Der Zeu­ge – und sei­ne Gefahr der Straf­ver­fol­gung

Gemäß § 55 Abs. 1 StPO ist ein Zeu­ge berech­tigt, die Aus­kunft auf Fra­gen zu ver­wei­gern, wenn er bei wahr­heits­ge­mä­ßer Aus­sa­ge auch Anga­ben machen müss­te, die geeig­net wären, einen Tat­ver­dacht gegen ihn oder einen sei­ner Ange­hö­ri­gen im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StPO zu begrün­den oder zu ver­stär­ken.

Der Zeu­ge – und sei­ne Gefahr der Straf­ver­fol­gung

Es genügt, wenn er über Fra­gen eine Aus­kunft geben müss­te, die den Ver­dacht als Teil­stück in einem mosa­ik­ar­tig zusam­men­ge­setz­ten Beweis­ge­bäu­de mit­tel­bar begrün­den.

Eine Ver­fol­gungs­ge­fahr besteht zwar im All­ge­mei­nen nicht mehr, wenn ein rechts­kräf­ti­ges Urteil gegen den Zeu­gen in der­sel­ben Sache vor­liegt 1. Das gilt aber nicht, wenn zwi­schen der abge­ur­teil­ten Tat und wei­te­ren Straf­ta­ten, deret­we­gen der Zeu­ge noch ver­folgt wer­den kann, ein so enger Zusam­men­hang besteht, dass die Beant­wor­tung von Fra­gen zu der abge­ur­teil­ten Tat die Gefahr der Ver­fol­gung wegen ande­rer Taten mit sich bringt 2. Stets kommt es auf die Umstän­de des Ein­zel­falls an.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Juni 2016 – 2 StR 539/​15

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.11.1984 – 2 BvR 1409/​84, NStZ 1985, 277[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 06.02.2002 – 2 BvR 1249/​01, NJW 2002, 1411, 1412; BGH, Urteil vom 19.12 2006 – 1 StR 326/​06, BGHR StPO § 55 Abs. 1 Ver­fol­gung 9; SSW/​Eschelbach, StPO, 2. Aufl., § 55 Rn. 8; LR/​Ignor/​Bartheau, StPO, 26. Aufl., § 55 Rn. 11; SK/​Rogall, StPO, 4. Aufl., § 55 Rn. 27, 40; Schmitt in Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Aufl., § 55 Rn. 8; KK/​Senge, StPO, 7. Aufl., § 55 Rn. 5[]
  3. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 10.01.2018 XII ZB 451/​17 Fam­RZ 2018, 445[]