Die Beant­wor­tung einer Klei­nen Anfra­ge

Ein Abge­ord­ne­ter der Bür­ger­schaft der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg darf nach dem Inhalt eines anony­men Schrei­bens auch dann fra­gen, wenn er den Inhalt nicht kennt und die Anfra­ge nicht auf vor­her von ihm benann­te öffent­li­che The­men­be­rei­che beschränkt ist, da der sach­ge­rech­te Umgang mit den anony­men Schrei­ben nur in Abhän­gig­keit von deren Inhalt erfasst und bewer­tet wer­den kann.

Die Beant­wor­tung einer Klei­nen Anfra­ge

So die Ent­schei­dung des Ham­bur­gi­schen Ver­fas­sungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall, in dem der Senat der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg die schrift­li­che klei­ne Anfra­ge eines Abge­ord­ne­ten der Bür­ger­schaft zum Umgang mit anony­men Schrei­ben nicht aus­rei­chend beant­wor­tet hat. In der umstrit­te­nen schrift­li­chen klei­nen Anfra­ge frag­te der Abge­ord­ne­te u.a. nach dem Inhalt und dem Umgang des Senats mit 86 an die Ver­wal­tung gerich­te­ten anony­men Schrei­ben. Die Beant­wor­tung die­ser Fra­gen lehn­te der Senat ab, weil die wahl­lo­se Abfra­ge des Inhalts und der Behand­lung jeg­li­cher beim Senat in einem bestimm­ten Zeit­raum ein­ge­gan­ge­ner anony­mer Schrei­ben der unspe­zi­fi­schen Gewin­nung von Infor­ma­tio­nen die­ne. Dies über­schrei­te das ver­fas­sungs­recht­lich ein­ge­räum­te Fra­ge­recht der Abge­ord­ne­ten. Es lie­ge nicht – wie erfor­der­lich – eine öffent­li­che Ange­le­gen­heit vor, auf die sich die Fra­ge bezie­he.

Durch Art. 25 Absatz 1 und 3 Ver­fas­sung der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg sind die Abge­ord­ne­ten berech­tigt, in öffent­li­chen Ange­le­gen­hei­ten schrift­li­che klei­ne Anfra­gen an den Senat zu rich­ten. Der Senat ist ver­pflich­tet, die­se bin­nen acht Tagen schrift­lich zu beant­wor­ten.

Nach Auf­fas­sung des Ham­bur­gi­schen Ver­fas­sungs­ge­richt sei die vom Senat zur Ver­wei­ge­rung der Ant­wort gege­be­ne Begrün­dung – auf deren Prü­fung es beschränkt ist – ver­fas­sungs­recht­lich nicht trag­fä­hig. Der Umgang des Senats mit anony­men Schrei­ben stel­le Ver­wal­tungs­tä­tig­keit und damit ein öffent­li­che Ange­le­gen­heit dar. Da der sach­ge­rech­te Umgang mit den anony­men Schrei­ben nur in Abhän­gig­keit von deren Inhalt erfasst und bewer­tet wer­den kön­ne, dür­fe der Abge­ord­ne­te nach dem Inhalt der Schrei­ben auch dann fra­gen, wenn er deren Inhalt nicht ken­ne und die Anfra­ge nicht auf vor­her von ihm benann­te öffent­li­che The­men­be­rei­che beschränkt sei. Der Senat der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg hat daher die schrift­li­che klei­ne Anfra­ge des Abge­ord­ne­ten nicht aus­rei­chend beant­wor­tet.

Ham­bur­gi­sches Ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 28. Novem­ber 2013 – HVerfG 6/​12