Der von der Mit­wir­kung aus­ge­schlos­se­ne BVerfG-Rich­ter

Ein Mit­wir­kungs­aus­schluss folgt aus der Betei­li­gung einer Rich­te­rin oder eines Rich­ters an der Sache (§ 18 Abs. 1 Nr. 1 BVerfGG) oder aus einer vor­an­ge­gan­ge­nen Tätig­keit in der­sel­ben Sache (§ 18 Abs. 1 Nr. 2 BVerfGG).

Der von der Mit­wir­kung aus­ge­schlos­se­ne BVerfG-Rich­ter

Die Aus­schluss­re­ge­lung ist als Aus­nah­me­tat­be­stand kon­stru­iert und des­halb eng aus­zu­le­gen. Das Tat­be­stands­merk­mal „der­sel­ben Sache“ ist daher stets in einem kon­kre­ten, strikt ver­fah­rens­be­zo­ge­nen Sinn zu ver­ste­hen.

Zu einem Aus­schluss kann des­halb regel­mä­ßig nur eine Tätig­keit in dem ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren selbst oder in dem die­sem unmit­tel­bar vor­aus­ge­gan­ge­nen und ihm sach­lich zuge­ord­ne­ten Ver­fah­ren füh­ren [1]. Die frü­he­re Tätig­keit in einem mit dem anhän­gi­gen Ver­fah­ren in irgend­ei­nem Zusam­men­hang ste­hen­den Ver­fah­ren genügt nicht [2].

Die (dekla­ra­to­ri­sche) Ent­schei­dung über die Aus­schlie­ßung ist unter Mit­wir­kung des ver­meint­lich aus­ge­schlos­se­nen Rich­ters zu tref­fen, wenn die vor­ge­brach­ten Umstän­de offen­sicht­lich unge­eig­net sind, einen Mit­wir­kungs­aus­schluss zu begrün­den [3].

Dar­an gemes­sen ist der Umstand, dass der Prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts es unter­las­sen haben soll, die E‑Mail eines Beschwer­de­füh­rers in Zusam­men­hang mit einem ande­ren Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren an die übri­gen Gerichts­mit­glie­der wei­ter­zu­ge­ben, von vorn­her­ein unge­eig­net, einen Aus­schlie­ßungs­grund zu sta­tu­ie­ren. Denn dabei – wie auch bei der Tätig­keit des Prä­si­den­ten des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in dem besag­ten ande­ren Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren an sich – han­delt es sich ersicht­lich nicht um eine Tätig­keit in dem hie­si­gen ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren selbst oder in einem die­sem unmit­tel­bar vor­aus­ge­gan­ge­nen und ihm sach­lich zuge­ord­ne­ten Ver­fah­ren. Zwar besteht ein Sach­zu­sam­men­hang mit dem besag­ten ande­ren Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren im wei­te­ren Sinn: Sowohl das hie­si­ge wie auch das dor­ti­ge Ver­fah­ren haben die­sel­be öffent­lich-recht­li­che Maß­nah­me zum Gegen­stand. Dies stellt unter Zugrun­de­le­gung des skiz­zier­ten engen, strikt auf das kon­kre­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren bezo­ge­nen Begriffs­ver­ständ­nis­ses aber offen­sicht­lich nicht „die­sel­be Sache“ im Sin­ne des § 18 BVerfGG dar. Allein die irgend­wie gear­te­te Vor­be­fas­sung mit dem hie­si­gen Streit­ge­gen­stand in einem ande­ren Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren kann einen Aus­schlie­ßungs­grund nicht begrün­den [2].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Febru­ar 2020 – 2 BvR 2082/​19

  1. vgl. BVerfGE 47, 105, 108; 72, 278, 288; 78, 331, 336 f.; 82, 30, 35 f.; 109, 130, 131; 133, 163, 165 f. Rn. 6[]
  2. vgl. BVerfGE 78, 331, 337; 133, 377, 406 Rn. 71[][]
  3. vgl. BVerfGE 133, 163, 165 Rn. 4, 167 f. Rn. 12; BVerfG, Beschluss vom 03.06.2019 – 2 BvR 910/​19, Rn. 8; Beschluss vom 22.03.2018 – 1 BvR 501/​18, Rn. 2[]