Der Zivil­dienst und die Auf­nah­me des Medi­zin­stu­di­ums

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen hat in einem aktu­el­len Ver­fah­ren das Bun­des­amt für den Zivil­dienst durch einst­wei­li­ge Anord­nung ver­pflich­tet, einen jun­gen Mann vor­zei­tig aus dem Zivil­dienst zu ent­las­sen, damit er zum 1.10.2010 ein Stu­di­um auf­neh­men kann.

Der Zivil­dienst und die Auf­nah­me des Medi­zin­stu­di­ums

Der Antrag­stel­ler ist Zivil­dienst­leis­ten­der an einem Kran­ken­haus. Sein Dienst endet regu­lär am 28. Febru­ar 2011. Zum 1. Okto­ber 2010 erhielt der Antrag­stel­ler eine Zulas­sung für einen Medi­zin­stu­di­en­platz an der Uni­ver­si­tät Kiel. Dar­auf­hin bean­trag­te er bei dem Bun­des­amt für den Zivil­dienst sei­ne vor­zei­ti­ge Ent­las­sung aus dem Zivil­dienst. Es sei ihm aus fami­liä­ren Grün­den, wegen der lan­gen War­te­zeit und weil zum Win­ter­se­mes­ter 2011/​2012 infol­ge der Ver­kür­zun­gen der gym­na­sia­len Ober­stu­fe in zahl­rei­chen Bun­des­län­dern zwei Abitur­jahr­gän­ge an die Uni­ver­si­tä­ten drän­gen wür­den nicht zuzu­mu­ten das Stu­di­um erst zum 1. Okto­ber 2011 auf­zu­neh­men. Dies lehnt das Amt mit der Begrün­dung ab, die regu­lä­re Ableis­tung des Zivil­diens­tes bedeu­te für den Antrag­stel­ler kei­ne beson­de­re Här­te. Der ihm dro­hen­de Zeit­ver­lust gehe nicht über das nor­ma­le, durch den Zivil­dienst beding­te Maß hin­aus.

Gegen den Bescheid hat der Antrag­stel­ler Kla­ge erho­ben und zugleich um die Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes gebe­ten. Dem hat nun das Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen ent­spro­chen: Mit dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen ange­nom­men, ein zusätz­li­cher Zeit­ver­lust von mehr als sechs Mona­ten begrün­de eine beson­de­re Här­te, die eine vor­zei­ti­ge Ent­las­sung aus dem Dienst begrün­de. Die War­te­zeit vom regu­lä­ren Ende des Zivil­diens­tes bis zum dann mög­li­chen Stu­di­en­be­ginn am 1. Okto­ber 2011 betra­ge 7 Mona­te. Der Berech­nungs­me­tho­de des Antrags­geg­ners sei nicht zu fol­gen. Die­ser war von einer War­te­zeit von 6 Mona­ten aus­ge­gan­gen. Er nahm eine Ver­zö­ge­rung des Stu­di­en­be­ginns von 12 Mona­ten in den Blick und zog hier­von die Dau­er des Zivil­diens­tes von sechs Mona­ten ab. Er bezog dabei auf einen ent­spre­chen­den Minis­te­rial­er­lass, des­sen Aus­le­gung in der Recht­spre­chung umstrit­ten ist.

Zudem begrün­de sich eine beson­de­re Här­te für den Antrag­stel­ler dar­aus, dass die tat­säch­li­che War­te­zeit nach regu­lä­rem Diens­ten­de bis zum Beginn des Stu­di­ums im Okto­ber 2011 mit sie­ben Mona­ten län­ger sei als die Dau­er des Zivil­diens­tes ins­ge­samt von sechs Mona­ten. Schließ­lich wür­dig­te die Kam­mer, dass der Antrag­stel­ler in der War­te­zeit nach sei­nem unwi­der­spro­chen geblie­be­nen Vor­trag finan­zi­ell nicht abge­si­chert sei und dass die Bun­des­re­gie­rung die Aus­set­zung der Wehr­pflicht und des Zivil­diens­tes zum nächs­ten Jahr beschlos­sen habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2010 – 1 B 235/​10

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