Der ver­hin­der­te NPD-Bür­ger­meis­ter-Kan­di­dat

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Schwe­rin hat die Kla­gen des NPD-Mit­glieds Tor­gai Klin­ge­biel sowie wei­te­rer Ein­wen­der gegen die Gül­tig­keit der Bür­ger­meis­ter­wahl in der Stadt Lud­wigs­lust vom 30. Mai und vom 13. Juni 2010 abge­wie­sen. Mit ihren jewei­li­gen Kla­gen woll­ten die Klä­ger die Stadt­ver­tre­tung ver­pflich­ten las­sen, die Bür­ger­meis­ter­wahl für ungül­tig zu erklä­ren.

Der ver­hin­der­te NPD-Bür­ger­meis­ter-Kan­di­dat

Der Klä­ger eines der bei­den jetzt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren, Herr Tor­gai Klin­ge­biel, der zum Zeit­punkt der Wahl Lan­des­ge­schäfts­füh­rer und damit zugleich Mit­glied des Lan­des­vor­stands der NPD sowie stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des NPD-Kreis­ver­bands West­meck­len­burg war, woll­te selbst bei der Wahl des Bür­ger­meis­ters der Stadt Lud­wigs­lust kan­di­die­ren. Er war von der NPD als Wahl­be­wer­ber vor­ge­schla­gen wor­den. Der Wahl­aus­schuss, der über die Zulas­sung der Wahl­vor­schlä­ge zu befin­den hat, ließ den Wahl­vor­schlag wegen Zwei­feln dar­an, ob der Wahl­be­wer­ber die Gewähr dafür bie­te, jeder­zeit für die frei­heit­lich demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­zu­ste­hen, nicht zu. Die Wahl wur­de mit den zuge­las­se­nen Wahl­be­wer­bern durch­ge­führt. Die Stim­men­mehr­heit erziel­te im Stich­wahl­gang der jet­zi­ge Bür­ger­meis­ter Herr Rein­hard Mach.

Der Klä­ger ist der Auf­fas­sung, dass es für die Ableh­nung sei­ner Kan­di­da­tur nicht aus­rei­che, dass er Ämter für die NPD beklei­de und nicht bereit sei, sich von angeb­lich ver­fas­sungs­feind­li­chen Aus­sa­gen von Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten zu distan­zie­ren

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Schwe­rin geht dage­gen in sei­ner Ent­schei­dung davon aus, dass es bei der Vor­be­rei­tung der Wahl des Bür­ger­meis­ters der Stadt Lud­wigs­lust ent­ge­gen der Ansicht des Wahl­be­wer­bers Herrn Tor­gai Klin­ge­biel nicht zu Unre­gel­mä­ßig­kei­ten gekom­men sei. Die Nicht­zu­las­sung des Klä­gers zur Wahl sei nicht zu bean­stan­den. Zum Bür­ger­meis­ter kön­ne nach dem Kom­mu­nal­wahl­ge­setz des Lan­des nur gewählt wer­den, wer die Vor­aus­set­zun­gen für die Ernen­nung zum Beam­ten auf Zeit erfül­le. Zu die­sen Vor­aus­set­zun­gen gehö­re auch, dass der Gewähl­te die Gewähr dafür bie­te, dass er jeder­zeit für die frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ein­tre­te. Gemäß die­ser für ver­fas­sungs­ge­mäß erach­te­ten Rege­lun­gen sei der Klä­ger nicht wähl­bar gewe­sen.

Bei der NPD han­de­le es sich um eine rechts­ex­tre­mis­ti­sche Par­tei, die poli­ti­sche Zie­le ver­fol­ge, die mit der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung nicht zu ver­ein­ba­ren sei­en. Die NPD wol­le die par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie und den demo­kra­ti­schen Rechts­staat besei­ti­gen. In die­ser Par­tei übte der Klä­ger als Lan­des­ge­schäfts­füh­rer und Mit­glied des Lan­des­vor­stands hoch­ran­gi­ge Funk­tio­nen aus und müs­se sich daher deren ver­fas­sungs­feind­li­che Bestre­bun­gen zurech­nen las­sen. Es las­se sich nicht fest­stel­len, dass sich der Klä­ger von den ver­fas­sungs­wid­ri­gen Bestre­bun­gen der NPD öffent­lich und glaub­haft distan­ziert habe. Dies sei für die Beant­wor­tung der Fra­ge, ob er die Vor­aus­set­zun­gen für die Ernen­nung zum Beam­ten auf Zeit erfüllt, zu berück­sich­ti­gen, auch wenn die NPD als Par­tei nicht ver­bo­ten sei.

Die Klä­ger des zwei­ten Wahl­an­fech­tungs­ver­fah­rens gehen davon aus, dass es bei der Vor­be­rei­tung der Wahl zu ver­schie­dens­ten Unre­gel­mä­ßig­kei­ten gekom­men sei. So habe u.a. der der­zei­ti­ge Land­rat für den Land­kreis Lud­wigs­lust, Herr Rolf Chris­ti­an­sen, auf sei­ner pri­va­ten Inter­net­sei­te den nun­mehr Gewähl­ten unter­stützt.

Auch die­sen Ein­wän­den ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Schwe­rin nicht gefolgt. Nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts ist es auch inso­weit bei der Vor­be­rei­tung der Wahl nicht zu Unre­gel­mä­ßig­kei­ten gekom­men. Die von Herrn Chris­ti­an­sen auf sei­ner – erkenn­bar – pri­va­ten Home­page aus­ge­spro­che­ne Wahl­emp­feh­lung sei von sei­nem Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung gedeckt und habe nicht die ihm als Amts­trä­ger abzu­ver­lan­gen­de Neu­tra­li­täts­pflicht ver­letzt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Schwe­rin, Urtei­le vom 24. Juni 2011 – 1 A 1198/​10 sowie 1 A 1221/​10