Die Bau­ge­neh­mi­gung für ein Zwi­schen­la­ger für radio­ak­ti­ve Abfäl­le

Bei einem Zwi­schen­la­ger für radio­ak­ti­ve Abfäl­le han­delt es sich nicht um ein Lager, das im Sin­ne der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung (BauN­VO) in einem Gewer­be­ge­biet zuläs­sig ist.

Die Bau­ge­neh­mi­gung für ein Zwi­schen­la­ger für radio­ak­ti­ve Abfäl­le

Mit die­ser Begrün­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge auf Ertei­lung einer Bau­ge­neh­mi­gung abge­wie­sen und gleich­zei­tig das vor­he­ri­ge Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Frank­furt am Main [1] abge­än­dert. Die Betei­lig­ten strei­ten seit vie­len Jah­ren um die Ertei­lung einer Bau­ge­neh­mi­gung für das Vor­ha­ben in Hanau „Gebäu­de 15 – Umbau und Umnut­zung in ein Zwi­schen­la­ger für radio­ak­ti­ve Abfäl­le bis zur Abga­be in ein End­la­ger“. Gegen das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Frank­furt a.M. hat die Stadt Hanau sich mit der Beru­fung gewehrt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof aus­ge­führt, dass er zwar dem Ver­wal­tungs­ge­richt dar­in fol­ge, dass der Ertei­lung der von der Klä­ge­rin begehr­ten Bau­ge­neh­mi­gung weder ein man­geln­des Rechts­schutz­be­dürf­nis klä­ger­seits noch die von der Beklag­ten erlas­se­ne Ver­än­de­rungs­sper­re ent­ge­gen­ste­hen – jedoch dem Vor­ha­ben der Klä­ge­rin im Bau­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren zu prü­fen­de bau­pla­nungs­recht­li­che Rege­lun­gen ent­ge­gen­ste­hen.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs han­delt es sich bei dem von der Klä­ge­rin bean­trag­ten Zwi­schen­la­ger für radio­ak­ti­ve Abfäl­le bereits nicht um ein Lager, das im Sin­ne der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung (BauN­VO) in einem Gewer­be­ge­biet zuläs­sig wäre, da hier Abfall­stof­fe zwi­schen­ge­la­gert wer­den sol­len. Ein Lager in einem Gewer­be­ge­biet erfor­dert, dass die dort auf­be­wahr­ten Güter noch Teil des Wirt­schafts­kreis­laufs sind.

Nach der BauN­VO die­nen Gewer­be­ge­bie­te vor­wie­gend der Unter­brin­gung von nicht erheb­lich beläs­ti­gen­den Gewer­be­be­trie­ben. Bei der Ein­stu­fung eines Betrie­bes als „nicht erheb­lich beläs­ti­gen­der Gewer­be­be­trieb“ ist nicht nur auf die direkt wahr­nehm­ba­ren Aus­wir­kun­gen wie Geräu­sche, Gerü­che und von die­sem Betrieb ver­ur­sach­ter Ver­kehrs­be­we­gun­gen abzu­stel­len, son­dern auch auf Beein­träch­ti­gun­gen und Siche­rungs­maß­nah­men, die nur im Fal­le eines Unfalls von Belang sind.

Dar­über hin­aus ist ein Zwi­schen­la­ger für radio­ak­ti­ve Abfäl­le in einem Gewer­be­ge­biet gebiets­un­ver­träg­lich, da es dem Gebiets­cha­rak­ter eines Gewer­be­ge­bie­tes mit den dort typi­scher­wei­se ange­sie­del­ten Betrie­ben zuwi­der­läuft. Dies ergibt sich auch aus der Wer­tung des Gesetz­ge­bers, der der­ar­ti­ge Anla­gen gem. § 35 Abs. 1 Nr. 7 Bau­GB dem Außen­be­reich zuge­wie­sen hat und damit den beson­de­ren Siche­rungs­aspek­ten der­ar­ti­ger Anla­gen Rech­nung getra­gen hat.

Die Revi­si­on wur­de zuge­las­sen, da nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs die Klä­rung des Begriffs eines Lagers i.S.v. § 8 Abs. 2 Nr. 1 BauN­VO auch in Abgren­zung zu Abfall­ent­sor­gungs­an­la­gen grund­sätz­lich klä­rungs­be­dürf­tig sei­en.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Febru­ar 2020 – 3 A 505/​18

  1. VG Frank­furt a.M., Urteil vom 30.01.2018 – 8 K 767/​14.F[]