Der Schul­lei­ter, der nicht unter­rich­ten will

Ein Schul­lei­ter, der sich über meh­re­re Jah­re in gro­ßem Umfang nicht im Stun­den­plan ent­spre­chend den Vor­ga­ben der Arbeits­zeit­ver­ord­nung für Lehr­kräf­te zum Unter­richt ein­teilt, ver­letzt sei­ne Pflicht zur Dienst­leis­tung so schwer, dass die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis als ange­mes­se­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me indi­ziert ist.

Der Schul­lei­ter, der nicht unter­rich­ten will

In dem jetzt vom Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg ent­schie­de­nen Fall hat­te der beklag­te Schul­lei­ter in den Schul­jah­ren 2002/​2003 bis 2005/​2006 eine Unter­richts­ver­pflich­tung von 15 Stun­den Unter­richt wöchent­lich, da auf die Regel­stun­den­zahl von 28 Wochen­stun­den wegen sei­ner Schul­lei­ter­tä­tig­keit 13 Wochen­stun­den ange­rech­net wur­den 1. Tat­säch­lich erteilt hat der Beklag­te jedoch – dies ist unstrei­tig – vom Schul­jahr 2002/​2003 bis zum April 2006 des Schul­jah­res 2005/​2006 ledig­lich sechs Stun­den Unter­richt im Fach Wer­ken. Er hat damit in den drei Schul­jah­ren 2002/​2003, 2003/​2004 und 2004/​2005 in jeweils 37 Unter­richts­wo­chen jeweils neun Stun­den, also 37 x 3 x 9 = 999 Stun­den, sowie im Schul­jahr 2005/​2006 263 Stun­den, ins­ge­samt daher ca. 1.250 Stun­den Unter­richt zu wenig erteilt. Der Beklag­te war in den genann­ten Schul­jah­ren für die Erstel­lung des Stun­den­plans allein zustän­dig und unter­lag kei­ner Kon­trol­le durch Drit­te. Er hat­te sich ent­ge­gen sei­ner ihm bekann­ten Ver­pflich­tung in den Schul­jah­ren 2002/​2003, 2003/​2004 und 2004/​2005 ledig­lich für jeweils sechs Wochen­stun­den Unter­richt im Fach Wer­ken ein­ge­teilt. Im Schul­jahr 2005/​2006 hat­te er sich nur für zwölf Wochen­stun­den Unter­richt ein­ge­teilt, aber von die­sen Stun­den bis Ende April 2006 die vor­ge­se­he­nen vier Wochen­stun­den "Arbeits­ge­mein­schaft Gar­ten" und zwei Wochen­stun­den "Par­al­lel­be­set­zung För­der­un­ter­richt Mathe­ma­tik" in Klas­se 4 tat­säch­lich nicht erteilt. Dar­über hin­aus teil­te er sich von vorn­her­ein für drei wei­te­re Wochen­stun­den nicht ein, um die­se in das nächs­te Jahr schie­ben zu kön­nen, sodass er im Ergeb­nis eben­falls neun Stun­den Unter­richt wöchent­lich in die­sem Schul­jahr nicht erteil­te.

Hier­durch hat der Beklag­te sei­ne Pflicht zur Beach­tung der all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten und Richt­li­ni­en (§ 63 Satz 3 NBG a. F., nun­mehr § 35 Satz 2 BeamtStG) ver­letzt. Da er als Schul­lei­ter für die Ein­hal­tung der Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten (s. § 43 Abs. 2 Satz 2 NSchG) und die Erstel­lung des Stun­den­plans zustän­dig gewe­sen ist 2, ist davon aus­zu­ge­hen, dass er sich bewusst nicht in dem nach der ArbZVO-Lehr 1999 bzw. 2004 3 vor­ge­se­he­nen Umfang für den Unter­richt ein­ge­teilt bzw. in Bezug auf vier Wochen­stun­den "Arbeits­ge­mein­schaft Gar­ten" und zwei Wochen­stun­den "Par­al­lel­be­set­zung För­der­un­ter­richt Mathe­ma­tik" Unter­richt in der Klas­se 4 des Schul­jah­res 2005/​2006 nicht erteilt und damit vor­sätz­lich die­se Dienst­pflicht ver­letzt hat.

Dar­über hin­aus hat der Beklag­te zugleich sei­ne Pflicht zu ach­tungs- und ver­trau­ens­wür­di­gem Ver­hal­ten (§ 62 Satz 3 NBG a. F., nun­mehr § 34 Satz 3 BeamtStG) ver­letzt. Denn zu den Dienst­pflich­ten der Leh­rer und auch eines Schul­lei­ters, soweit er nicht von sei­ner Unter­richts­ver­pflich­tung befreit ist, gehö­ren ange­sichts des umfas­sen­den Bil­dungs­auf­trags der Schu­le (§ 2 NSchG) der Unter­richt und die Erzie­hung der ihnen anver­trau­ten Schü­ler unter Beach­tung der Eltern­rech­te. Die Leh­rer sol­len die Schü­ler mit dem gel­ten­den Wer­te­sys­tem und den Moral­vor­stel­lun­gen der Gesell­schaft bekannt machen und sie zu deren Ein­hal­tung anhal­ten. Damit der Erzie­hungs­auf­trag erfüllt wer­den kann, ist von einem Leh­rer beson­de­re Zuver­läs­sig­keit und Ver­trau­ens­wür­dig­keit zu ver­lan­gen 4. Die­sen Anfor­de­run­gen ist der Beklag­te mit sei­nem Ver­hal­ten nicht gerecht gewor­den, denn er hat dadurch, dass er sich im auf­ge­zeig­ten Umfang bereits nicht zum Unter­richt ein­ge­teilt bezie­hungs­wei­se ein­ge­plan­ten Unter­richt nicht erteilt hat, die beson­de­re Zuver­läs­sig­keit und Ver­trau­ens­wür­dig­keit nicht offen­bart, die für die Erfül­lung des Erzie­hungs­auf­trags erfor­der­lich ist.

Eben­so hat der Beklag­te sei­ne aus § 62 Satz 1 NBG a. F. (nun­mehr § 34 Satz 1 BeamtStG) resul­tie­ren­de Pflicht ver­letzt, sich mit vol­ler Hin­ga­be sei­nem Beruf zu wid­men. Hier­nach hat er dem Dienst­herrn sei­ne vol­le Arbeits­kraft zur Ver­fü­gung zu stel­len und die­se zu erhal­ten. Der Beam­te hat sei­ne kör­per­li­che und geis­ti­ge Leis­tungs­fä­hig­keit voll ein­zu­brin­gen und die Dienst­auf­ga­ben enga­giert zu erfül­len 5. Die­ser Pflicht ist der Beklag­te durch die nicht vor­schrifts­ge­mä­ße Ein­tei­lung zum Unter­richt im Stun­den­plan und die Nicht­er­tei­lung von Unter­richt nicht gerecht gewor­den.

Zwei­fel bestehen, ob der Beklag­te auch die Pflicht zur unei­gen­nüt­zi­gen Ver­wal­tung sei­nes Amtes (§ 62 Satz 2 NBG a. F., nun­mehr § 34 Satz 2 BeamtStG) miss­ach­tet hat. Hier­für könn­te zwar spre­chen, dass er sei­ne Pflicht zur Unter­richts­er­tei­lung nach sei­nen eige­nen Anga­ben in sei­ner per­sön­li­chen Erklä­rung vom 2. Juli 2006 aus Grün­den des eige­nen Anse­hens und zum Errei­chen sei­ner Visi­on, die Schu­le in ganz beson­de­rer Wei­se als "Zau­ber­schu­le" zu pro­fi­lie­ren, hin­ten ange­stellt hat. Jedoch hat der Beklag­te nach sei­ner nicht wider­leg­ten Ein­las­sung an Stel­le des Unter­richts ande­re schu­li­sche Belan­ge wahr­ge­nom­men, so dass sich die dem Beklag­ten inso­weit vor­ge­wor­fe­ne Pflicht­ver­let­zung letzt­lich nicht fest­stel­len lässt.

Indem der Beklag­te Anfang April 2006 durch nach­träg­li­ches Abzeich­nen der von ihm im Schul­jahr 2005/​2006 nicht erteil­ten zwei Wochen­stun­den "Par­al­lel­be­set­zung För­der­un­ter­richt Mathe­ma­tik" im Klas­sen­buch ver­sucht hat, die Ertei­lung des Unter­richts gegen­über sei­nen Vor­ge­setz­ten vor­zu­täu­schen, hat der Beklag­te vor­sätz­lich zum einen gegen sei­ne Pflicht zu ach­tungs- und ver­trau­ens­wür­di­gem Ver­hal­ten (§ 62 Satz 3 NBG a. F., nun­mehr § 34 Satz 3 BeamtStG) ver­sto­ßen, die dem Beam­ten im Rah­men sei­ner Amts­füh­rung gebie­tet, unwah­re Anga­ben zu unter­las­sen, und die Pflicht zu einer ver­trau­ens­vol­len Zusam­men­ar­beit (§ 63 Satz 1 NBG a. F., nun­mehr § 35 Satz 1 BeamtStG) ver­letzt, da er mit der Vor­la­ge des mani­pu­lier­ten Klas­sen­bu­ches die Nicht­er­tei­lung des Unter­richts gegen­über sei­nen Vor­ge­setz­ten zu ver­heim­li­chen ver­sucht hat.

Ent­ge­gen der nicht näher begrün­de­ten Auf­fas­sung des Dienst­her­ren sieht das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt den Straf­tat­be­stand des § 267 StGB "Urkun­den­fäl­schung" durch die Mani­pu­la­ti­on des Klas­sen­bu­ches als nicht erfüllt an. Zu berück­sich­ti­gen ist, dass regel­mä­ßig – wie auch hier – das Aus­fül­len des Klas­sen­bu­ches den ein­zel­nen Lehr­kräf­ten für die von ihnen zu ertei­len­den Unter­richts­stun­den obliegt 6. Bis zu den jewei­li­gen inhalt­lich unrich­ti­gen Ein­tra­gun­gen des Beklag­ten hat daher noch kei­ne Urkun­de im Sin­ne des § 267 StGB vor­ge­le­gen. Der Beklag­te hat mit den inhalt­lich unrich­ti­gen Ein­tra­gun­gen weder eine unech­te Urkun­de her­ge­stellt noch eine ech­te Urkun­de ver­fälscht, son­dern ledig­lich eine schrift­li­che Lüge gefer­tigt. Ein schrift­li­che Lüge erfüllt den Straf­tat­be­stand des § 267 StGB nicht, weil der unwah­re Inhalt einer Urkun­de deren Echt­heit nicht berührt 7. Eben­so wenig lie­gen aus die­sem Grund die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me des Gebrau­chens einer unech­ten oder ver­fälsch­ten Urkun­de vor.

Soweit dem Beklag­ten vor­ge­wor­fen wird, in den Jah­ren 2000 bis 2005 Zau­ber­ma­te­ria­li­en mit Gesamt­kos­ten von 19.731,41 € zu Las­ten des Schul­etats beschafft und nicht für schu­li­sche Zwe­cke ein­ge­setzt zu haben, ist fest­zu­stel­len, dass allein die Anschaf­fung der Zau­ber­ma­te­ria­li­en nicht den Tat­be­stand der Dienst­pflicht­ver­let­zung erfüllt. Auf Ver­an­las­sung des Beklag­ten hat sei­ne Sekre­tä­rin Frau M. die ange­schaff­ten Mate­ria­li­en ord­nungs­ge­mäß inven­ta­ri­siert. Der Beklag­te hat die Rech­nun­gen zur Zah­lung gegen­über dem Schul­amt der Stadt J. ange­ord­net, ohne dass von dort, ins­be­son­de­re dem dor­ti­gen Rech­nungs­prü­fungs­amt, Nach­fra­gen gekom­men sind. Ob wegen der hohen Anschaf­fungs­kos­ten ande­re, wich­ti­ge­re Gegen­stän­de für die Schu­le nicht ange­schafft wer­den konn­ten, ist nicht Gegen­stand die­ses Ver­fah­rens.

Aller­dings ist dem Beklag­ten eine Ver­let­zung sei­ner Pflich­ten zur unei­gen­nüt­zi­gen Ver­wal­tung sei­nes Amtes (§ 62 Satz 2 NBG a. F., nun­mehr § 34 Satz 2 BeamtStG) und zu ach­tungs- und ver­trau­ens­wür­di­gem Ver­hal­ten (§ 62 Satz 3 NBG a. F., nun­mehr § 34 Satz 3 BeamtStG) vor­zu­wer­fen, weil er die in gro­ßem Umfang ange­schaff­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en nicht in aus­rei­chen­der Wei­se – abge­se­hen von zwei Zau­ber­vor­füh­run­gen an den Rosen­mon­ta­gen in den Jah­ren 2004 und 2005 sowie im Rah­men einer kur­zen Vor­füh­rung wäh­rend einer Ein­schu­lungs­fei­er – für schu­li­sche Zwe­cke ein­ge­setzt hat. Der Beklag­te als Schul­lei­ter trägt nach § 43 Abs. 1 NSchG die Gesamt­ver­ant­wor­tung für die Schu­le und für deren Qua­li­täts­si­che­rung und Qua­li­täts­ent­wick­lung. Die Aus­übung der Gesamt­ver­ant­wor­tung umfasst hier­bei nicht nur die Mit­tel­be­wirt­schaf­tung, also die Ver­wal­tung der Bud­gets nach § 43 Abs. 4 Nr. 3 NSchG, son­dern auch den Ein­satz der der Schu­le zur Ver­fü­gung ste­hen­den sach­li­chen Mit­tel. Im Rah­men sei­ner Gesamt­ver­ant­wor­tung hat der Schul­lei­ter die sach­li­chen Mit­tel der Schu­le so ein­zu­set­zen, dass ihr Ein­satz der Erfül­lung des Bil­dungs­auf­trags der Schu­le im Sin­ne von § 2 NSchG dient. Dabei hat der Schul­lei­ter nach § 62 Satz 2 NBG a. F. unei­gen­nüt­zig und nach bes­tem Gewis­sen zu han­deln und nach § 62 Satz 3 NBG a. F. das Ver­trau­en, das ihm hin­sicht­lich der Aus­übung sei­ner Gesamt­ver­ant­wor­tung von sei­nem Dienst­herrn und der All­ge­mein­heit ent­ge­gen gebracht wird, nicht zu ent­täu­schen. Bei­de Pflich­ten sieht der Senat als ver­letzt an, denn der Beklag­te hat die aus finan­zi­el­len Mit­teln der Schu­le ange­schaff­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en zu kei­nem Zeit­punkt über einen Zeit­raum von fünf Jah­ren den Schü­lern oder ande­ren Leh­rern zur Erfül­lung des Bil­dungs­auf­trags zur Ver­fü­gung gestellt. Es ist weder aus dem Vor­trag des Beklag­ten noch aus den Ver­wal­tungs­vor­gän­gen ersicht­lich, wes­halb es nur dem Beklag­ten vor­be­hal­ten gewe­sen ist, die Zau­ber­ma­te­ria­li­en zu benut­zen. Es lie­gen kei­ne Anhalts­punk­te vor, dass der Beklag­te in dem gesam­ten Zeit­raum seit dem Jahr 2000 auch nur ansatz­wei­se Anstren­gun­gen unter­nom­men hat, ande­re Lehr­kräf­te zum päd­ago­gi­schen Ein­satz von Zau­ber­ma­te­ria­li­en zu bewe­gen. Das Ver­hal­ten des Beklag­ten lässt viel­mehr den Schluss zu, dass er mit der Anschaf­fung der Mate­ria­li­en sei­ne pri­va­ten Inter­es­sen vor­ran­gig befrie­digt hat. Sei­ne Ein­las­sung, die Mate­ria­li­en sei­en für eine Zau­be­rei-Arbeits­ge­mein­schaft ange­schafft wor­den, die er aber noch nicht ein­ge­rich­tet habe, da er sich erst mit den Mate­ria­li­en habe ver­traut machen müs­sen, steht der Annah­me einer Dienst­pflicht­ver­let­zung daher nicht ent­ge­gen. Zudem war der Beklag­te bereits im Jah­re 2004 zu einer ca. 35-minü­ti­gen Zau­ber­vor­füh­rung in der Lage. Er hat kei­ne Gesichts­punk­te vor­ge­tra­gen, wes­halb eine Zau­be­rei-Arbeits­ge­mein­schaft nicht bereits im Schul­jahr 2003/​2004 hät­te ein­ge­rich­tet wer­den kön­nen.

Mit dem in tat­säch­li­cher Hin­sicht unstrei­ti­gen Vor­wurf, der Beklag­te habe die ange­schaff­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en für Zau­ber­vor­füh­run­gen in den J. Kin­der­gär­ten K. am 6. Juni 2004 und L. am 19. Juni 2004 genutzt, jeweils ein Ent­gelt in Höhe von 200 € pro Vor­füh­rung erhal­ten und nicht dem Schul­haus­halt zuge­führt, hat sich das Ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem Urteil nicht in der erfor­der­li­chen Wei­se aus­ein­an­der gesetzt. Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts hat der Beklag­te durch die pri­va­te Ver­wen­dung der ihm als Schul­lei­ter anver­trau­ten und in den Inven­tar­lis­ten der Schu­le auf­ge­führ­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en sei­ne Pflicht zu ach­tungs- und ver­trau­ens­wür­di­gem Ver­hal­ten (§ 62 Satz 3 NBG a. F., nun­mehr § 34 Satz 3 BeamtStG) auch außer­halb des Diens­tes ver­letzt. Nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen auf­grund der Zeu­gen­aus­sa­gen und den Ein­las­sun­gen des Beklag­ten han­del­te es sich bei den Zau­ber­vor­füh­run­gen um pri­va­te Ver­an­stal­tun­gen. Der Beklag­te meint zwar, als Wer­be­trä­ger für die Grund­schu­le auf­ge­tre­ten zu sein. Hier­nach wären die Zau­ber­vor­füh­run­gen als dienst­li­che Ver­an­stal­tun­gen zu qua­li­fi­zie­ren. Hier­ge­gen spricht aber, dass nach der Ein­las­sung des Beklag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung die Initia­ti­ve für die Zau­ber­vor­füh­run­gen nicht von dem Beklag­ten selbst, son­dern von den Kin­der­gar­ten­lei­tun­gen aus­ge­gan­gen ist. Zudem spricht gegen die Annah­me einer dienst­li­chen Ver­an­stal­tung, dass der Beklag­te die Durch­füh­rung die­ser Ver­an­stal­tun­gen nicht auf dem Dienst­weg mit dem Schul­trä­ger abge­stimmt und dar­über hin­aus für die­se Vor­füh­run­gen Ent­gel­te von jeweils 200,- € ver­ein­bart und erhal­ten hat. Der Zah­lung sol­cher Ent­gel­te hät­te es nicht bedurft, wenn die Vor­füh­run­gen im schu­li­schen Inter­es­se gele­gen hät­ten. In die­sem Fal­le hät­te es nahe gele­gen, dass der Schul­trä­ger sämt­li­che Kos­ten trägt und der Beklag­te die­se nicht von den Kin­der­gär­ten ersetzt ver­langt. Hin­zu kommt, dass der Kin­der­gar­ten L. ohne­hin im Zustän­dig­keits­be­reich der Grund­schu­le liegt und die die­sen Kin­der­gar­ten besu­chen­den Kin­der auch ohne die Durch­füh­rung einer Wer­be­ver­an­stal­tung anschlie­ßend auf die Grund­schu­le wech­seln.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beklag­ten steht den Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen nicht ent­ge­gen, dass er als Schul­lei­ter über den Ein­satz der ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel im Rah­men sei­ner Gesamt­ver­ant­wor­tung ver­fü­gen konn­te. Die Zau­ber­ma­te­ria­li­en stan­den im Eigen­tum der Stadt J. in ihrer Eigen­schaft als Schul­trä­ger. Denn die Stadt J. hat als Schul­trä­ger die Zau­ber­ma­te­ria­li­en zur Erfül­lung der ihr oblie­gen­den Auf­ga­be erwor­ben (s. § 96 Abs. 1 NGO). Die Auf­ga­be des Schul­trä­gers erfüllt sie nach § 101 Abs. 2 NSchG im eige­nen Wir­kungs­kreis. Nach § 113 Abs. 1 Satz 1 NSchG hat sie die säch­li­chen Kos­ten der öffent­li­chen Schu­len zu tra­gen und dem­entspre­chend die von dem Beklag­ten bestell­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en bezahlt. Weder der Beklag­te noch das Land Nie­der­sach­sen als Dienst­herr des Beklag­ten haben Eigen­tum an den Zau­ber­ma­te­ria­li­en erlangt. Auf­grund sei­ner Gesamt­ver­ant­wor­tung war der Beklag­te als Schul­lei­ter gehal­ten, die Zau­ber­ma­te­ria­li­en allein für schu­li­sche Zwe­cke zu nut­zen. Deren Ver­wen­dung für die Vor­füh­run­gen in den Kin­der­gär­ten ist hier­von nicht gedeckt. Dem Schul­trä­ger ist hier­durch zunächst ein Scha­den jeden­falls in Höhe der ver­brauch­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en ent­stan­den. Zwar hat der Beklag­te nach sei­nen unwi­der­spro­che­nen Anga­ben die ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en wie­der ersetzt. Dies berührt die Fest­stel­lung einer Dienst­pflicht­ver­let­zung jedoch nicht, son­dern ist allein bei der Maß­nah­me­be­mes­sung zu berück­sich­ti­gen.

Aus straf­recht­li­cher Sicht han­delt es sich bei der Ver­wen­dung der Zau­ber­ma­te­ria­li­en, soweit der Beklag­te die­se nach den Vor­füh­run­gen wie­der der Schu­le zur Ver­fü­gung gestellt hat, um eine nicht straf­be­wehr­te Gebrauchs­an­ma­ßung 8.

Dem­ge­gen­über hat sich der Beklag­te nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts hin­sicht­lich der wäh­rend der Vor­füh­run­gen ver­brauch­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en der ver­un­treu­en­den Unter­schla­gung gemäß § 246 Abs. 2 StGB straf­bar gemacht. Die in sei­nem Besitz befind­li­chen Zau­ber­ma­te­ria­li­en sind ihm im Rah­men sei­ner Stel­lung als Schul­lei­ter anver­traut gewe­sen. Er hat sich die Mate­ria­li­en man­gels Ein­wil­li­gung rechts­wid­rig zuge­eig­net, wobei die Zueig­nungs­ab­sicht sich in deren Ver­brauch mani­fes­tiert hat 9. Da dem Beklag­ten bewusst gewe­sen ist, dass ihm die ver­brauch­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en nicht gehör­ten und bestim­mungs­ge­mäß nur für den schu­li­schen Ein­satz vor­ge­se­hen waren, ist von einem vor­sätz­li­chen Han­deln aus­zu­ge­hen. Es sind kei­ne Anhalts­punk­te ersicht­lich, dass die Stadt J. einer sol­chen Ver­wen­dung zuge­stimmt hat oder – recht­fer­ti­gend – von ihrer mut­maß­li­chen Ein­wil­li­gung aus­zu­ge­hen wäre. Die Ein­las­sung des Beklag­ten, es sei von einer mut­maß­li­chen Ein­wil­li­gung aus­zu­ge­hen, weil er mit den Vor­füh­run­gen in den Kin­der­gär­ten Wer­bung für die Grund­schu­le habe machen wol­len, steht der Annah­me der straf­recht­li­chen Rele­vanz sei­nes Ver­hal­tens nicht ent­ge­gen. Bei der mut­maß­li­chen Ein­wil­li­gung han­delt es sich um einen not­stands­ähn­li­chen Recht­fer­ti­gungs­grund, der gege­ben ist, wenn die Hand­lung im Inter­es­se des Betrof­fe­nen vor­ge­nom­men wird und die­ser ver­mut­li­che ein­wil­li­gen wür­de, aber nicht recht­zei­tig ein­wil­li­gen kann 10. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier ersicht­lich nicht vor, da der Beklag­te vor den Zau­ber­vor­füh­run­gen die recht­zei­ti­ge Zustim­mung des Schul­trä­gers hät­te ein­ho­len kön­nen. Von einer hypo­the­ti­schen Ein­wil­li­gung der Stadt J. in den Ver­brauch der Mate­ria­li­en ist eben­falls nicht aus­zu­ge­hen 11, da aus den dar­ge­stell­ten Grün­den nicht von einer schu­li­schen Ver­an­stal­tung aus­zu­ge­hen ist.

Dem­ge­gen­über ist eine Dienst­pflicht­ver­let­zung nicht fest­zu­stel­len, soweit der Beklag­ten die ver­ein­nahm­ten Ent­gel­te von jeweils 200,- € nicht dem Schul­etat zuge­führt hat. Da es sich um pri­va­te Zau­ber­vor­füh­run­gen und nicht um dienst­li­che Ver­an­stal­tun­gen gehan­delt hat, ist nicht ersicht­lich, auf wel­cher Grund­la­ge der Beklag­te gehal­ten gewe­sen sein soll, die ver­ein­nahm­ten Beträ­ge an den Dienst­herrn abzu­lie­fern bzw. dem Schul­etat zuzu­füh­ren.

Zutref­fend hat das Ver­wal­tungs­ge­richt den Vor­wurf, der Beklag­te habe sei­ne Dienst­pflich­ten ver­letzt, indem er die Zau­ber­vor­füh­run­gen ohne die erfor­der­li­chen Neben­tä­tig­keits­ge­neh­mi­gun­gen aus­ge­übt habe, als unbe­grün­det ange­se­hen. Die Dar­bie­tun­gen des Beklag­ten im Rah­men der Zau­ber­vor­füh­run­gen kön­nen als künst­le­ri­sche Betä­ti­gun­gen ange­se­hen wer­den, da sie mit eige­nem Gestal­tungs­wil­len erfolgt sind 12. Sie unter­fal­len daher grund­sätz­lich unge­ach­tet der Ent­gelt­lich­keit dem Anwen­dungs­be­reich des § 74 Nr. 3 NBG a. F. 13. Zwar ist aner­kannt, dass die­se Vor­schrift nicht zur Anwen­dung kommt, wenn der Beam­te mit der künst­le­ri­schen Dar­bie­tung in ers­ter Linie Geld ver­die­nen will und es sich nur um eine beson­de­re Form des Erwerbs han­delt 14. Dies ist aber nicht ohne wei­te­res auf­grund des ver­ein­nahm­ten Ent­gelts anzu­neh­men. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Beklag­te das Ent­gelt im Wesent­li­chen zur Deckung der Fahr­kos­ten und zum Ersatz der ver­brauch­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en ver­wen­det hat. Die Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht steht dem­ge­gen­über nicht zwei­fels­frei fest. Der Umstand, dass der Beklag­te für sich Visi­ten­kar­ten hat anfer­ti­gen las­sen, auf denen er für Fei­er­lich­kei­ten sei­ne Diens­te als Zau­ber­künst­ler anbie­tet, recht­fer­tigt nicht die Annah­me, dass bereits die hier in Fra­ge ste­hen­den zwei Ver­an­stal­tun­gen als in ers­ter Linie auf Gewinn­erzie­lung ange­leg­te, gewerbs­mä­ßi­ge Betä­ti­gun­gen anzu­se­hen sind. Im Übri­gen hat das Ver­wal­tungs­ge­richt zu Recht auf die Vor­schrift des § 74a Abs. 3 Sät­ze 2 und 3 NBG a. F. hin­ge­wie­sen, wonach die jewei­li­gen Zau­ber­vor­füh­run­gen auch nicht anzei­ge­pflich­tig waren, da das jeweils gezahl­te Ent­gelt die Gren­ze von 250,- € nicht über­schrit­ten hat.

Der Beklag­te hat durch das fest­ge­stell­te Ver­hal­ten ein Dienst­ver­ge­hen im Sin­ne von § 85 Abs. 1 NBG a. F. (nun­mehr § 47 Abs. 1 BeamtStG) began­gen, indem er sei­ne Dienst­pflich­ten inner­dienst­lich durch die Nicht­ein­tei­lung zum Unter­richt im Stun­den­plan sowie die Nicht­er­tei­lung von Unter­richt, die Mani­pu­la­ti­on des Klas­sen­bu­ches und die nicht ange­mes­se­ne Ver­wen­dung der ange­schaff­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en für Schul­zwe­cke sowie außer­dienst­lich durch den Ein­satz der Zau­ber­ma­te­ria­li­en für zwei pri­va­te Vor­füh­run­gen in Kin­der­gär­ten schuld­haft und ohne Vor­lie­gen von Recht­fer­ti­gungs­grün­den ver­letzt hat. Das außer­dienst­li­che Fehl­ver­hal­ten des Beklag­ten weist den für die Annah­me eines Dienst­ver­ge­hens erfor­der­li­chen Bezug zur dienst­li­chen Sphä­re aus, weil er es mit­tels ihm dienst­lich anver­trau­ter Gegen­stän­de began­gen hat, sodass es geeig­net ist, das Ver­trau­en des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit in die pflicht­ge­mä­ße Amts­füh­rung des Beklag­ten nach­hal­tig zu beein­träch­ti­gen.

Das ein­heit­lich zu bewer­ten­de Dienst­ver­ge­hen erfor­dert auf­grund einer Wür­di­gung aller Umstän­de im Beru­fungs­ver­fah­ren eine Ent­fer­nung des Beklag­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis (§§ 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5, 11 NDiszG).

Die Ent­schei­dung über eine Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ergeht nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen (§ 14 Abs. 1 Satz 1 NDiszG). Sie ist nach der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens zu bemes­sen (§ 14 Abs. 1 Satz 2 NDiszG), wobei nach § 14 Abs. 1 Satz 3 NDiszG das Per­sön­lich­keits­bild des Beam­ten ein­schließ­lich sei­nes bis­he­ri­gen dienst­li­chen Ver­hal­tens ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen ist und fer­ner berück­sich­tigt wer­den soll, in wel­chem Umfang der Beam­te das Ver­trau­en des Dienst­herrn und der All­ge­mein­heit beein­träch­tigt hat (§ 14 Abs. 1 Satz 4 NDiszG). Die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens beur­teilt sich nach den objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Hand­lungs­merk­ma­len der Ver­feh­lung, den beson­de­ren Umstän­den der Tat­be­ge­hung und den unmit­tel­ba­ren Fol­gen für den dienst­li­chen Bereich und für Drit­te 15. Bei der Bemes­sung von Art und Maß der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ist eine dis­zi­pli­na­ri­sche Gesamt­wür­di­gung aller be- und ent­las­ten­den Umstän­de vor­zu­neh­men 16.

Ergibt die Gesamt­wür­di­gung, dass das für die Auf­recht­erhal­tung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses uner­läss­li­che Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen dem Beam­ten und dem Dienst­herrn end­gül­tig zer­stört ist, ist ein akti­ver Beam­ter aus dem Beam­ten­ver­hält­nis zu ent­fer­nen (§ 14 Abs. 2 Satz 1 NDiszG). So ver­hält es sich hier.

Das Dienst­ver­ge­hen wiegt außer­or­dent­lich schwer und recht­fer­tigt die Annah­me der Zer­stö­rung des Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses. Es wird maß­ge­bend durch die nahe­zu über fast vier Jah­re dau­ern­de Nicht­er­tei­lung von Schul­un­ter­richt im Umfang von neun Unter­richts­stun­den wöchent­lich, ins­ge­samt von ca. 1.250 Stun­den, geprägt.

Die Schwe­re der damit ver­bun­de­nen Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen ist nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ver­gleich­bar mit der Schwe­re von Dienst­ver­ge­hen, die den Vor­wurf des unent­schul­dig­ten Fern­blei­bens vom Dienst zum Gegen­stand haben. Zwar erfüllt die Nicht­ein­tei­lung zum Unter­richt im Stun­den­plan nicht den Tat­be­stand des unent­schul­dig­ten Fern­blei­bens des Beklag­ten vom Dienst, da es inso­weit allein auf die nach Maß­ga­be des Stun­den­plans fest­ge­leg­te kon­kre­te Unter­richts­ver­pflich­tung ankommt, der Beklag­te jeden Tag sei­nen Dienst ange­tre­ten und wäh­rend der Zei­ten, in denen er sich zum Unter­richt hät­te ein­tei­len und Unter­richt hät­te hal­ten müs­sen, ande­re schu­li­sche Auf­ga­ben erle­digt hat. Doch ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Arbeits­zeit des Beklag­ten auch in sei­ner Funk­ti­on als Schul­lei­ter sich wie bei ande­ren Leh­rern über die Pflicht­stun­den­zahl defi­niert, die ein Leh­rer an einer Grund­schu­le nach den ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten der Arbeits­zeit­ver­ord­nung für Lehr­kräf­te zu unter­rich­ten hat. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts 17 ist die Pflicht­stun­den­re­ge­lung für Leh­rer und für ein­zel­ne Leh­rer­grup­pen in die all­ge­mei­ne beam­ten­recht­li­che Arbeits­zeit­re­ge­lung ein­ge­bet­tet. Sie trägt dem beson­de­ren Umstand Rech­nung, dass die Arbeits­zeit der von ihr erfass­ten Leh­rer nur zu einem Teil, näm­lich hin­sicht­lich der eigent­li­chen Unter­richts­stun­den, exakt mess­bar ist, wäh­rend die Arbeits­zeit die­ser Leh­rer im Übri­gen ent­spre­chend deren päd­ago­gi­scher Auf­ga­be wegen der erfor­der­li­chen Unter­richts­vor­be­rei­tung, der Kor­rek­tu­ren, Eltern­be­spre­chun­gen und der­glei­chen nicht im Ein­zel­nen in mess­ba­rer und über­prüf­ba­rer Form bestimmt, son­dern – grob pau­scha­lie­rend – nur geschätzt wer­den kann. Die­ser Auf­ga­ben­be­reich neben dem Unter­richt ist umso weni­ger zeit­lich exakt mess­bar, als die inso­weit auf­zu­wen­den­de Zeit auch nach Schü­ler­zahl, Schul­fä­chern und schließ­lich indi­vi­du­ell auch nach Fähig­kei­ten und Erfah­run­gen des ein­zel­nen Leh­rers dif­fe­riert. Bei die­ser grob pau­scha­lie­ren­den Betrach­tung muss sich die vom Dienst­herrn abver­lang­te Arbeits­leis­tung unter Berück­sich­ti­gung der jähr­li­chen Gesamt­ar­beits­zeit im Rah­men der 40-Stun­den-Woche hal­ten. Für die Fra­ge, ob dies der Fall ist, kommt es nicht auf die Ansicht der Leh­rer selbst dar­über an, wel­cher Zeit­auf­wand zur Bewäl­ti­gung ihrer Auf­ga­ben not­wen­dig und zweck­mä­ßig ist, son­dern auf die durch den Dienst­herrn gefor­der­te Arbeits­leis­tung.

Ange­sichts des­sen führt die Nicht­er­tei­lung von wöchent­lich neun Stun­den Unter­richt dazu, dass der Beklag­te wäh­rend eines erheb­li­chen Anteils sei­ner ihm oblie­gen­den Arbeits­zeit sei­ne Dienst­leis­tungs­pflicht nicht erfüllt hat. Er kann sich inso­weit nicht dar­auf beru­fen, in die­ser Zeit ande­re, ihm als Schul­lei­ter oblie­gen­de Auf­ga­ben erfüllt zu haben. Denn inso­weit ist sei­ne Unter­richts­ver­pflich­tung bereits um 13 Wochen­stun­den ermä­ßigt. Durch die­se Ermä­ßi­gung hat der Dienst­herr pau­scha­lie­rend das dem Beklag­ten zur Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben als Schul­lei­ter zuste­hen­de zeit­li­che Maß an Arbeits­zeit bestimmt, ohne dass der Beklag­te hier­von zu Las­ten sei­ner Unter­richts­ver­pflich­tung abwei­chen durf­te. Da es sich sowohl bei dem Gebot, über­haupt zum Dienst zu erschei­nen, als auch bei der Erfül­lung der Dienst­leis­tungs­pflicht im vor­ge­se­he­nen arbeits­zeit­recht­li­chen Umfang um Grund­pflich­ten eines jeden Beam­ten han­delt, ist es gerecht­fer­tigt, die Nicht­ein­tei­lung zum Unter­richt im Stun­den­plan und die Nicht­er­tei­lung von Unter­richt aus dis­zi­pli­nar­recht­li­cher Sicht wie ein unent­schul­dig­tes Fern­blei­ben vom Dienst zu behan­deln. Es gilt in bei­den Fäl­len, dass ohne die regel­mä­ßi­ge Pflicht­er­fül­lung in Gestalt der Dienst­leis­tung ihrer Mit­ar­bei­ter die Ver­wal­tung nicht in der Lage wäre, die ihr gegen­über der All­ge­mein­heit oblie­gen­den Auf­ga­ben zu erfül­len. Des­halb kann einem Beam­ten, der ohne trif­ti­gen Grund nicht zum vor­ge­schrie­be­nen Dienst erscheint, eben­so nicht mehr das Ver­trau­en ent­ge­gen gebracht wer­den, das für eine gedeih­li­che Zusam­men­ar­beit uner­läss­lich ist, wie einem Beam­ten, der ohne trif­ti­gen Grund einen erheb­li­chen Teil sei­ner Dienst­leis­tungs­pflicht nicht erfüllt 18. Dem­entspre­chend kann sich in den Fäl­len der vor­lie­gen­den Art – wie im Rah­men der dis­zi­pli­na­ren Ahn­dung eines uner­laub­ten Fern­blei­bens vom Dienst – die Not­wen­dig­keit, das Beam­ten­ver­hält­nis ein­sei­tig zu lösen, regel­mä­ßig aus dem Umfang des Ver­sto­ßes gegen die Dienst­leis­tungs­pflicht sowie dem Umstand erge­ben, dass das Erfor­der­nis der Dienst­leis­tung und damit die Bedeu­tung ihrer Unter­las­sung für jeder­mann leicht zu erken­nen ist. Setzt sich ein Beam­ter gleich­wohl über die­se Erkennt­nis hin­weg, offen­bart er ein so hohes Maß an Pflicht­ver­ges­sen­heit und an feh­len­der Ein­sicht in die Not­wen­dig­keit einer geord­ne­ten Ver­wal­tung, dass in aller Regel die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis die Fol­ge sein muss 19.

Anhand die­ses Maß­sta­bes erweist sich die Ent­fer­nung des Beklag­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis als gebo­ten. Der Beklag­te hat sich dadurch, dass er sich nicht in dem erfor­der­li­chen Umfang zum Unter­richt ein­ge­teilt und teil­wei­se geplan­ten Unter­richt nicht erteilt hat, eigen­stän­dig von sei­ner Dienst­leis­tungs­pflicht frei­ge­stellt und damit sei­ner Pflicht zur Dienst­leis­tung in äußerst schwer­wie­gen­dem Maße zuwi­der gehan­delt. Die Anzahl von ins­ge­samt ca. 1.250 Stun­den nicht geleis­te­tem Unter­richt in den Schul­jah­ren 2002/​2003 bis April 2005/​2006 kommt bei einer Unter­richts­ver­pflich­tung von 15 Wochen­stun­den der Nicht­er­fül­lung der wöchent­li­chen Unter­richts­ver­pflich­tung über einen Zeit­raum von 83 Wochen gleich, was bei 37 Schul­wo­chen pro Schul­jahr eine unter­las­se­ne Unter­richts­er­tei­lung über eine Dau­er von etwa 2,25 Schul­jah­ren bedeu­tet. Als Schul­lei­ter war ihm sei­ne Dienst­leis­tungs­pflicht hin­rei­chend bekannt. Auf­grund sei­nes vor­sätz­li­chen und beharr­li­chen Ver­hal­tens über meh­re­re Jah­re hin­weg hat er ein erheb­li­ches Maß an Pflicht­ver­ges­sen­heit und Igno­ranz gegen­über sei­ner Dienst­leis­tungs­pflicht gezeigt. Erschwe­rend wirkt zudem, dass er als Schul­lei­ter allein zustän­dig für die Erstel­lung des Stun­den­plans gewe­sen ist und die Erfül­lung sei­ner Unter­richts­ver­pflich­tung kei­ner Kon­trol­le unter­lag. Inso­weit hat der Dienst­herr ihm unein­ge­schränk­tes Ver­trau­en ent­ge­gen gebracht, das der Beklag­te unter Aus­nut­zung sei­ner Vor­ge­setz­ten­funk­ti­on ent­täuscht hat.

Hin­zu kommt, dass die Nicht­er­tei­lung des Unter­richts beacht­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Erfül­lung des Bil­dungs­auf­trags der Schu­le und damit auf die Schü­le­rin­nen und Schü­ler hat­te. Der Beklag­te kann nicht mit Erfolg zu sei­nen Guns­ten dar­auf ver­wei­sen, dass sei­ner Auf­fas­sung nach die Unter­richts­ver­sor­gung über 100 % betra­gen habe, weil der I. als VHTS und wegen der Drei­zü­gig­keit in bestimm­ten Jahr­gän­gen zusätz­li­che Leh­rer­stun­den zur Ver­fü­gung gestan­den hät­ten. Denn nach den Berech­nun­gen der Klä­ge­rin ist unge­ach­tet des­sen die tat­säch­li­che Unter­richts­ver­sor­gung in den Schul­jah­ren 2002/​2003 bis 2005/​2006 durch die Nicht­er­tei­lung von neun Unter­richts­stun­den wöchent­lich sei­tens des Beklag­ten jeden­falls redu­ziert gewe­sen, so dass fest­zu­stel­len ist, dass den Schü­le­rin­nen und Schü­lern Unter­richts­leis­tun­gen vor­ent­hal­ten wur­den. Nach den Fest­stel­lun­gen des Zeu­gen N. in des­sen Schrei­ben vom 25. Febru­ar 2009 wur­den in den Schul­jah­ren 2004/​2005 und 2005/​2006 bis April 2006 in allen Klas­sen nur fünf statt sechs Stun­den Deutsch und in allen zwei­ten Klas­sen fünf statt sechs Stun­den Mathe­ma­tik – das von dem Beklag­ten zu unter­rich­ten­de Fach – unter­rich­tet. Soweit der Beklag­te in die­sem Zusam­men­hang auf den von ihm vor und nach dem regu­lä­ren Unter­richt ein­ge­rich­te­ten För­der­un­ter­richt ver­weist, ist nicht ersicht­lich, dass die­ser geeig­net gewe­sen ist, die feh­len­den Pflicht­stun­den zu erset­zen. Dies gilt auch für die ein­ge­rich­te­te "Fr"-Stunde. Neben die­sen Pflicht­stun­den hat die Nicht­er­tei­lung des Unter­richts trotz des bestehen­den guten Leh­rer­an­ge­bots zur Fol­ge gehabt, dass wei­te­re För­der­un­ter­richts­stun­den nicht erbracht und weni­ger Dop­pel­be­set­zun­gen, bei denen zwei Fach­leh­rer in einer Klas­se ein­ge­setzt sind, damit sich einer von bei­den um schwä­che­re Schü­ler küm­mern kann, ein­ge­rich­tet wer­den konn­ten. Daher ist vor­lie­gend die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis grund­sätz­lich Aus­gangs­punkt der Über­le­gun­gen zur Bestim­mung der ange­mes­se­nen Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me.

Erschwe­rend ist bei der Maß­nah­me­be­mes­sung des Wei­te­ren zu berück­sich­ti­gen, dass der Beklag­te im Rah­men des Dienst­ver­ge­hens wei­te­re Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen began­gen hat, so dass die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis als gerecht­fer­tigt anzu­se­hen ist.

So kann nicht außer Acht gelas­sen wer­den, dass der Beklag­te das Klas­sen­buch der 4. Klas­se im Schul­jahr 2005/​2006 mani­pu­liert hat. Die Beacht­lich­keit die­ser Dienst­pflicht­ver­let­zung wird nicht dadurch rela­ti­viert, dass sich die Mani­pu­la­ti­on als – sinn­lo­se – Kurz­schluss­re­ak­ti­on erweist. Selbst wenn der Senat zu Guns­ten des Beklag­ten davon aus­geht, dass er unüber­legt die Ein­tra­gun­gen nach­träg­lich in das Klas­sen­buch vor­ge­nom­men hat, muss er sich zu sei­nem Nach­teil ent­ge­gen­hal­ten las­sen, dass er die Ein­tra­gun­gen zum Zwe­cke der Ver­heim­li­chung bereits began­ge­ner Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen und der Täu­schung sei­ner Dienst­vor­ge­setz­ten vor­ge­nom­men hat.

Zudem hat der Beklag­te eine wei­te­re bei der Wür­di­gung des Dienst­ver­ge­hens zu beach­ten­de inner­dienst­li­che Dienst­pflicht­ver­let­zung began­gen, indem er von ihm ange­schaff­te Zau­ber­ma­te­ria­li­en nicht zweck­ent­spre­chend in der Schu­le ein­ge­setzt hat. Der unter­las­se­ne päd­ago­gi­sche und didak­ti­sche Ein­satz der Zau­ber­ma­te­ria­li­en zeigt, dass er inso­weit auch als Leh­rer ver­sagt hat.

Zu Las­ten des Beklag­ten wirkt schließ­lich, dass er eini­ge der ange­schaff­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en für eige­ne pri­va­te Zwe­cke aus Anlass von zwei Zau­ber­vor­füh­run­gen ver­wen­det und die­se teil­wei­se in straf­recht­lich rele­van­ter Wei­se ver­braucht hat. Aller­dings ist die letzt­ge­nann­te Dienst­pflicht­ver­let­zung für die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens nicht prä­gend, da der Beklag­te vor Ent­de­ckung der Tat die ver­brauch­ten Zau­ber­ma­te­ria­li­en ersetzt hat und damit der Schu­le kein Scha­den ent­stan­den ist.

Die von der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens aus­ge­hen­de Indi­zwir­kung ent­fällt nur dann, wenn im Ein­zel­fall gewich­ti­ge Ent­las­tungs­grün­de zu Guns­ten des Beam­ten zu berück­sich­ti­gen sind 20. Sol­che Ent­las­tungs­grün­de, die das Ver­hal­ten des Beklag­ten auch unter Berück­sich­ti­gung sei­nes Per­sön­lich­keits­bil­des in einem mil­de­ren Licht erschei­nen las­sen, sind jedoch nicht ersicht­lich.

Soweit der Beklag­te zu sei­ner Ent­las­tung dar­auf ver­weist, er habe zum Aus­gleich sei­ner redu­zier­ten Unter­richts­ver­pflich­tung für Ver­tre­tungs­un­ter­richt zur Ver­fü­gung gestan­den, ver­mag die­ser Gesichts­punkt nicht durch­zu­grei­fen. Nach den über­ein­stim­men­den Zeu­gen­aus­sa­gen hat­te er tat­säch­lich Ver­tre­tungs­un­ter­richt nicht in ent­spre­chen­dem Maße geleis­tet. Viel­mehr muss­ten die ande­ren Lehr­kräf­te vor­ran­gig Ver­tre­tungs­un­ter­richt erbrin­gen. Im Übri­gen stellt die Bereit­schaft des Beklag­ten zum Ver­tre­tungs­un­ter­richt nicht ein ent­spre­chen­des Kor­re­lat zur vor­ge­schrie­be­nen Unter­richts­er­tei­lung dar.

Den Beklag­ten ent­las­tet eben­falls nicht nach­hal­tig, dass er sein Fehl­ver­hal­ten ein­ge­räumt und zwi­schen­zeit­lich sei­ne Ver­feh­lun­gen bereut hat. Denn er hat erst nach der Ent­de­ckung der Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen sein Ver­hal­ten ein­ge­räumt. Auch hat er es etwa unter­las­sen, im ers­ten Gespräch am 28. März 2006, in dem er auf sei­ne man­geln­de Erfül­lung der Unter­richts­ver­pflich­tung im Jah­re 2005/​2006 ange­spro­chen wor­den ist, offen zu legen, dass er auch in den Vor­jah­ren sei­ner Unter­richts­ver­pflich­tung nicht nach­ge­kom­men ist. Erst nach­dem die Klä­ge­rin auf­grund ergän­zen­der Vor­wür­fe sei­tens des Leh­rer­kol­le­gi­ums den genau­en Umfang der jewei­li­gen Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen fest­ge­stellt hat­te, räum­te der Beklag­te die Vor­wür­fe ein.

Die bis zum Jah­re 2002 fest­zu­stel­len­de ord­nungs­ge­mä­ße und gute Erfül­lung sei­ner Dienst­pflich­ten reicht für die Annah­me eines Rest­ver­trau­ens nicht aus. Denn es ent­spricht dem Selbst­ver­ständ­nis, dass der Beam­te sei­ne Dienst­pflich­ten ord­nungs­ge­mäß und nach bes­tem Gewis­sen erfüllt. Nichts ande­res folgt aus dem Umstand, dass der Beklag­te als Aus­bil­der für ande­re Schul­lei­ter auf­grund der bis zum Jah­re 2002 gezeig­ten Leis­tun­gen vor­ge­schla­gen und von der Klä­ge­rin für geeig­net ange­se­hen wor­den war. Denn letzt­lich hat sich der Beklag­te nicht gegen­über den zahl­rei­chen ande­ren Bewer­bern durch­set­zen kön­nen. Die dama­li­ge posi­ti­ve Ein­schät­zung der beruf­li­chen Leis­tun­gen des Beklag­ten sei­tens der Klä­ge­rin ent­fal­tet daher nicht die Wir­kung, dass die Pro­gno­se eines noch bestehen­den Rest­ver­trau­ens gerecht­fer­tigt ist.

Die Ange­mes­sen­heit der Ent­fer­nung des Beklag­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis wird auch nicht dadurch in Fra­ge gestellt, dass er – wie der Beklag­te und das Ver­wal­tungs­ge­richt mei­nen – nur in sei­ner Eigen­schaft als Schul­lei­ter ver­sagt habe. Zwar waren ihm die Nicht­ein­tei­lung zum Unter­richt im Rah­men der Erstel­lung des Stun­den­plans und die Bestim­mung des Ein­sat­zes der Zau­ber­ma­te­ria­li­en nur in sei­ner Eigen­schaft als Schul­lei­ter mög­lich. Doch zeigt sich in die­sem Ver­hal­ten eine zum Aus­druck kom­men­de gro­be Miss­ach­tung des Bil­dungs­auf­trags der Schu­le und die damit ein­her­ge­hen­de Unge­eig­net­heit als Vor­bild für die ihm anver­trau­ten Schü­le­rin­nen und Schü­ler. Aus die­sem Grun­de ist er auch als Leh­rer unge­eig­net. Der Beklag­te hat die fest­ge­stell­ten Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen nicht nur unter Aus­nut­zung sei­ner Stel­lung als Schul­lei­ter began­gen, son­dern damit zugleich in dem Kern­be­reich der Pflich­ten eines Leh­rers ver­sagt. Eine zukünf­ti­ge Tätig­keit des Beklag­ten als Leh­rer wür­de ein Ver­trau­en des Dienst­herrn in die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung der Unter­richts­ver­pflich­tung vor­aus­set­zen, das der Beklag­te durch sein Ver­hal­ten, nicht zuletzt durch die auch als Leh­rer mög­li­che Mani­pu­la­ti­on des Klas­sen­bu­ches, ohne Ver­bleib eines Rest­ver­trau­ens ent­täuscht hat. Aus die­sem Grun­de kann der Beklag­te nicht mit Erfolg zu sei­nen Guns­ten dar­auf ver­wei­sen, dass sei­ner Auf­fas­sung nach bei einem Ein­satz als Leh­rer nicht die Gefahr erneu­ter Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen bestehe.

Die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens, die auf­ge­zeig­ten belas­ten­den Gesichts­punk­te und das Feh­len erheb­li­cher mil­dern­der Umstän­de las­sen auch unter Berück­sich­ti­gung des Per­sön­lich­keits­bil­des des Beklag­ten den Schluss zu, dass das Ver­trau­en des Dienst­herrn in den Beam­ten zer­stört und der Beklag­te aus dem Beam­ten­ver­hält­nis zu ent­fer­nen ist. Der Beklag­te hat sich zwar ab Mai 2006 zur Wie­der­gut­ma­chung über­ob­li­ga­ti­ons­mä­ßig zu 18 Wochen­stun­den Unter­richt ein­ge­teilt. Jedoch hat er drei Stun­den davon wie­der gestri­chen, sodass ein wirk­li­cher Wil­le zur Wie­der­gut­ma­chung nicht zu erken­nen ist. Dar­über hin­aus war sein gesam­tes Han­deln davon geprägt, dass er sei­ne eige­nen Inter­es­sen der Erfül­lung sei­ner Dienst­pflich­ten vor­ge­zo­gen hat. Ziel sei­nes Han­delns war die Visi­on einer Zau­ber­schu­le, deren Ver­wirk­li­chung er auf Kos­ten der Unter­richts­er­tei­lung zu errei­chen ver­sucht hat. Er hat hier­bei die Stei­ge­rung auch sei­nes Anse­hens im Blick gehabt, ohne die Fol­gen für den Bil­dungs­auf­trag der Schu­le ange­mes­sen zu reflek­tie­ren. Ein solch offen­bar­tes Per­sön­lich­keits­bild bie­tet kei­ne hin­rei­chen­de Grund­la­ge für ein Rest­ver­trau­en des Dienst­herrn in den Beklag­ten.

Schließ­lich kann sich der Beklag­te nicht dar­auf beru­fen, dass er kurz vor sei­ner Pen­sio­nie­rung ste­he und ihn daher die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis erheb­lich här­ter als einen jün­ge­ren Kol­le­gen tref­fe. Das Abse­hen von der dis­zi­pli­na­ren Höchst­maß­nah­me allein auf­grund des Dienst- und Lebens­al­ters des Beam­ten ist nicht gerecht­fer­tigt. Im Gegen­teil ist zu beach­ten, dass in den Fäl­len, in denen ein Beam­ter durch ein ihm vor­werf­ba­res Ver­hal­ten die Ver­trau­ens­grund­la­ge zwi­schen ihm und dem Dienst­herrn zer­stört, die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis die ein­zi­ge Mög­lich­keit ist, das durch den Dienst­herrn sonst nicht lös­ba­re Beam­ten­ver­hält­nis ein­sei­tig zu been­den. Die dar­in lie­gen­de Här­te für den Betrof­fe­nen ist weder unver­hält­nis­mä­ßig noch nach Auf­fas­sung des Senats aus sons­ti­gen Grün­den ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­lich, sie beruht viel­mehr auf ihm zure­chen­ba­rem Ver­hal­ten 21.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 7. Dezem­ber 2010 – 20 LD 3/​09

  1. vgl. §§ 3 Abs. 2 Nr. 1, 11 Abs. 1 ArbZVO-Lehr i. d. F. v. 24.2.1999 – Nds. GVBl. S. 62 – i. V. m. Anla­ge 1 zu § 11 sowie §§ 3 Abs. 2 Nr. 1, 12 ArbZVO-Lehr i. d. F. vom 2.8.2004 – Nds. GVBl. S. 303 – i. V. m. Anla­ge 1 zu § 12[]
  2. vgl. Brock­mann, in: ders./Littmann/Schippmann, Nds. Schul­ge­setz, Stand: August 2010, § 43 Zif­fer 7.4.10[]
  3. a.a.O.[]
  4. vgl. dazu Nds. OVG, Urteil vom 22.06.2010 – 20 LD 3/​08, m. w. N.[]
  5. vgl. zum Vor­ste­hen­den Nds. OVG, Urteil vom 18.05.2010 – 20 LD 13/​08, DVBl. 2010, 927 = DÖV 2010, 698 f. ; Sommer/​Konert/​Sommer, Nds. Beam­ten­ge­setz, 2001, § 62, Rn. 1[]
  6. vgl. Brock­mann, in: Ders./Littmann/Schippmann, a. a. O., § 43 Ziff. 7.5.6[]
  7. vgl. dazu BGH, Urteil vom 22.10.1974 – 1 StR 205/​74, BGHSt 26, 9, 10; Fischer, StGB, 57. Aufl. 2010, § 267, Rn. 18a[]
  8. vgl. dazu Fischer, a. a. O., § 242 Rn. 38[]
  9. vgl. dazu Fischer, a. a. O., § 246 Rn. 8[]
  10. vgl. Fischer, a. a. O., Vor § 32, Rn. 4 m. w. N.[]
  11. vgl. zum Begriff der hypo­the­ti­schen Ein­wil­li­gung Fischer, a. a. O., § 223, Rn. 16a[]
  12. vgl. dazu Küm­mel, Beam­ten­recht, NBG, § 74, Rn. 20[]
  13. sie­he nun­mehr § 40 BeamtStG, §§ 70 ff. NBG[]
  14. Küm­mel, a. a. O.[]
  15. vgl. BVerwG, Urteil vom 20.10.2005 – 2 C 12.04, BVerw­GE 124, 252, 259; Urteil vom 30.11.2006 – 1 D 6.05; Nds. OVG, Urteil vom 17.07.2007 – 19 LD 13/​06[]
  16. vgl. Nds. OVG, Urteil vom 06.03.2008 – 20 LD 10/​06, m. w. N.; Urteil vom 23.04.2009 – 20 LD 8/​07[]
  17. vgl. BVerwG, Beschluss vom 14.12.1989 – 2 NB 2/​89, m. zahl­rei­chen w. N.; nach­fol­gend Nds. OVG, Urteil vom 09.11.2010 – 5 LC 164/​09[]
  18. vgl. zum Fern­blei­ben vom Dienst: BVerwG, Urteil vom 07.03.2001 – 1 D 14.00[]
  19. vgl. BVerwG, Urteil vom 07.03.2001 – 1 D 14.00[]
  20. vgl. BVerwG, Urteil vom 12.10.2006 – 1 D 2.05, m. w. N.[]
  21. vgl. zur Ver­hält­nis­mä­ßig­keit einer Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis: BVerwG, Urteil vom 11.04.2000 – 1 D 99, Buch­holz 235 § 121 BDO Nr. 12 m. w. N.[]