Der von einem Pri­va­ten erlas­se­ne Ver­wal­tungs­akt

Es bedarf einer geson­der­ten gesetz­li­chen Grund­la­ge, wenn eine GmbH als pri­va­ter Geschäfts­be­sor­ger mit dem Erlass von Beschei­den beauf­tragt wer­den soll. Fehlt die­se beson­de­re gesetz­li­che Ermäch­ti­gung, ver­stößt eine Behör­de gegen den Grund­satz der Selbst­or­gan­schaft, wenn sie eine juris­ti­sche Per­son des Pri­vat­rechts mit dem inhalt­li­chen Erlass von Fest­set­zungs­be­schei­den beauf­tragt.

Der von einem Pri­va­ten erlas­se­ne Ver­wal­tungs­akt

Mit die­ser Begrün­dung hat das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, dass die Stadt­ent­wäs­se­rung Dres­den GmbH nicht befugt war, einen Bescheid zu erlas­sen, mit dem der Auf­wandersatz für die Her­stel­lung eines Schmutz­was­ser­an­schluss­ka­nals fest­ge­setzt wor­den war.

Nach Auf­fas­sung des Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts bedür­fe es einer geson­der­ten gesetz­li­chen Grund­la­ge, wenn eine GmbH als pri­va­ter Geschäfts­be­sor­ger mit dem Erlass von Beschei­den beauf­tragt wer­den sol­le. Eine gesetz­li­che Grund­la­ge, wel­che den Erlass von Beschei­den über die Fest­set­zung eines Auf­wands­er­sat­zes für die Her­stel­lung einen Schmutz­was­ser­an­schluss­ka­nals erlau­be, lie­ge im Frei­staat Sach­sen nicht vor.

Eine Behör­de ver­sto­ße gegen den Grund­satz der Selbst­or­gan­schaft, wenn sie eine juris­ti­sche Per­son des Pri­vat­rechts mit dem inhalt­li­chen Erlass von Fest­set­zungs­be­schei­den beauf­tra­ge. Zuläs­sig sei­en ledig­lich vor­be­rei­ten­de oder unter­stüt­zen­de Hilfs­tä­tig­kei­ten von pri­va­ten Geschäfts­be­sor­gern im Rah­men einer Ver­wal­tungs­hil­fe. Die Gren­ze der Ver­wal­tungs- und Erfül­lungs­hil­fe sei hin­ge­gen über­schrit­ten, wenn der Hel­fer – wie hier die Stadt­ent­wäs­se­rung Dres­den GmbH – eigen­stän­dig und umfas­send den Beschei­der­lass über­neh­me. Hier­zu war die GmbH nicht befugt, viel­mehr hät­te hier der Eigen­be­trieb Stadt­ent­wäs­se­rung Dres­den als zustän­di­ge Behör­de den Bescheid erlas­sen müs­sen.

Da letz­te­re auf den Wider­spruch des Klä­gers einen Wider­spruchs­be­scheid erlas­sen hat­te, war der Feh­ler geheilt wor­den, so dass die Kla­ge unter Auf­he­bung einer anders­lau­ten­den Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Dres­den 1 erfolg­los blieb.

Säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­gricht, Urteil vom 3. Dezem­ber 2013 – 4 A 567/​11

  1. VG Dres­den, Urteil vom 16.02.2010 – 2 K 201/​09[]