Die belei­di­gen­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Ein nach § 34 Abs. 2 BVerfGG die Auf­er­le­gung einer Miss­brauchs­ge­bühr recht­fer­ti­gen­der Miss­brauch liegt unter ande­rem dann vor, wenn die Ver­fas­sungs­be­schwer­de in ihrer äuße­ren Form belei­di­gen­den oder ver­let­zen­den Cha­rak­ter auf­weist und jeg­li­che Sach­lich­keit ver­mis­sen lässt.

Die belei­di­gen­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de

So hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im hier ent­schie­de­nen Fall die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men und der Beschwer­de­füh­re­rin eine Miss­brauchs­ge­bühr in Höhe von 1.000 € auf­er­legt:

Eine den Anfor­de­run­gen von § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG genü­gen­de Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de setzt vor­aus, dass der die vor­geb­li­che Rechts­ver­let­zung beinhal­ten­de Vor­gang sub­stan­ti­iert und schlüs­sig vor­ge­tra­gen wird 1. Zur Begrün­dung gehört in for­ma­ler Hin­sicht, dass die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen sowie die zugrun­de­lie­gen­den Rechts­schutz­an­trä­ge und ande­re Doku­men­te, ohne deren Kennt­nis sich nicht beur­tei­len lässt, ob Grund­rech­te oder grund­rechts­glei­che Rech­te des Beschwer­de­füh­rers ver­letzt wur­den, vor­zu­le­gen oder wenigs­tens durch umfas­sen­de und detail­lier­te inhalt­li­che Wie­der­ga­be zur Kennt­nis zu brin­gen sind 2.

Ein Miss­brauch liegt unter ande­rem dann vor, wenn die Ver­fas­sungs­be­schwer­de in ihrer äuße­ren Form belei­di­gen­den oder ver­let­zen­den Cha­rak­ter auf­weist und jeg­li­che Sach­lich­keit ver­mis­sen lässt 3.

Dies ist vor­lie­gend der Fall. Die Beschwer­de­füh­re­rin äußert sich in her­ab­set­zen­der Wei­se über die in den Aus­gangs­ver­fah­ren täti­gen Gerich­te und Rich­ter sowie Gerich­te in ander­wei­ti­gen Ver­fah­ren und die Jus­tiz im All­ge­mei­nen. Ihre Aus­füh­run­gen sind von abwe­gi­gen Vor­wür­fen und ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Anwand­lun­gen durch­zo­gen. Als Rechts­an­wäl­tin müss­te der Beschwer­de­füh­re­rin indes bekannt sein, dass die Recht­spre­chung auf das Ver­ständ­nis und die Aner­ken­nung durch den Bür­ger ange­wie­sen ist. Gleich­wohl lässt sie es in ihrer Ver­fas­sungs­be­schwer­de­schrift an der not­wen­di­gen Sach­lich­keit und Distanz feh­len. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss es nicht hin­neh­men, bei der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben in die­ser Wei­se durch eine sinn­ent­leer­te Inan­spruch­nah­me sei­ner Arbeits­ka­pa­zi­tät behin­dert zu wer­den.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2019 – 1 BvR 2244/​19

  1. vgl. BVerfGE 81, 208, 214; 89, 155, 171; 99, 84, 87; 108, 370, 386 f.; 113, 29, 44[]
  2. vgl. BVerfGE 88, 40, 45; 93, 266, 288; 112, 304, 314 f.; 129, 269, 278; BVerfGK 20, 249, 254; BVerfG, Beschluss vom 08.12 2017 – 2 BvR 2019/​17, Rn. 10[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 02.01.2017 – 1 BvR 2324/​16, Rn. 3; Beschluss vom 20.02.2015 – 1 BvR 3349/​14 u.a., Rn. 3 f.; Beschluss vom 23.06.1998 – 2 BvR 1916/​97, Rn. 3[]