Der rechts­wid­ri­ge, aber nicht nich­ti­ge Plan­fest­stel­lungs­be­schluss

Ein Ur­teil, das fest­stellt, dass ein Plan­fest­stel­lungs­be­schluss wegen eines be­heb­ba­ren Man­gels (§ 17e Abs. 6 Satz 2 FStrG) rechts­wid­rig ist und nicht voll­zo­gen wer­den darf, wirkt nur zwi­schen den Be­tei­lig­ten. Im Ver­hält­nis zu an­de­ren Plan­be­trof­fe­nen er­weist sich der fest­stel­len­de Aus­spruch grund­sätz­lich als blo­ßer Rechts­re­flex, der die ihnen ge­gen­über ein­ge­tre­te­ne Be­stands­kraft un­be­rührt lässt [1].

Der rechts­wid­ri­ge, aber nicht nich­ti­ge Plan­fest­stel­lungs­be­schluss

In dem hier vo bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren ist der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für den Auto­bahn­bau durch den Antrag­stel­ler weder in sei­ner ursprüng­li­chen Fas­sung noch in der Fas­sung spä­te­rer Ände­run­gen und Ergän­zun­gen bis hin zur Ände­rung vom 15.03.2010 ange­foch­ten wor­den.

Die dadurch gegen­über dem Antrag­stel­ler ein­ge­tre­te­ne Bestands­kraft ist nicht durch das Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts [2] ent­fal­len, in dem das Bun­des­vr­wal­tungs­ge­richt auf die Kla­ge pri­va­ter Plan­be­trof­fe­ner hin den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für rechts­wid­rig und nicht voll­zieh­bar erklärt hat. Die­ses Urteil ent­fal­tet mit sei­nem fest­stel­len­den Aus­spruch [3] Wir­kung nur zwi­schen den Betei­lig­ten (§ 121 Nr. 1 VwGO), wäh­rend die­ser Aus­spruch sich gegen­über ande­ren Plan­be­trof­fe­nen als blo­ßer Rechts­re­flex erweist, der die ein­mal ein­ge­tre­te­ne Bestands­kraft unbe­rührt lässt [4].

Eine ande­re Sicht­wei­se wider­sprä­che im Übri­gen dem Gedan­ken der Pla­ner­hal­tung, der in § 17e Abs. 6 Satz 2 FStrG Nie­der­schlag gefun­den hat. Danach soll eine – gegen­über jedem Plan­be­trof­fe­nen wir­ken­de – Kas­sa­ti­on des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses ver­mie­den wer­den, soweit der fest­ge­stell­te Feh­ler sich vor­aus­sicht­lich in einem ergän­zen­den Ver­fah­ren aus­räu­men lässt. Mit die­sem Gedan­ken wäre es unver­ein­bar, wenn der gericht­li­che Aus­spruch der Rechts­wid­rig­keit und Nicht­voll­zieh­bar­keit der Bestands­kraft in wei­ter­ge­hen­dem Umfang ent­ge­gen­stün­de als zur Besei­ti­gung des Feh­lers nötig [5]. Eine Feh­ler­be­sei­ti­gung in einem ergän­zen­den Ver­fah­ren aber ist mög­lich, ohne die Bestands­kraft auch gegen­über sol­chen Plan­be­trof­fe­nen wie­der auf­zu­ge­ben die den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss nicht ange­foch­ten haben.

Die Bestands­kraft des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses für den Auto­bahn­bau ist auch nicht durch den Ände­rungs­plan­fest­stel­lungs­be­schluss vom 08.02.2012 ent­fal­len. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts wer­den durch einen Ände­rungs­plan­fest­stel­lungs­be­schluss Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten grund­sätz­lich nur in dem Umfang eröff­net, in dem der Beschluss eige­ne Rege­lun­gen ent­hält. Soweit eine bereits erfolg­te wirk­sa­me Anla­gen­zu­las­sung durch Plan­fest­stel­lung reicht, bedarf es kei­ner neu­en Zulas­sungs­ent­schei­dung. Ist der ursprüng­li­che Plan­fest­stel­lungs­be­schluss gegen­über einer Per­son bestands­kräf­tig gewor­den, so kann die­se auf die Plan­än­de­rung hin nur inso­weit Rechts­schutz ver­lan­gen, als der Rege­lungs­ge­halt des Ände­rungs­plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses reicht [6]. Dar­an ändert auch der Umstand nichts, dass der Erlass eines den noch nicht voll­zo­ge­nen Plan­fest­stel­lungs­be­schluss abän­dern­den wei­te­ren Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses zusam­men mit den Fest­set­zun­gen im vor­aus­ge­gan­ge­nen Plan­fest­stel­lungs­be­schluss inhalt­lich zu einer ein­heit­li­chen Plan­fest­stel­lungs­ent­schei­dung führt [7].

Eben­so wenig wird die mit der Bestands­kraft des ursprüng­li­chen Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses ver­bun­de­ne Beschrän­kung der gericht­li­chen Über­prü­fungs­be­fug­nis dadurch infra­ge gestellt, dass der Ände­rungs­plan­fest­stel­lungs­be­schluss aus einem nach gericht­li­cher Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit und Nicht­voll­zieh­bar­keit durch­ge­führ­ten ergän­zen­den Ver­fah­ren her­vor­ge­gan­gen ist. Im Gegen­teil spricht der Grund­satz der Pla­ner­hal­tung sogar zusätz­lich für die­se Beschrän­kung, da sie gewähr­leis­tet, dass die Rege­lungs­tei­le des ursprüng­li­chen Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses, die bean­stan­dungs­frei geblie­ben sind, wei­te­rem Streit ent­zo­gen wer­den [8].

In beson­de­ren Fall­ge­stal­tun­gen mag es aller­dings aus Grün­den effek­ti­ven Rechts­schut­zes gebo­ten sein, die Anfecht­bar­keit über den Rege­lungs­ge­halt des Ände­rungs­plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses hin­aus aus­nahms­wei­se auf die Rege­lun­gen der Plan­fest­stel­lung im Übri­gen aus­zu­deh­nen. Dies ist nament­lich dann in Betracht zu zie­hen, wenn ein durch die Ände­rung Betrof­fe­ner gegen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss in frü­he­rer Fas­sung man­gels recht­li­cher Betrof­fen­heit noch nicht vor­ge­hen konn­te [9] oder wenn die Ände­rung die fest­ge­stell­te Pla­nung in ihrer Grund­kon­zep­ti­on berührt. Die Bestands­kraft des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses vom 21.02.2007 wird jedoch unter kei­nem die­ser Gesichts­punk­te ein­ge­schränkt.

Die plan­fest­ge­stell­te Auto­bahn­pla­nung ist in viel­fäl­ti­ger Hin­sicht mit Ein­grif­fen in Natur und Land­schaft ver­bun­den, die dem Antrag­stel­ler Anlass und Befug­nis zur Kla­ge gaben. Der Antrag­stel­ler hat also nicht erst auf­grund der Ände­rungs­pla­nung nach § 42 Abs. 2 VwGO i.V.m. §§ 64 Abs. 1, 63 Abs. 2 Nr. 6 BNatSchG ein Kla­ge­recht erlangt.

Eben­so wenig wird durch die mit dem Ände­rungs­plan­fest­stel­lungs­be­schluss gere­gel­ten Plan­än­de­run­gen die Grund­kon­zep­ti­on der Pla­nung berührt. Eine den Anfor­de­run­gen der §§ 13 ff. BNatSchG ent­spre­chen­de Kom­pen­sa­ti­on, die durch den Ände­rungs­plan­fest­stel­lungs­be­schluss gewähr­leis­tet wer­den soll, ist zwar Vor­aus­set­zung für die Recht­mä­ßig­keit der Auto­bahn­pla­nung. Die Ände­run­gen betref­fen aber nur einen gerin­gen Teil der ins­ge­samt geplan­ten Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men (ca. 6 %), ohne das Kom­pen­sa­ti­ons­kon­zept in sei­nen Grund­zü­gen zu berüh­ren. Soll­ten die betref­fen­den Rege­lun­gen sich in bestimm­ter Hin­sicht als feh­ler­haft oder defi­zi­tär erwei­sen, so las­sen sich die­se Män­gel jeden­falls durch Anpas­sung und Ergän­zung des Kom­pen­sa­ti­ons­kon­zepts aus­räu­men. Dies gilt jeden­falls des­halb, weil eine Kom­pen­sa­ti­on auch durch Ersatz­maß­nah­men erfol­gen und, sofern sich Aus­gleich oder Ersatz wider erwar­ten nicht rea­li­sie­ren las­sen soll­ten, nach § 15 Abs. 6 BNatSchG auf die Fest­set­zung eines Ersatz­gel­des aus­ge­wi­chen wer­den kann. Aller­dings knüpft § 15 Abs. 5 BNatSchG die Zulas­sung des mit dem Vor­ha­ben ver­bun­de­nen Ein­griffs für den Fall unzu­rei­chen­der Kom­pen­sier­bar­keit an die Vor­aus­set­zung, dass bei der Abwä­gung aller Anfor­de­run­gen an Natur und Land­schaft die Belan­ge des Natur­schut­zes und der Land­schafts­pfle­ge ande­ren Belan­gen im Ran­ge nicht vor­ge­hen. Mit Rück­sicht auf die unter­ge­ord­ne­te Bedeu­tung der zum Gegen­stand der Ände­rungs­pla­nung gemach­ten natur­schutz­recht­li­chen Maß­nah­men spricht aber nichts für die Annah­me, dass die­se Abwä­gung zu Las­ten des Vor­ha­bens aus­fal­len wür­de. Ange­sichts des­sen bleibt die Grund­kon­zep­ti­on der Auto­bahn­pla­nung von den Ände­run­gen, die Gegen­stand des Ände­rungs­plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses sind, unbe­rührt mit der Fol­ge, dass auch das Gebot effek­ti­ven Rechts­schut­zes kei­ne Ein­schrän­kun­gen der Bestands­kraft des ursprüng­li­chen Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses erfor­dert.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Juli 2012 – 9 VR 6.12

  1. im An­schluss an BVerwG, Be­schluss vom 22.09.2005 – 9 B 13.05[]
  2. BVerwG, Urteil vom 18.03.2009 – 9 A 40.07[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 21.03.1996 – 4 C 19.94, BVerw­GE 100, 370, 372; Beschluss vom 22.09.2005 – 9 B 13.05 – juris Rn. 7[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 22.09.2005 a.a.O.; zur dif­fe­ren­zie­ren­den Beur­tei­lung der sofor­ti­gen Voll­zieh­bar­keit von Plan­fest­stel­lungs­be­schlüs­sen im Ver­hält­nis zu ver­schie­de­nen Betrof­fe­nen vgl. auch Beschluss vom 27.01.1982 – 4 ER 401.81, BVerw­GE 64, 347, 353[]
  5. BVverwG, Beschluss vom 22.09.2005 a.a.O. Rn. 6[]
  6. vgl. BVerwG, Urteil vom 21.05.1997 – 11 C 1.97, Buch­holz 442.40 § 6 LuftVG Nr. 27 S. 4; Beschlüs­se vom 17.09.2004 – 9 VR 3.04, Buch­holz 316 § 76 VwVfG Nr. 13 S. 4 und vom 22.09.2005 a.a.O. Rn. 5[]
  7. BVerwG, Beschluss vom 17.09.2004 a.a.O.[]
  8. vgl. BVerwG, Beschluss vom 22.09.2005 a.a.O. Rn. 6[]
  9. BVerwG, Beschluss vom 17.09.2004 a.a.O. S. 5; vgl. auch Urteil vom 09.06.2010 – 9 A 25.09, Buch­holz 316 § 76 VwVfG Nr.19[]