Der Schutz­zweck einer Denk­mal­zo­ne

Zweck der Unter­schutz­stel­lung als Denk­mal­zo­ne ist regel­mä­ßig, die Erhal­tung ihres äuße­ren Erschei­nungs­bil­des in sei­ner Gesamt­heit unab­hän­gig von der Schutz­wür­dig­keit der ein­zel­nen Bestand­tei­le der Gesamt­an­la­ge zu gewähr­leis­ten. Details der Bau­aus­füh­rung sind hin­ge­gen für die Denk­mal­wür­dig­keit der Denk­mal­zo­ne nicht von Belang. Dies betrifft ins­be­son­de­re das Mate­ri­al und die Unter­tei­lung der Fens­ter, ins­be­son­de­re wenn kei­ne ein­heit­li­che Fens­ter­ge­stal­tung inner­halb der Denk­mal­zo­ne vor­han­den ist.

Der Schutz­zweck einer Denk­mal­zo­ne

So hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Eigen­tü­mers ent­schie­den, der sich vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt1 erfolg­reich dage­gen gewehrt hat, für sein in einer Denk­mal­zo­ne in Neu­stadt lie­gen­des Gebäu­de zwei­flü­ge­li­ge Spros­sen­fens­ter zu ver­wen­den. Die­se Ent­schei­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tigt und den Antrag der Stadt auf Zulas­sung der Beru­fung abge­lehnt. Der Klä­ger bean­trag­te zur geplan­ten Sanie­rung sei­nes in der genann­ten Denk­mal­zo­ne gele­ge­nen Gebäu­des eine bau- und denk­mal­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gung. Die Stadt Neu­stadt an der Wein­stra­ße erteil­te ihm die Geneh­mi­gung mit der Auf­la­ge, dass statt der ein­flü­ge­li­gen nur zwei­flü­ge­li­ge Holz­fens­ter mit min­des­tens zwei Spros­sen je Flü­gel ver­wen­det wer­den dür­fen. Auf sei­ne Kla­ge ver­pflich­te­te das Ver­wal­tungs­ge­richt die beklag­te Stadt, ihm die bean­trag­te Geneh­mi­gung ohne die Auf­la­ge zu ertei­len. Dar­auf­hin hat die Stadt Antrag auf Zulas­sung der Beru­fung gestellt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz habe der Klä­ger einen Anspruch auf Ertei­lung sowohl einer denk­mal­schutz­recht­li­chen Geneh­mi­gung als auch einer Bau­ge­neh­mi­gung, ohne auf die von der Beklag­ten vor­ge­se­he­ne Aus­füh­rung der Fens­ter fest­ge­legt zu sein. Belan­ge des Denk­mal­schut­zes stün­den dem Vor­ha­ben des Klä­gers nicht ent­ge­gen. Der durch eine Denk­mal­zo­ne gewähr­te Schutz für ein­zel­ne Bestand­tei­le blei­be grund­sätz­lich hin­ter dem Schutz­um­fang zurück, der durch eine – zusätz­lich mög­li­che – Unter­schutz­stel­lung eines Ein­zel­denk­mals zu erzie­len sei. Zweck der Unter­schutz­stel­lung als Denk­mal­zo­ne sei näm­lich regel­mä­ßig, die Erhal­tung ihres äuße­ren Erschei­nungs­bil­des in sei­ner Gesamt­heit unab­hän­gig von der Schutz­wür­dig­keit der ein­zel­nen Bestand­tei­le der Gesamt­an­la­ge zu gewähr­leis­ten. Auch im vor­lie­gen­den Fall wer­de die Schutz­wür­dig­keit der Denk­mal­zo­ne im Wesent­li­chen durch die Anord­nung der Bau­kör­per, deren Aus­rich­tung zur Stra­ße hin, ihre bau­li­che Aus­ge­stal­tung im All­ge­mei­nen sowie durch die hier­durch her­vor­ge­ru­fe­ne Cha­rak­te­ris­tik des Orts­bil­des bestimmt. Details der Bau­aus­füh­rung sei­en hin­ge­gen für die Denk­mal­wür­dig­keit der Denk­mal­zo­ne nicht von Belang. Dies betref­fe ins­be­son­de­re das Mate­ri­al und die Unter­tei­lung der Fens­ter. Es las­se sich zudem kei­ne ein­heit­li­che Fens­ter­ge­stal­tung inner­halb der Denk­mal­zo­ne fest­stel­len. Nach Anga­ben der Beklag­ten sei­en von 67 Gebäu­den in der Denk­mal­zo­ne bei drei Häu­sern Alu­mi­ni­um, bei 25 Häu­sern Kunst­stoff und bei 38 Häu­sern Holz als Mate­ri­al für die Fens­ter ver­wen­det wor­den. Ledig­lich drei Gebäu­de wie­sen die von der Beklag­ten im Fall des Klä­gers vor­ge­se­he­ne Fens­ter­ge­stal­tung auf.

Das Vor­ha­ben ver­sto­ße auch nicht gegen die Gestal­tungs­sat­zung der Beklag­ten, in deren Gel­tungs­be­reich das Anwe­sen des Klä­gers lie­ge. Zwar ent­hal­te die Gestal­tungs­sat­zung eine Rege­lung, wonach Fens­ter und Türen in Holz aus­ge­führt wer­den und Fens­ter durch Spros­sen geteilt wer­den sol­len. Die Rege­lung habe aber kei­nen zwin­gen­den Cha­rak­ter, son­dern sei eine blo­ße Ziel­vor­ga­be zur Kon­kre­ti­sie­rung der all­ge­mei­nen Anfor­de­run­gen der Gestal­tungs­sat­zung. Es sei dem­nach nur dann von der Not­wen­dig­keit einer Spros­sen­un­ter­tei­lung der Fens­ter aus­zu­ge­hen, wenn ohne die­se eine Ände­rung oder Stö­rung der Eigen­art des Stra­ßen- oder Orts­bil­des ein­tre­te. Dies sei hier nicht der Fall, da der Fens­ter­ge­stal­tung für die Eigen­art des Stra­ßen- und Orts­bil­des kei­ne ent­schei­den­de Bedeu­tung zukom­me. Im Fal­le des Klä­gers kom­me hin­zu, dass er ent­spre­chend den Vor­stel­lun­gen der Sat­zung als Mate­ri­al für sei­ne Fens­ter Holz ver­wen­de. Eine mehr­flü­ge­li­ge Aus­füh­rung der Fens­ter sehe die Gestal­tungs­sat­zung selbst nicht vor.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 13. März 2014 – 8 A 11176/​13.OVG

  1. Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Urteil vom 24.09.2013 – 5 K 129/​13.NW