Der U‑Bahn-Bau in Nürn­berg

Abwei­chun­gen des tat­säch­li­chen Bau­fort­schritts vom pro­gnos­ti­zier­ten Bau­ver­lauf in der Anfangs­pha­se der Ver­wirk­li­chung eines Vor­ha­bens recht­fer­ti­gen nicht den Schluss, dass das gesam­te Kon­zept für die meh­re­re Jah­re wäh­ren­de Bau­stel­le im Hin­blick auf die Dau­er der Bau­ar­bei­ten und die dabei ver­ur­sach­ten Immis­sio­nen von Grund auf feh­ler­haft sind. Etwai­ge unzu­läs­si­ge Abwei­chun­gen von den Vor­ga­ben eines Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses bei der tat­säch­li­chen Vor­nah­me von Lärm­im­mis­si­ons-Mes­sun­gen und wei­te­rer Schutz­maß­nah­men stel­len ledig­lich Unzu­läng­lich­kei­ten des Voll­zugs dar.

Der U‑Bahn-Bau in Nürn­berg

Mit die­ser Begrün­dung hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss der Regie­rung von Mit­tel­fran­ken für die U‑Bahn-Linie 3 in Nürn­berg für recht­mä­ßig erach­tet und zugleich auch den zuletzt gestell­ten Antrag auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz abge­lehnt. Die Betrei­be­rin­nen eines an der Tras­se gele­ge­nen Pfle­ge­hei­mes hat­ten sich mit Kla­gen und Anträ­gen auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz gegen die Ver­län­ge­rung der U‑Bahn-Linie 3 in Nürn­berg gewandt, weil sie wäh­rend der ca. 5‑jährigen Bau­zeit u.a. Beein­träch­ti­gun­gen durch Lärm, Erschüt­te­run­gen und Staub befürch­te­ten. In einem ers­ten Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes hat­te der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof mit Beschluss vom 4. Mai 2011 die auf­schie­ben­de Wir­kung der Kla­gen gegen den U‑Bahn-Bau ange­ord­net, weil ins­be­son­de­re das Lärm­schutz­kon­zept feh­ler­haft sei. Die Stadt Nürn­berg plan­te dar­auf­hin das Vor­ha­ben um (Abrü­cken der Tras­se vom Pfle­ge­heim um wei­te­re 10 Meter, unter­ir­di­scher Tun­nel­bau, Lärm­schutz­wand für Bau­ar­bei­ten im Bereich des geplan­ten U‑Bahnhofs und Abde­ckung des west­li­chen Gru­ben­teils, Ein­satz beson­ders lärm­ar­mer Maschi­nen). Nach­dem die Regie­rung von Mit­tel­fran­ken am 17. August 2012 den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für das geän­der­te Vor­ha­ben erlas­sen und wei­te­re Ver­bes­se­run­gen zuguns­ten der Klä­ge­rin­nen in den münd­li­chen Ver­hand­lun­gen vom 24. April 2013 und 3. Juli 2013 vor­ge­nom­men hat­te, wur­den in einem zwei­ten Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes mit Beschluss des Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof vom 13. August 2013 die Anträ­ge der Klä­ge­rin­nen auf Anord­nung der auf­schie­ben­den Wir­kung ihrer Kla­gen abge­lehnt.

Mit sei­nen jetzt getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hier­an ange­knüpft und den bereits mehr­fach geän­der­ten Plan­fest­stel­lungs­be­schluss auch in der Haupt­sa­che gebil­ligt, nach­dem durch eine wei­te­re Ergän­zung vom 17. Febru­ar 2014 die Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung für den Fall unzu­mut­ba­ren Bau­lärms durch Beweis­erleich­te­run­gen für die Klä­ge­rin­nen nach­ge­bes­sert wor­den war.

Abwei­chun­gen des tat­säch­li­chen Bau­fort­schritts vom pro­gnos­ti­zier­ten Bau­ver­lauf in der Anfangs­pha­se der Ver­wirk­li­chung des Vor­ha­bens recht­fer­ti­gen nach Auf­fas­sung des Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof nicht den Schluss, dass das gesam­te Kon­zept für die meh­re­re Jah­re wäh­ren­de Bau­stel­le im Hin­blick auf die Dau­er der Bau­ar­bei­ten und die dabei ver­ur­sach­ten Immis­sio­nen von Grund auf feh­ler­haft sei.

Soweit unzu­läng­li­che oder ganz feh­len­de Lärm­im­mis­si­ons-Mes­sun­gen und wei­te­re Feh­ler bei der Durch­füh­rung der Bau­ar­bei­ten gerügt wor­den waren, hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof dar­ge­legt, dass etwai­ge unzu­läs­si­ge Abwei­chun­gen von den Vor­ga­ben des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses bei der tat­säch­li­chen Vor­nah­me der Mes­sun­gen und wei­te­rer Schutz­maß­nah­men ledig­lich Unzu­läng­lich­kei­ten des Voll­zugs dar­stell­ten, die nicht zum Erfolg der Kla­gen gegen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss füh­ren könn­ten. Es sei Sache der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de, Schutz­be­stim­mun­gen zu Guns­ten der Antrag­stel­le­rin­nen gegen­über der Bau­her­rin durch­zu­set­zen.

Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat die Revi­si­on gegen sein Urteil in der Sache 22 A 10.40044 nicht zuge­las­sen. Gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on kann Beschwer­de zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ein­ge­legt wer­den. Gegen den Beschluss in dem Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes (22 AS 13.40084) gibt es kein Rechts­mit­tel.

Baye­ri­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 16. April 2014 – 22 A 10.40044 und Beschluss vom 16. April 2014 – 22 AS 13.40084