Die Bedie­nung der Gäs­te am Tisch

Sind nach den Fest­set­zun­gen eines Bebau­ungs­plans nur Schank- und Spei­se­wirt­schaf­ten aus dem Bereich der "Full-Ser­vice-Gas­tro­no­mie" zuge­las­sen, ist damit eine Gas­tro­no­mie gemeint, bei der die Bedie­nung die Bestel­lung des Gas­tes am Tisch auf­nimmt und die bestell­ten Spei­sen und Geträn­ke an den Tisch bringt. Mit einem Sitz­be­reich für den sofor­ti­gen Ver­zehr der in einer Bäcke­rei in Selbst­be­die­nung erwor­be­nen bäcke­rei­ty­pi­schen Arti­kel sind die­se Kri­te­ri­en nicht erfüllt.

Die Bedie­nung der Gäs­te am Tisch

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge zur Ertei­lung einer Bau­ge­neh­mi­gung für einen Sitz­be­reich in einer Bäcke­rei­fi­lia­le abge­wie­sen. Der Land­kreis Bern­kas­tel-Kues hat­te für einen ca. 25 qm gro­ßen Sitz­be­reich mit 26 Sitz­plät­zen in einer Bäcke­rei­fi­lia­le in der Alt­stadt von Bern­kas­tel kei­ne Bau­ge­neh­mi­gung erteilt. Dage­gen hat sich die Bäcke­rei mit ihrer Kla­ge gewehrt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richs Trier ver­sto­ße das Vor­ha­ben gegen die Fest­set­zun­gen des Bebau­ungs­plans "Alt­stadt Bern­kas­tel", wonach im frag­li­chen Bereich nur Schank- und Spei­se­wirt­schaf­ten aus dem Bereich der "Full-Ser­vice-Gas­tro­no­mie" zuge­las­sen sei­en. Kenn­zeich­nend für eine der­ar­ti­ge Gas­tro­no­mie sei, dass eine Bedie­nungs­per­son die Bestel­lung des Gas­tes am Tisch auf­neh­me und die bestell­ten Spei­sen und Geträn­ke an den Tisch brin­ge.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfül­le das Vor­ha­ben nach der maß­geb­li­chen Beschrei­bung im Bau­an­trags­ver­fah­ren nicht, wonach der Sitz­be­reich für den sofor­ti­gen Ver­zehr der in der Bäcke­rei in Selbst­be­die­nung erwor­be­nen bäcke­rei­ty­pi­schen Arti­kel vor­ge­se­hen sei. Da das Merk­mal "Bedie­nung der Gäs­te am Tisch" auch das her­aus­ge­ho­be­ne Merk­mal zur Abgren­zung die­ses Gas­tro­no­mie­typs von ande­ren Gas­tro­no­mie­ty­pen – wie Quick­ser­vice oder Fast-Food – sei, sei auch uner­heb­lich, dass das Vor­ha­ben mit Aus­nah­me die­ses Kri­te­ri­ums alle übri­gen im Bebau­ungs­plan genann­ten Kri­te­ri­en der Gas­tro­no­mie, wie Toi­let­ten­an­la­ge, Stell­platz­nach­weis, Gar­de­ro­be, erfül­le.

Die Fest­set­zun­gen des Bebau­ungs­plans sei­en auch recht­mä­ßig. Zwar eröff­ne­ten die ein­schlä­gi­gen bau­recht­li­chen Vor­schrif­ten kei­ne Befug­nis der Gemein­den, voll­stän­dig neue Nut­zungs­ar­ten zu erfin­den und im Bebau­ungs­plan ver­bind­lich fest­zu­schrei­ben, um damit etwa kon­kre­te Pro­jek­te durch pla­ne­ri­sche Fest­set­zun­gen zu ermög­li­chen bzw. aus­zu­schlie­ßen. Dif­fe­ren­zie­run­gen inner­halb eines von den ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten vor­ge­se­he­nen Anla­ge­typs – wie vor­lie­gend der Schank- und Spei­se­wirt­schaf­ten – dürf­ten aber erfol­gen, soweit sie markt­üb­li­chen Gege­ben­hei­ten ent­sprä­chen. Dies sei bei der Fest­set­zung des Anla­ge­typs "Full-Ser­vice-Gas­tro­no­mie" der Fall. Bei ihm han­de­le es sich nicht um einen erst vom Pla­nungs­ge­ber erschaf­fe­nen, son­dern um einen all­ge­mein gül­ti­gen Anla­ge­typ.

Schließ­lich kom­me auch eine Befrei­ung von den Fest­set­zun­gen des Bebau­ungs­pla­nes nicht in Betracht. Eine Zulas­sung des Vor­ha­bens wür­de die Grund­zü­ge der Pla­nung berüh­ren, nach der im frag­li­chen Gebiet gera­de kei­ne Gas­tro­no­mie ohne Tisch­be­die­nung zuge­las­sen wer­den sol­le, um so die uner­wünsch­te Ansied­lung von "Schnell-Gas­tro­no­mie" in der mit­tel­al­ter­li­chen Stadt­an­la­ge zu ver­mei­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 22. Janu­ar 2014 – 5 K 837/​13.TR