Der Son­der­pos­ten­markt – und die schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen auf zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che

Schäd­li­che Aus­wir­kun­gen auf einen zen­tra­len Ver­sor­gungs­be­reich sind auch dann zu erwar­ten, wenn schon vor­han­de­ne Ein­zel­han­dels­be­trie­be den Ver­sor­gungs­be­reich schä­di­gen und die Schä­di­gung durch einen neu hin­zu­tre­ten­den Ein­zel­han­dels­be­trieb ver­stärkt wird.

Der Son­der­pos­ten­markt – und die schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen auf zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che

Bei der Ent­schei­dung, ob von einem Vor­ha­ben schäd­li­che Aus­wir­kun­gen auf zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che zu erwar­ten sind, sind die­je­ni­gen Aus­wir­kun­gen zugrun­de zu legen, die typi­scher­wei­se von einem Betrieb der zur Geneh­mi­gung gestell­ten Art an der betref­fen­den Stel­le aus­ge­hen. Sind im Ein­zugs­be­reich eines zen­tra­len Ver­sor­gungs­be­reichs in räum­li­cher Nähe an ande­rer Stel­le bereits Ein­zel­han­dels­be­trie­be vor­han­den, dür­fen die­se bei der Gesamt­be­trach­tung nicht unbe­rück­sich­tigt blei­ben [1].

Schäd­li­che Aus­wir­kun­gen i.S.d. § 34 Abs. 3 Bau­GB kön­nen sich dar­aus erge­ben, dass das geplan­te Vor­ha­ben zusam­men mit bereits vor­han­de­nen Betrie­ben eine Beein­träch­ti­gung des geschütz­ten zen­tra­len Ver­sor­gungs­be­reichs bewirkt. Denn ein gera­de noch unbe­denk­li­ches Neben­ein­an­der von Ein­zel­han­dels­be­trie­ben an einem nicht inte­grier­ten Stand­ort in räum­li­cher Nähe zum Ver­sor­gungs­be­reich kann durch das Hin­zu­tre­ten eines wei­te­ren Vor­ha­bens in eine städ­te­bau­lich beacht­li­che Schä­di­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Ver­sor­gungs­be­reichs umschla­gen [2]. Von schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen kann aber auch dann gespro­chen wer­den, wenn schon vor­han­de­ne Ein­zel­han­dels­be­trie­be den zen­tra­len Ver­sor­gungs­be­reich schä­di­gen, also nicht mehr gera­de noch unbe­denk­lich sind, und die Schä­di­gung durch den neu hin­zu­tre­ten­den Ein­zel­han­dels­be­trieb ver­stärkt wird [3].

Ziel des § 34 Abs. 3 Bau­GB ist die Ver­mei­dung städ­te­bau­lich nach­tei­li­ger Aus­wir­kun­gen auf zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che [4]. Sol­che Aus­wir­kun­gen sind nicht nur dann anzu­neh­men, wenn zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che ihren Ver­sor­gungs­auf­trag gene­rell oder hin­sicht­lich ein­zel­ner Bran­chen nicht mehr in sub­stan­ti­el­ler Wei­se wahr­neh­men kön­nen [5], son­dern auch dann, wenn geschä­dig­te Ver­sor­gungs­be­rei­che durch die Zulas­sung wei­te­rer, bei iso­lier­ter Betrach­tung jeweils unbe­denk­li­cher Vor­ha­ben einen voll­stän­di­gen Funk­ti­ons­ver­lust erlei­den kön­nen.

Aber auch dann, wenn kein voll­stän­di­ger Funk­ti­ons­ver­lust droht, wird ein schon geschä­dig­ter zen­tra­ler Ver­sor­gungs­be­reich von § 34 Abs. 3 Bau­GB geschützt, näm­lich inso­weit, als ihm eine "Erho­lung" nicht durch die Zulas­sung von Vor­ha­ben erschwert oder unmög­lich gemacht wer­den soll, wel­che die Schä­di­gung ver­stär­ken. Der recht­li­che Ansatz, dass die Inten­si­vie­rung einer bereits gegen­wär­ti­gen Gefähr­dung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit eines zen­tra­len Ver­sor­gungs­be­reichs als schäd­li­che Aus­wir­kun­gen zu wür­di­gen ist, liegt im Übri­gen schon dem Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 12.02.2009 [6] zugrun­de.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom – 4 B 43.16

  1. BVerwG, Urteil vom 17.12 2009 – 4 C 1.08, BVerw­GE 136, 18 Rn. 15[]
  2. BVerwG, Urteil vom 17.12 2009 – 4 C 2.08, BVerw­GE 136, 10 Rn. 16[]
  3. Söf­ker, in: Ernst/​Zinkahn/​Bielenberg/​Krautzberger, Bau­GB, Stand August 2016, § 34 Rn. 86g[]
  4. BT-Drs. 15/​2250 S. 54[]
  5. BVerwG, Urteil vom 11.10.2007 – 4 C 7.07, BVerw­GE 129, 307 Rn. 14[]
  6. BVerwG, Beschluss 12.02.2009 – 4 B 3.09, Buch­holz 406.12 § 11 BauN­VO Nr. 34 Rn. 6[]