Der ter­min­säu­mi­ge ehren­amt­li­che Rich­ter

Ein ehren­amt­li­cher Rich­ter des Ver­wal­tungs­ge­richts, der Sit­zun­gen, zu denen er gela­den war, ohne genü­gen­de Ent­schul­di­gung wie­der­holt fern­bleibt, kann wegen gröb­li­cher Ver­let­zung sei­ner Amts­pflicht gem. § 24 Abs. 1 Nr. 2 VwGO erst dann von sei­nem Amt ent­pflich­tet wer­den, wenn er trotz Ver­hän­gung eines Ord­nungs­gel­des gemäß § 33 Abs. 1 VwGO sei­nen Amts­pflich­ten nicht nach­kommt.

Der ter­min­säu­mi­ge ehren­amt­li­che Rich­ter

Die Ent­bin­dung von dem Amt eines ehren­amt­li­chen Rich­ters darf nur in den von § 24 VwGO gesetz­lich bestimm­ten Fäl­len erfol­gen. In Betracht kommt hier nur eine Ent­bin­dung vom Amt wegen gröb­li­cher Ver­let­zung der Amts­pflich­ten (§ 24 Abs. 1 Nr. 2 VwGO).

Im vor­lie­gen­den Fall war der ehren­amt­li­che Rich­ter bis­her zu drei münd­li­chen Ver­hand­lun­gen, zu denen er als ehren­amt­li­cher Rich­ter gela­den war, ohne aus­rei­chen­de Ent­schul­di­gung, zuletzt auch ohne jede Mit­tei­lung, nicht erschie­nen. Auch hat er den Per­so­nal­bo­gen erst in der münd­li­chen Ver­hand­lung am 27.04.2015 aus­ge­füllt und so sein bis­her bekann­tes Geburts­da­tum auf den …1952 kor­ri­giert. Schließ­lich hat er sei­nem Unwil­len unmiss­ver­ständ­lich Aus­druck ver­lie­hen, als Lai­en­rich­ter in einer fünf­ten Wahl­pe­ri­ode, davon in einer zwei­ten beim Ver­wal­tungs­ge­richt Ham­burg, her­an­ge­zo­gen zu wer­den und sieht sei­ne dies­be­züg­li­chen Pflich­ten als erfüllt an.

Obwohl der ehren­amt­li­che Rich­ter damit sei­ne Amts­pflich­ten fort­lau­fend ver­letzt hat, ver­mag das Ham­bur­gi­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt dies noch nicht als gröb­li­che Ver­let­zung der Amts­pflich­ten i.S. des § 24 Abs. 1 Nr. 2 VwGO ein­zu­stu­fen. Denn der ehren­amt­li­che Rich­ter ist noch nicht vom Ver­wal­tungs­ge­richt gemäß § 33 Abs. 1 VwGO durch Ver­hän­gung eines Ord­nungs­gel­des zur Ein­hal­tung sei­ner Pflich­ten, ins­be­son­de­re zum recht­zei­ti­gen Erschei­nen zu einer Sit­zung, zu der er gela­den war, ange­hal­ten wor­den. Dass dies Wir­kung zu zei­gen geeig­net ist, beweist die Anord­nung des per­sön­li­chen Erschei­nens zur münd­li­chen Ver­hand­lung, ver­bun­den mit der Andro­hung eines Ord­nungs­gel­des. Erst wenn ihm auf die­se Wei­se ein­mal ver­geb­lich die Bedeu­tung sei­ner Amts­pflich­ten, ins­be­son­de­re die Pflicht zur Teil­nah­me an einer Sit­zung, um den gesetz­li­chen Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) zu wah­ren, vor Augen geführt wor­den ist 1, ist auch die sub­jek­ti­ve Kom­po­nen­te des Begrif­fes "gröb­lich ver­letzt" erfüllt.

Ham­bur­gi­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 27. April 2015 – 3 AS 14/​15

  1. vgl. OVG NRW, Beschluss vom11.06.1986, NVwZ 1987, 233[]