Die Aus­län­der­be­hör­de – und die Prü­fung asyl­rechts­re­le­van­ter Umstän­de

Ein Aus­län­der kann durch die for­ma­le Gestal­tung eines Gesuchs oder die Beschrän­kung der zu prü­fen­den Anspruchs­grund­la­gen nicht die Prü­fung asyl­rechts­er­heb­li­cher Umstän­de durch die Aus­län­der­be­hör­de erzwin­gen. Trägt ein Aus­län­der asyl­rechts­er­heb­li­che Umstän­de vor, ist allein das BAMF zu deren Prü­fung beru­fen.

Die Aus­län­der­be­hör­de – und die Prü­fung asyl­rechts­re­le­van­ter Umstän­de

Für die Prü­fung von Abschie­bungs­ver­bo­ten ist grund­sätz­lich die Aus­län­der­be­hör­de sach­lich zustän­dig (§ 71 Abs. 1 S. 1 Auf­en­thG). Erst die Stel­lung eines Asyl­an­tra­ges im enge­ren Sinn (§ 14 AsylVfG) führt nach § 24 Abs. 2 AsylVfG dazu, dass die Zustän­dig­keit für die Fest­stel­lung von Abschie­bungs­ver­bo­ten im Sinn des § 60 Abs. 5 und 7 Auf­en­thG auf das BAMF über­geht. Die blo­ße Stel­lung eines Asyl­ge­suchs (§ 13 AsylVfG) schließt es nicht grund­sätz­lich aus, dass die Aus­län­der­be­hör­de über das Vor­lie­gen von Abschie­bungs­hin­der­nis­sen ent­schei­det 1.

Liegt jedoch ein Asyl­ge­such im Sinn des § 13 AsylVfG vor, ist die Prü­fungs­be­fug­nis der Aus­län­der­be­hör­de beschränkt. Umstän­de, die dem Ent­schei­dungs­mo­no­pol des BAMF ange­hö­ren, darf die Aus­län­der­be­hör­de nicht berück­sich­ti­gen. Dies betrifft alle Umstän­de, die der Sache nach auf Schutz vor poli­ti­scher Ver­fol­gung oder inter­na­tio­na­len Schutz (vgl. § 1 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 AsylVfG) gerich­tet sind. Ziel­staats­be­zo­ge­ne Umstän­de kann der Aus­län­der daher nur im Asyl­ver­fah­ren vor dem BAMF gel­tend machen 2. Die Prü­fungs­kom­pe­tenz der Aus­län­der­be­hör­de ist damit auf sog. inlands­be­zo­gen Abschie­bungs­hin­der­nis­se beschränkt. Dem Aus­län­der steht kein Wahl­recht zu, ob die ziel­staats­be­zo­ge­nen Umstän­de in einem asyl­recht­li­chen oder in einem aus­län­der­recht­li­chen Ver­wal­tungs­ver­fah­ren geprüft wer­den 2. Dass der Aus­län­der expli­zit kei­ne Prü­fung nach den Anspruchs­grund­la­gen des AsylVfG durch das BAMF will, führt nicht dazu, dass kein Asyl­ge­such mehr vor­liegt. Maß­geb­lich ist allein, ob das Vor­bin­gen mate­ri­ell als Asyl­be­geh­ren iSd § 13 AsylVfG zu qua­li­fi­zie­ren ist 3.

Der Antrag­stel­ler macht im hier ent­schie­de­nen Fall als Dul­dungs­grün­de allein die Bür­ger­kriegs­la­ge in Syri­en gel­tend, und damit ist sein Begeh­ren mate­ri­ell auf Gewäh­rung sub­si­diä­ren Schut­zes (vgl. § 4 Abs. 1 S. 2 Nr. 3 AsylVfG) gerich­tet. Dies gehört nicht nur zur Prü­fungs­be­fug­nis des Antrags­geg­ners als Aus­län­der­be­hör­de.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 8. Okto­ber 2014 – 1 B 68/​14

  1. vgl. BVerwG, NVwZ-RR 1998, 264; NVwZ 2006, 830 [831][]
  2. vgl. BVerwG, NVwZ 2006, 830 [831][][]
  3. BVerwG, NVwZ 2006, 830 [831][]
  4. BGH, Beschluss vom 12.12 2013 – V ZB 214/​12[]