Die Aus­kunfts­pflicht des WDR

Nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz NRW und dem WDR-Gesetz hat der West­deut­sche Rund­funk zumin­dest inso­weit Zugang zu Infor­ma­tio­nen zu gewäh­ren, wie die­se Aus­künf­te kei­ne Rück­schlüs­se auf das Redak­ti­ons­ge­heim­nis und den Pro­gramm­auf­trag zulas­sen.

Die Aus­kunfts­pflicht des WDR

In dem jetzt vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len ent­schie­de­nen Rechts­streit hat­te ein Pres­se­jour­na­list den WDR um Aus­kunft gebe­ten über Auf­trä­ge, die der WDR ver­ge­ben hat­te. Der WDR lehn­te eine Aus­kunfts­pflicht gegen­über dem Klä­ger als einem Ver­tre­ter der kon­kur­rie­ren­den Pres­se aus Sor­ge vor Wett­be­werbs­nach­tei­len und zur Wah­rung sei­ner Rund­funk­frei­heit grund­sätz­lich ab.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist der WDR zwar nach dem nord­rhein-west­fä­li­schen Pres­se­ge­setz gegen­über der Pres­se nicht aus­kunfts­pflich­tig. Gleich­wohl hat er nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz NRW und dem WDR-Gesetz Zugang zu Infor­ma­tio­nen zu gewäh­ren, die kei­ne Rück­schlüs­se auf das Redak­ti­ons­ge­heim­nis und den Pro­gramm­auf­trag zulas­sen. Durch die­se gesetz­li­che Vor­ga­be bleibt die Rund­funk­frei­heit des WDR gewahrt, obwohl ihm im Ver­gleich zu pri­va­ten Anbie­tern eine grö­ße­re Trans­pa­renz abver­langt wird.

Der durch das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz NRW und das WDR-Gesetz eröff­ne­te Infor­ma­ti­ons­zu­gang tan­giert nicht die grund­recht­lich geschütz­te Frei­heit der Bericht­erstat­tung. Er hin­dert den öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk nicht dar­an, sei­nen klas­si­schen Funk­ti­ons­auf­trag zu erfül­len und im publi­zis­ti­schen Wett­be­werb mit den pri­va­ten Ver­an­stal­tern zu bestehen.

Da der genaue Umfang der dem Klä­ger zuste­hen­den Infor­ma­tio­nen und etwa ent­ge­gen ste­hen­de Belan­ge bis­her nicht geprüft wor­den sind, muss der WDR über das Aus­kunfts­er­su­chen unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts neu ent­schei­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 9. Febru­ar 2012 – 5 A 166/​10