Die Besorg­nis der Befangenheit

Die Besorg­nis der Befan­gen­heit (hier: eines Rich­ters oder einer Rich­te­rin des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nach § 19 BVerfGG) setzt einen Grund vor­aus, der geeig­net ist, Zwei­fel an der Unpar­tei­lich­keit des Rich­ters oder der Rich­te­rin zu recht­fer­ti­gen1

Die Besorg­nis der Befangenheit

Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob der Rich­ter oder die Rich­te­rin tat­säch­lich par­tei­lich oder befan­gen ist oder sich selbst für befan­gen hält. Ent­schei­dend ist allein, ob bei ver­nünf­ti­ger Wür­di­gung aller Umstän­de Anlass besteht, an der Unvor­ein­ge­nom­men­heit des Rich­ters oder der Rich­te­rin zu zwei­feln2

Dies kann ins­be­son­de­re der Fall sein, wenn die Umstän­de Anlass zur Sor­ge geben, dass ein Rich­ter oder eine Rich­te­rin aus per­sön­li­chen oder ande­ren Grün­den auf eine bestimm­te Rechts­auf­fas­sung schon so fest­ge­legt ist, dass er oder sie sich gedank­lich nicht mehr lösen kann oder will und ent­spre­chend für Gegen­ar­gu­men­te nicht mehr offen ist. Zwar ist grund­sätz­lich davon aus­zu­ge­hen, dass Rich­te­rin­nen und Rich­ter des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts über jene inne­re Unab­hän­gig­keit und Distanz ver­fü­gen, die sie befä­hi­gen, in Unvor­ein­ge­nom­men­heit und Objek­ti­vi­tät zu ent­schei­den. Bei den Vor­schrif­ten über die Besorg­nis der Befan­gen­heit geht es aber auch dar­um, bereits den bösen Schein einer mög­li­cher­wei­se feh­len­den Unvor­ein­ge­nom­men­heit zu ver­mei­den3

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Juli 2021 – 2 BvE 4/​20

  1. vgl. BVerfGE 82, 30 <37> 98, 134 <137> 101, 46 <50 f.> 102, 122 <125> 108, 122 <126> 142, 9 <14 Rn. 14> 142, 18 <21 Rn. 11> 142, 302 <307 Rn. 18> 148, 1 <6 Rn. 17> 152, 332 <337 Rn. 15> 154, 312 <316 Rn. 13> BVerfG, Beschluss vom 12.01.2021 – 2 BvR 2006/​15, Rn. 21[]
  2. vgl. BVerfGE 20, 1 <5> 73, 330 <335> 82, 30 <37 f.> 108, 122 <126> 135, 248 <257 Rn. 23> 142, 9 <14 Rn. 14> 142, 18 <21 Rn. 11> 142, 302 <307 Rn. 18> 148, 1 <6 Rn. 17> 152, 332 <337 Rn. 15> 154, 312 <316 Rn. 13> BVerfG, Beschluss vom 12.01.2021 – 2 BvR 2006/​15, Rn. 21[]
  3. vgl. BVerfGE 108, 122 <129> 148, 1 <6 Rn. 17> 152, 332 <337 f. Rn. 15> BVerfG, Beschluss vom 12.01.2021 – 2 BvR 2006/​15, Rn. 21[]

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