Der über­gan­ge­ne Ter­mins­ver­le­gungs­an­trag

Wird ein Antrag auf Ver­le­gung eines Ter­mins zur münd­li­chen Ver­hand­lung in ver­fah­rens­feh­ler­haf­ter Wei­se nicht behan­delt oder abge­lehnt, kann hier­mit zwar grund­sätz­lich eine Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehörs und damit auch ein Ver­fah­rens­man­gel im Sin­ne des § 124 Abs. 2 Nr. 5 VwGO ver­bun­den sein.

Der über­gan­ge­ne Ter­mins­ver­le­gungs­an­trag

Selbst wenn in der tele­fo­ni­schen Mit­tei­lung des Klä­gers ein Ver­le­gungs­an­trag zu sehen wäre, hät­te für das Ver­wal­tungs­ge­richt kei­ne Ver­an­las­sung bestan­den, die­sem Antrag zu ent­spre­chen. Gemäß § 173 Satz 1 VwGO i.V.m. § 227 Abs. 1 Satz 1 ZPO kann ein Ter­min aus erheb­li­chen Grün­den auf­ge­ho­ben oder ver­legt wer­den. Eine kurz­fris­ti­ge über­ra­schen­de Erkran­kung eines anwalt­lich nicht ver­tre­te­nen Betei­lig­ten oder eines Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten stellt zwar regel­mä­ßig einen erheb­li­chen Grund für die Auf­he­bung oder Ver­le­gung eines Ver­hand­lungs­ter­mins dar 1. Der Ver­hin­de­rungs­grund muss aber wenigs­tens plau­si­bel und nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt sein 2, wobei eine Glaub­haft­ma­chung gemäß § 227 Abs. 2 VwGO erst auf Ver­lan­gen des Vor­sit­zen­den erfor­der­lich ist. Hier fehlt es bereits an einer plau­si­blen und nach­voll­zieh­ba­ren Dar­le­gung einer sein Erschei­nen zur münd­li­chen Ver­hand­lung hin­dern­den Erkran­kung des Klä­gers. Der im Zeit­punkt der münd­li­chen Ver­hand­lung dem Gericht vor­lie­gen­de blo­ße tele­fo­ni­sche Hin­weis des Klä­gers, es habe "ihn erwischt" (vgl. Tele­fon­ver­merk der Geschäfts­stel­le des Ver­wal­tungs­ge­richts v. 15.12.2010), genügt hier­für nicht.

Schließ­lich ist dem Zulas­sungs­vor­brin­gen nicht zu ent­neh­men, dass das ange­foch­te­ne Urteil auf dem gel­tend gemach­ten Ver­fah­rens­man­gel im Sinn des § 124 Abs. 2 Nr. 5 VwGO beru­hen kann. Der Klä­ger hat weder dar­ge­legt, dass sei­ne per­sön­li­che Anhö­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung erfor­der­lich gewe­sen ist, noch dass bei sei­ner Anwe­sen­heit in der münd­li­chen Ver­hand­lung eine ande­re Ent­schei­dung in der Sache hät­te getrof­fen wer­den kön­nen 3.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 23. Febru­ar 2011 – 8 LA 18/​11

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 21.12.2009 – 6 B 32.09, m.w.N.[]
  2. vgl. Bay.VGH, Beschluss vom 17.11.2009 – 21 ZB 09.877; Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, ZPO, 69. Aufl., § 227 Rn. 8[]
  3. vgl. zu die­sen Erfor­der­nis­sen: BVerwG, Beschluss vom 22.05.2006 – 10 B 9.06, NJW 2006, 2648, 2649[]