zen der Tier­hei­me, in wel­che die Pudel ver­bracht wor­den sei­en. Zudem sei die Ermitt­lung wei­te­rer Tat­sa­chen nötig zur Beant­wor­tung der Fra­ge, wie lan­ge die kos­ten­pflich­ti­ge Unter­brin­gung der ein­zel­nen Tie­re in den Tier­hei­men, die zwi­schen 15 Tagen und 415 Tagen betra­gen habe, habe andau­ern dür­fen. Außer­dem sei­en teil­wei­se Tier­arzt­kos­ten gel­tend gemacht, ohne dass klar sei, wel­che Tie­re betrof­fen und ob die tier­ärzt­li­chen Maß­nah­men erfor­der­lich gewe­sen sei­en. Über­dies sei teil­wei­se nicht nach­voll­zieh­bar, ob die auf­ge­führ­ten Kos­ten sich über­haupt auf Hun­de aus dem Bestand der Klä­ge­rin bezö­gen. Ange­sichts der Viel­zahl der auf­zu­klä­ren­den Ein­zel­fall­um­stän­de sei es sach­dien­lich, den Kos­ten­be­scheid auf­zu­he­ben und dem Land­kreis die wei­te­re Sach­ver­halts­auf­klä­rung auf­zu­er­le­gen, zumal eine Beein­träch­ti­gung schutz­wür­di­ger Belan­ge der Betei­lig­ten hier­durch nicht erkenn­bar sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 8. Juli 2009 – 2 K 1388/​08.KO