Der Trep­pen­lift und die Min­dest­brei­te einer Trep­pe

Die Min­dest­brei­te von einem Meter bei einer Trep­pe in einem Mehr­fa­mi­li­en­haus darf auch nach dem Ein­bau eines Trep­pen­lifts nicht unter­schrit­ten wer­den.

Der Trep­pen­lift und die Min­dest­brei­te einer Trep­pe

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kla­ge gegen die ange­ord­ne­te Besei­ti­gung eines Trep­pen­lifts. Der 88-jäh­ri­ge Klä­ger bewohnt gemein­sam mit sei­ner 80-jäh­ri­gen Ehe­frau eine Woh­nung im 2. Ober­ge­schoss eines in Essen gele­ge­nen Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses. Um die Woh­nung im Alter wei­ter nut­zen zu kön­nen, ließ der Klä­ger – zwar mit Zustim­mung der Haus­ver­wal­tung, aber ohne vor­he­ri­ge Abspra­che mit dem Bau­amt – im Trep­pen­haus für rund 7.500,- € einen Sitz­trep­pen­lift ein­bau­en. Das Bau­amt der Stadt Essen stell­te fest, dass durch den Ein­bau des Trep­pen­lif­tes auch in der „Park­po­si­ti­on“ des Lif­tes die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Min­dest­brei­te der Trep­pe von 1 m bereits durch die Schie­nen­kon­struk­ti­on um meh­re­re Zen­ti­me­ter unter­schrit­ten wur­de. Dem Klä­ger wur­de des­halb durch Ord­nungs­ver­fü­gung auf­ge­ge­ben, den Lift wie­der abzu­bau­en. Hier­ge­gen wen­det sich der Klä­ger mit sei­ner Kla­ge.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen sei zwar vor allem der Wunsch des Klä­gers, auch im Alter in der gewohn­ten Umge­bung zu ver­blei­ben, mensch­lich ver­ständ­lich. Die zwin­gen­den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Min­dest­brei­te von Trep­pen, die als Flucht­weg genutzt wür­den, dürf­ten aber auf­grund brand­schutz­recht­li­cher Erwä­gun­gen nicht unter­schrit­ten wer­den.

Die gesetz­lich gere­gel­te Min­dest­brei­te für Trep­pen fol­ge dar­aus, dass bei einem Brand und der oft damit ver­bun­de­nen panik­ar­ti­gen Räu­mung eines Gebäu­des zwangs­läu­fig zu erwar­ten sei, dass schnel­le­re Per­so­nen ande­re, die sich auf der Trep­pe nur lang­sam bewe­gen – ins­be­son­de­re älte­re und schwä­che­re – über­ho­len woll­ten. Dies sei bei einer Brei­te von 1 Meter gera­de noch, aber schon bei etwa 90 cm nur schwer mög­lich. Ein Über­hol­vor­gang auf einer der­art ein­ge­eng­ten Trep­pe gefähr­de die flie­hen­den Per­so­nen in erheb­li­chem Maße. Ein Sturz kön­ne gera­de in Gefahr­si­tua­tio­nen und damit mög­li­cher­wei­se ver­bun­de­ner Panik ver­hee­ren­de Fol­gen haben.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt wies aus­drück­lich dar­auf hin, dass auch ein Erlass des Minis­te­ri­ums für Städ­te­bau, Woh­nen, Kul­tur und Sport des Lan­des NRW aus dem Jahr 2004 kei­ne ande­re recht­li­che Beur­tei­lung recht­fer­ti­ge. Die­ser las­se zwar bei bestimm­ten Trep­pen­lif­ten unter Umstän­den eine Beschrän­kung der Trep­pen­brei­te auf 80 cm zu. Nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts, das sich zur Begrün­dung auf Ent­schei­dun­gen unter ande­rem des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len stützt, kön­ne ein minis­te­ri­el­ler Erlass nicht zwin­gen­de gesetz­li­che Anfor­de­run­gen außer Kraft set­zen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2012 – 5 K 2704/​12