Die zwi­schen­zeit­lich voll­zo­ge­ne Abschie­bung – und das des­we­gen nicht mög­li­che Erschei­nen vor Gericht

Art. 6 Abs. 1 EMRK ist in asyl- und aus­län­der­recht­li­chen Ver­fah­ren, in denen sich ein Klä­ger gegen sei­ne Abschie­bung wen­det, bereits nicht anwend­bar1.

Die zwi­schen­zeit­lich voll­zo­ge­ne Abschie­bung – und das des­we­gen nicht mög­li­che Erschei­nen vor Gericht

Zwar kann sich der Klä­ger hin­sicht­lich sei­ner Rech­te aus Art. 3 und Art. 8 EMRK auf das Recht auf eine wirk­sa­me Beschwer­de nach Art. 13 EMRK beru­fen; die­sem ist aber mit den vor­lie­gend vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt eröff­ne­ten Rechts­be­hel­fen (Antrag auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz mit auf­schie­ben­der Wir­kung gemäß § 58a Abs. 4 Satz 3 Auf­en­thG und Kla­ge), die das Recht auf Gehör mit­tels anwalt­li­cher Ver­tre­tung gewähr­leis­ten und zu einer umfas­sen­den gericht­li­chen Über­prü­fung bereits im Eil­ver­fah­ren füh­ren, Genü­ge getan. Einen Anspruch auf per­sön­li­che Anhö­rung vor der natio­na­len Beschwer­de­instanz in einer münd­li­chen Ver­hand­lung hat der EGMR aus Art. 13 EMRK hin­ge­gen bis­her nicht abge­lei­tet2.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sah sich auch nicht gehal­ten, den Ter­min­ver­le­gungs­an­trä­gen des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers zu ent­spre­chen; eben­so wenig muss­te er die­sem zwecks gemein­sa­men Akten­stu­di­ums und Abspra­che des Vor­brin­gens im Kla­ge­ver­fah­ren im Rah­men der bewil­lig­ten Pro­zess­kos­ten­hil­fe eine Infor­ma­ti­ons­rei­se in die Tür­kei oder dem Klä­ger einen kurz­zei­ti­gen Auf­ent­halt in Deutsch­land ermög­li­chen. Ein erheb­li­cher Grund für eine Ter­mins­ver­le­gung war für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ins­be­son­de­re nicht in dem Vor­brin­gen zu erbli­cken, dem Klä­ger müs­se vor einer münd­li­chen Ver­hand­lung die Mög­lich­keit zu einem unüber­wach­ten Gespräch im Wege des per­sön­li­chen Kon­takts mit sei­nem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten in Deutsch­land oder der Tür­kei gege­ben wer­den; zudem sei er zur münd­li­chen Ver­hand­lung per­sön­lich zu laden. Die Ermög­li­chung eines per­sön­li­chen Kon­takts zwi­schen dem Klä­ger und sei­nem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten war nicht gebo­ten, weil eine sach­ge­rech­te Vor­be­rei­tung des Ter­mins auch auf tele­fo­ni­schem oder elek­tro­ni­schem Wege mög­lich und zumut­bar war. Soweit der Klä­ger eine Über­wa­chung durch Geheim­diens­te befürch­tet hat, war er auf die Nut­zung der tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten geschütz­ter Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on zu ver­wei­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. August 2018 – 1 A 16.17

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 14.03.2002 – 1 C 15.01, BVerw­GE 116, 123, 125; EGMR, GK, Urtei­le vom 05.10.2000 – Nr. 39652/​98, Maaouia/​Frank­reich, Rn. 35 ff., EZAR 939 Nr. 1 = InfAuslR 2001, 109, LS; und vom 12.07.2001 – Nr. 44759/​98, Ferrazzini/​Ita­li­en, Rn. 28; eben­so EGMR, Urteil vom 10.01.2012 – Nr. 22251/​07, G.R./Nie­der­lan­de, Rn. 48 []
  2. vgl. Mey­er-Lade­wi­g/­Ren­ger, in: Mey­er-Lade­wi­g/­Net­tes­heim/­von Rau­mer, EMRK, 4. Aufl.2017, Art. 13 Rn. 13 []