Die Aus­kunfts­pflicht der Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg GmbH

Öffent­li­che Unter­neh­men kön­nen sich nicht für eine Aus­kunfts­ver­wei­ge­rung dar­auf beru­fen, dass Vor­schrif­ten über die Geheim­hal­tung nach § 5 Abs. 2 Nr. 2 des Bran­den­bur­gi­schen Pres­se­ge­set­zes dem ent­ge­gen­ste­hen. Eine Aus­kunft kann ver­wei­gert wer­den, wenn ein über­wie­gen­des öffent­li­ches oder schutz­wür­di­ges pri­va­tes Inter­es­se ver­letzt wird. Grund­sätz­lich bezie­hen sich pres­se­recht­li­che Aus­kunfts­an­sprü­che nur auf die Beant­wor­tung kon­kre­ter Fra­gen, nicht aber auf die Nut­zung von Behör­den­ak­ten durch Ein­sicht­nah­me in Foto­ko­pi­en.

Die Aus­kunfts­pflicht der Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg GmbH

So das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall des Aus­kunfts­be­geh­rens eines Jour­na­lis­ten gegen die Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg GmbH. Der Jour­na­list einer Zei­tung hat sich dafür inter­es­siert, wann die Mit­glie­der des Auf­sichts­rats der Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg GmbH über Ver­zö­ge­run­gen bei dem Bau des Flug­ha­fens Ber­lin Bran­den­burg infor­miert wor­den sind, in wel­cher Form dies geschah, wel­che Ver­zö­ge­run­gen den Mit­glie­dern des Auf­sichts­rats mit­ge­teilt wur­den und wel­che Begrün­dung für die Ver­zö­ge­rung jeweils gege­ben wur­de. Er stütz­te sein Begeh­ren auf den all­ge­mei­nen pres­se­recht­li­chen Aus­kunfts­an­spruch des § 5 Abs. 1 des Bran­den­bur­gi­schen Pres­se­ge­set­zes. Die Flug­ha­fen­ge­sell­schaft ist der Mei­nung, sie habe ein Aus­kunfts­ver­wei­ge­rungs­recht, weil Vor­schrif­ten über die Geheim­hal­tung dem ent­ge­gen­stün­den (§ 5 Abs. 2 Nr. 2 des Bran­den­bur­gi­schen Pres­se­ge­set­zes). Gegen eine ent­spre­chen­de einst­wei­li­ge Anord­nung des Ver­wal­tungs­ge­richts Cott­bus, Aus­kunft zu ertei­len, hat die Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg GmbH Beschwer­de ein­ge­reicht.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg kön­nen sich öffent­li­che Unter­neh­men nicht auf Geheim­hal­tungs­vor­schrif­ten für eine Aus­kunft­ver­wei­ge­rung beru­fen. Ihren Inter­es­sen auf Wah­rung ihrer Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se wer­de durch die Rege­lung in § 5 Abs. 2 Nr. 3 des Bran­den­bur­gi­schen Pres­se­ge­set­zes Rech­nung getra­gen, wonach eine Aus­kunft ver­wei­gert wer­den kann, wenn ein über­wie­gen­des öffent­li­ches oder schutz­wür­di­ges pri­va­tes Inter­es­se ver­letzt wür­de. Die danach erfor­der­li­che Abwä­gung des Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­ses der Öffent­lich­keit mit dem Inter­es­se der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft an der Geheim­hal­tung ihrer Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se gehe zu Las­ten der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft aus. Die begehr­ten Aus­künf­te bezö­gen sich auf ein­zel­ne spe­zi­el­le Fra­gen, an deren Bekannt­wer­den die Öffent­lich­keit schon des­halb ein gestei­ger­tes Inter­es­se habe, weil die erheb­li­chen Mehr­kos­ten infol­ge der ver­zö­ger­ten Eröff­nung des Flug­ha­fens letzt­lich in beträcht­li­chem Umfang von der All­ge­mein­heit über das Steu­er­auf­kom­men zu tra­gen sei­en. Unmit­tel­bar damit ver­knüpft sei das Inter­es­se dar­an, die Ursa­chen und die (poli­tisch) Ver­ant­wort­li­chen hier­für zu ermit­teln. Die gesell­schafts­recht­li­chen Inter­es­sen der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft an der Geheim­hal­tung die­ser Vor­gän­ge müss­ten dem­ge­gen­über zurück­tre­ten, zumal es sich um ein von der öffent­li­chen Hand getra­ge­nes Unter­neh­men han­de­le.

Auch dem Ein­wand der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft, eine Bericht­erstat­tung durch die Pres­se sei nicht erfor­der­lich, weil die Vor­gän­ge durch den vom Abge­ord­ne­ten­haus des Lan­des Ber­lin ein­ge­rich­te­ten Unter­su­chungs­aus­schuss auf­ge­ar­bei­tet wür­den, ist das Gericht nicht gefolgt. Die­se Argu­men­ta­ti­on tra­ge der Bedeu­tung der Pres­se im demo­kra­ti­schen Rechts­staat nicht hin­rei­chend Rech­nung. Die Auf­klä­rungs­ar­beit, die der Unter­su­chungs­aus­schuss leis­te, sei mit einer eigen­stän­di­gen Recher­che und Bericht­erstat­tung durch die Pres­se nicht iden­tisch. Dem Inter­es­se der Öffent­lich­keit an Infor­ma­tio­nen sei viel­mehr gera­de des­halb ein noch höhe­res Gewicht bei­zu­mes­sen, weil sich ein par­la­men­ta­ri­scher Unter­su­chungs­aus­schuss mit die­sen Fra­gen befas­se. Hin­zu kom­me, dass ein Bedürf­nis bestehe, die Tätig­keit des Unter­su­chungs­aus­schus­ses durch eine unab­hän­gi­ge Pres­se­be­richt­erstat­tung zu beglei­ten.

Es bestehe auch das für die­se Anord­nung im Eil­ver­fah­ren erfor­der­li­che beson­de­re Eil­be­dürf­nis, denn ein Abwar­ten auf eine Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che sei unzu­mut­bar, da der Bericht­erstat­tung wegen der Aktua­li­tät des The­mas ein beson­de­rer Nach­rich­ten­wert zukom­me.

Erfolg­los blieb dem­ge­gen­über das wei­ter­ge­hen­de Begeh­ren des Antrag­stel­lers, ihm Ein­sicht in Form der Über­las­sung von Kopi­en aller Unter­la­gen zu gewäh­ren, die die Mit­glie­der des Auf­sichts­ra­tes der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft seit 2011 zum Aus­bau und der geplan­ten Inbe­trieb­nah­me des Flug­ha­fens Ber­lin Bran­den­burg erhal­ten hät­ten, ins­be­son­de­re, wenn die­se man­geln­de Bau­fort­schrit­te auf­zeig­ten oder Hin­wei­se auf Ver­zö­ge­run­gen der zunächst geplan­ten Inbe­trieb­nah­me des Flug­ha­fens zum Inhalt hät­ten. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat hier­zu ent­schie­den, dass pres­se­recht­li­che Aus­kunfts­an­sprü­che sich grund­sätz­lich nur auf die Beant­wor­tung kon­kre­ter Fra­gen bezie­hen, nicht aber auf die Nut­zung von Behör­den­ak­ten durch Ein­sicht­nah­me in Foto­ko­pi­en.

Auch dem Ein­wand der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft, eine Bericht­erstat­tung durch die Pres­se sei nicht erfor­der­lich, weil die Vor­gän­ge durch den vom Abge­ord­ne­ten­haus des Lan­des Ber­lin ein­ge­rich­te­ten Unter­su­chungs­aus­schuss auf­ge­ar­bei­tet wür­den, ist das Gericht nicht gefolgt. Die­se Argu­men­ta­ti­on tra­ge der Bedeu­tung der Pres­se im demo­kra­ti­schen Rechts­staat nicht hin­rei­chend Rech­nung. Die Auf­klä­rungs­ar­beit, die der Unter­su­chungs­aus­schuss leis­te, sei mit einer eigen­stän­di­gen Recher­che und Bericht­erstat­tung durch die Pres­se nicht iden­tisch. Dem Inter­es­se der Öffent­lich­keit an Infor­ma­tio­nen sei viel­mehr gera­de des­halb ein noch höhe­res Gewicht bei­zu­mes­sen, weil sich ein par­la­men­ta­ri­scher Unter­su­chungs­aus­schuss mit die­sen Fra­gen befas­se. Hin­zu kom­me, dass ein Bedürf­nis bestehe, die Tätig­keit des Unter­su­chungs­aus­schus­ses durch eine unab­hän­gi­ge Pres­se­be­richt­erstat­tung zu beglei­ten.

Es bestehe auch das für die­se Anord­nung im Eil­ver­fah­ren erfor­der­li­che beson­de­re Eil­be­dürf­nis, denn ein Abwar­ten auf eine Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che sei unzu­mut­bar, da der Bericht­erstat­tung wegen der Aktua­li­tät des The­mas ein beson­de­rer Nach­rich­ten­wert zukom­me.

Erfolg­los blieb dem­ge­gen­über das wei­ter­ge­hen­de Begeh­ren des Antrag­stel­lers, ihm Ein­sicht in Form der Über­las­sung von Kopi­en aller Unter­la­gen zu gewäh­ren, die die Mit­glie­der des Auf­sichts­ra­tes der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft seit 2011 zum Aus­bau und der geplan­ten Inbe­trieb­nah­me des Flug­ha­fens Ber­lin Bran­den­burg erhal­ten hät­ten, ins­be­son­de­re, wenn die­se man­geln­de Bau­fort­schrit­te auf­zeig­ten oder Hin­wei­se auf Ver­zö­ge­run­gen der zunächst geplan­ten Inbe­trieb­nah­me des Flug­ha­fens zum Inhalt hät­ten. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat hier­zu ent­schie­den, dass pres­se­recht­li­che Aus­kunfts­an­sprü­che sich grund­sätz­lich nur auf die Beant­wor­tung kon­kre­ter Fra­gen bezie­hen, nicht aber auf die Nut­zung von Behör­den­ak­ten durch Ein­sicht­nah­me in Foto­ko­pi­en.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 7. März 2014 – OVG 6 S 48.13