Der Ver­zicht auf münd­li­che Ver­hand­lung vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt

Der Ver­zicht auf die Durch­füh­rung einer münd­li­chen Ver­hand­lung (§ 101 Abs. 2 VwGO) bewirkt, dass das Ver­fah­ren im schrift­li­chen Ver­fah­ren fort­zu­füh­ren ist. Hier­für bedarf es kei­ner geson­der­ten Anord­nung durch einen gericht­li­chen Beschluss; die eigen­stän­di­ge Rege­lung in § 101 Abs. 2 VwGO lässt für eine ergän­zen­de Anwen­dung des § 128 Abs. 2 ZPO kei­nen Raum.

Der Ver­zicht auf münd­li­che Ver­hand­lung vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt

Haben die Par­tei­en auf die Durch­füh­rung einer münd­li­chen Ver­hand­lung ver­zich­tet, ist das Ver­fah­ren kraft Ein­ver­ständ­nis­ses der Betei­lig­ten (vgl. § 101 Abs. 2 VwGO) im schrift­li­chen Ver­fah­ren fort­zu­füh­ren 1; einer beson­de­ren Anord­nung durch Beschluss, wie im Zivil­pro­zess nach § 128 Abs. 2 Satz 2 ZPO üblich 2, bedurf­te es hier­für nicht.

Das Ver­fah­ren der Ent­schei­dung ohne münd­li­che Ver­hand­lung hat für den Ver­wal­tungs­pro­zess in § 101 Abs. 2 VwGO eine eigen­stän­di­ge Rege­lung erfah­ren, die für eine ergän­zen­de Anwen­dung des § 128 Abs. 2 ZPO kei­nen Raum lässt. Der Ver­zicht auf münd­li­che Ver­hand­lung ist danach eine auf die nächs­te Ent­schei­dung des Gerichts bezo­ge­ne, grund­sätz­lich unwi­der­ruf­li­che Pro­zess­hand­lung 3. Aller­dings steht es auch nach einem Ver­zicht im Ermes­sen des Gerichts, ob es ohne münd­li­che Ver­hand­lung ent­schei­det 4.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 15. Mai 2014 – 9 B 57.2013 -

  1. Dol­de­rer, in: Sodan/​Ziekow, VwGO, 3. Aufl.2010, § 101 Rn. 17[]
  2. vgl. Thomas/​Putzo, ZPO, 34. Aufl.2013, § 128 Rn. 32; Stad­ler, in: Musiel­ack, ZPO, 11. Aufl.2014, § 128 Rn. 16[]
  3. BVerwG, Beschlüs­se vom 01.03.2006 – 7 B 90.05 13, 16; und vom 08.07.2008 – 8 B 29.08 6 ff., jeweils m.w.N.[]
  4. s. BVerwG, Beschluss vom 01.03.2006 – 7 B 90.05 14[]