Der Win­kel­schlei­fer und die Kos­ten des Feu­er­wehr­ein­sat­zes

Das Arbei­ten mit einem Win­kel­schlei­fer (Flex) in unmit­tel­ba­rer Nähe zu einer geöff­ne­ten Schup­pen­tür kann – wenn die Fun­ken in Rich­tung der Tür sprü­hen und dadurch im Inne­ren ein Brand ent­steht – grob fahr­läs­sig sein und der Ver­ur­sa­cher infol­ge des­sen zu den erfor­der­li­chen Kos­ten des Feu­er­wehr­ein­sat­zes her­an­ge­zo­gen wer­den.

Der Win­kel­schlei­fer und die Kos­ten des Feu­er­wehr­ein­sat­zes

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz ent­schie­de­nen Fall wand­te sich der Klä­ger gegen die Her­an­zie­hung zu den Kos­ten eines Feu­er­wehr­ein­sat­zes. Er hat­te in unmit­tel­ba­rer Nähe sei­nes Schup­pens mit einem Win­kel­schlei­fer Fla­ch­ei­sen geschnit­ten. Dabei stand die in Rich­tung des Fun­ken­flugs gele­ge­ne Schup­pen­tür zumin­dest einen Spalt offen. Durch den Fun­ken­flug ent­zün­de­te sich eine in den Tür­spalt hin­ein­ra­gen­de Jacke, die im Schup­pen­in­ne­ren neben der Tür hing. Der Klä­ger bemerk­te die­sen Brand und lösch­te die Jacke im Frei­en. Eben­so lösch­te er zwei klei­ne­re Feu­er im Schup­pen mit einer Gieß­kan­ne. Danach kehr­te er ins Haus zurück, um Brand­ver­let­zun­gen, die er sich bei sei­nem Lösch­ein­satz zuge­zo­gen hat­te, zu ver­sor­gen. Als er nach drau­ßen zurück kam, stand der Schup­pen in Flam­men. Die her­bei­ge­ru­fe­ne Feu­er­wehr konn­te den Brand löschen.

Der Klä­ger wur­de als Ver­ur­sa­cher, dem der Vor­wurf der gro­ben Fahr­läs­sig­keit zu machen sei, von der Ver­bands­ge­mein­de Rhein­böl­len zu den ange­fal­le­nen Feu­er­wehr­kos­ten in Höhe von etwas über 4.000 € her­an­ge­zo­gen. Hier­ge­gen leg­te der Klä­ger Wider­spruch ein und berief sich dar­auf, dass sein Han­deln allen­falls fahr­läs­sig gewe­sen sei, weil er die Schup­pen­tür nicht voll­stän­dig geschlos­sen habe. Anknüp­fungs­punk­te für eine gro­be Fahr­läs­sig­keit, die Vor­aus­set­zung für eine kos­ten­mä­ßi­ge Inan­spruch­nah­me sei, gebe es nicht. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruch erhob der Klä­ger Kla­ge.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz wies die Kla­ge ab, dem Klä­ger sei der Vor­wurf gro­ber Fahr­läs­sig­keit zu machen, da er in Kennt­nis des star­ken Fun­ken­flugs, der ins­be­son­de­re beim Bear­bei­ten von Metall ent­ste­he, in Rich­tung und in unmit­tel­ba­rer Nähe zur geöff­ne­ten Schup­pen­tür gear­bei­tet habe. Dies gel­te ins­be­son­de­re mit Blick auf die in der unmit­tel­ba­ren Umge­bung zahl­rei­chen, brenn­ba­ren Mate­ria­li­en. Hin­zu kom­me, dass der Klä­ger auch nach Ent­de­cken des Bran­des die erfor­der­li­che Sorg­falt in gro­bem Maße außer Acht gelas­sen habe, indem er zwar zwei klei­ne Brand­her­de mit der Gieß­kan­ne gelöscht habe, sich jedoch nicht aus­rei­chend ver­ge­wis­sert habe, ob noch wei­te­re Brand­her­de vor­han­den waren. Der Klä­ger müs­se sich in die­sem Zusam­men­hang vor­hal­ten las­sen, dass er als lang­jäh­ri­ger berufs­tä­ti­ger Hand­wer­ker und Hob­by­wer­ker offen­sicht­lich Erfah­rung im Umgang mit Win­kel­schlei­fern und deren Fun­ken­flug habe. Soweit sich der Klä­ger dem­ge­gen­über auf Ein­schrän­kun­gen sei­ner Seh­fä­hig­keit beru­fe, kön­ne ihn das nicht ent­las­ten, weil er inso­weit bei gefähr­li­chen Arbei­ten gehal­ten gewe­sen wäre, sich der Hil­fe ande­rer Per­so­nen zu ver­si­chern.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 9. Febru­ar 2011 – 5 K 894/​10.KO