Die durch Beschluss ent­schie­de­ne Beru­fung – und die Fra­ge der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung

Nach § 130a Satz 1 VwGO kann das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt über die Beru­fung durch Beschluss ent­schei­den, wenn es sie ein­stim­mig für (un-)begründet erach­tet und eine münd­li­che Ver­hand­lung nicht für erfor­der­lich hält.

Die durch Beschluss ent­schie­de­ne Beru­fung – und die Fra­ge der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung

Die Gren­zen des dem Beru­fungs­ge­richts inso­weit ein­ge­räum­ten Ermes­sens sind weit gezo­gen. Ein Abse­hen von einer münd­li­chen Ver­hand­lung ist nur zu bean­stan­den, wenn es auf sach­frem­den Erwä­gun­gen oder einer gro­ben Fehl­ein­schät­zung des Beru­fungs­ge­richts beruht1.

Bei der Ermes­sens­ent­schei­dung gemäß § 130a Satz 1 VwGO dür­fen die Funk­tio­nen der münd­li­chen Ver­hand­lung und ihre dar­aus erwach­sen­de Bedeu­tung für den Rechts­schutz nicht aus dem Blick gera­ten. Das Gebot, im Rah­men einer münd­li­chen Ver­hand­lung die Rechts­sa­che auch im Inter­es­se der Ergeb­nis­rich­tig­keit mit den Betei­lig­ten zu erör­tern, wird umso stär­ker, je schwie­ri­ger die vom Gericht zu tref­fen­de Ent­schei­dung ist. Mit dem Grad der Schwie­rig­keit der Rechts­sa­che wächst daher zugleich auch das Gewicht der Grün­de, die gegen die Anwen­dung des § 130a VwGO und für die Durch­füh­rung einer münd­li­chen Ver­hand­lung spre­chen2.

Die Gren­zen des von § 130a Satz 1 VwGO eröff­ne­ten Ermes­sens wer­den über­schrit­ten, wenn im ver­ein­fach­ten Beru­fungs­ver­fah­ren ohne münd­li­che Ver­hand­lung ent­schie­den wird, obwohl die Sache in tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Hin­sicht außer­ge­wöhn­lich gro­ße, das Maß des § 124 Abs. 2 Nr. 2 VwGO über­stei­gen­de Schwie­rig­kei­ten auf­weist3; abzu­stel­len ist inso­weit auf die Gesamt­um­stän­de des Ein­zel­fal­les. Bei Zugrun­de­le­gung die­ses Maß­stabs ist im vor­lie­gen­den Fall die Wahl des Beru­fungs­ge­richts für eine Ent­schei­dung durch Beschluss nicht zu bean­stan­den. Denn die von der Beschwer­de als Beleg für die Kom­ple­xi­tät des Ver­fah­rens ange­führ­te Rechts­fra­ge hat – wie oben bereits aus­ge­führt – kei­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung. Für eine sei­tens der Beschwer­de in die­sem Zusam­men­hang ange­spro­che­ne Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs des Klä­gers ist nichts ersicht­lich.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Okto­ber 2018 – 6 B 151.18

  1. BVerwG, Urtei­le vom 30.06.2004 – 6 C 28.03, BVerw­GE 121, 211, 213; und vom 09.12 2010 – 10 C 13.09, BVerw­GE 138, 289 Rn. 22 m.w.N. []
  2. BVerwG, Urtei­le vom 30.06.2004 – 6 C 28.03, BVerw­GE 121, 211, 214; und vom 21.03.2000 – 9 C 39.99, BVerw­GE 111, 69, 74 []
  3. BVerwG, Urtei­le vom 30.06.2004 – 6 C 28.03, BVerw­GE 121, 211, 213; und vom 09.12 2010 – 10 C 13.09, BVerw­GE 138, 289 Rn. 24 []