Die Block­hüt­te an der Gar­ten­gren­ze

Rechts­grund­la­ge für eine Fest­set­zung in einem Be­bau­ungs­plan, wo­nach Ge­bäu­de als Ne­ben­an­la­gen i.S.v. § 14 BauN­VO auf den nicht über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­chen un­zu­läs­sig sind, ist § 23 Abs. 5 Satz 1 BauN­VO. § 23 Abs. 5 Satz 1 BauN­VO ist eine ab­schlie­ßen­de Re­ge­lung für die Zu­las­sung von Ne­ben­an­la­gen i.S.v. § 14 BauN­VO auf den nicht über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­chen.

Die Block­hüt­te an der Gar­ten­gren­ze

Nach § 23 Abs. 5 Satz 1 BauN­VO kön­nen auf den nicht über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­chen Neben­an­la­gen im Sin­ne des § 14 BauN­VO zuge­las­sen wer­den, wenn im Bebau­ungs­plan nichts ande­res bestimmt ist. Vor­lie­gend ist jedoch etwas ande­res bestimmt. Nach Nr.09.1 der text­li­chen Fest­set­zun­gen des Bebau­ungs­plans sind Gebäu­de als Neben­an­la­gen im Sin­ne des § 14 BauN­VO auf den nicht über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­chen unzu­läs­sig. Die Rege­lung steht dem Bau­vor­ha­ben des Klä­gers ent­ge­gen, weil sie wirk­sam ist.

§ 14 BauN­VO ist eine Vor­schrift, die allein die Art der bau­li­chen Nut­zung betrifft 1. Sie ist Bestand­teil des ers­ten Abschnitts der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung, der, auf § 9a Nr. 1 Buchst. a Bau­GB beru­hend, § 9 Abs. 1 Nr. 1 Alt. 1 Bau­GB umsetzt. § 23 BauN­VO gehört zum drit­ten Abschnitt der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung, der auf der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge des § 9a Nr. 1 Buchst. c Bau­GB Rege­lun­gen zur Bau­wei­se und über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­che ent­hält und an § 9 Abs. 1 Nr. 2 Bau­GB anknüpft. Dem­entspre­chend kommt es für die Bestim­mung der Rechts­grund­la­ge einer Fest­set­zung in einem Bebau­ungs­plan dar­auf an, wel­chem Régime des Bau­ge­setz­buchs und der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung die Fest­set­zung zuzu­ord­nen ist. Wer­den – wie vor­lie­gend – Neben­an­la­gen auf den nicht über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­chen aus­ge­schlos­sen, han­delt es sich um eine Rege­lung, die the­ma­tisch im drit­ten Abschnitt der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung ver­or­tet ist. § 14 Abs. 1 Satz 3 BauN­VO ist nicht ein­schlä­gig.

Rechts­grund­la­ge für den Plan­ge­ber, Neben­an­la­gen auf den nicht über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­chen aus­zu­schlie­ßen, ist § 23 Abs. 5 Satz 1 BauN­VO 2. Die Vor­schrift ist nicht nur Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für die Bau­ge­neh­mi­gungs­be­hör­de, Neben­an­la­gen außer­halb der über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­chen zuzu­las­sen, wenn im Bebau­ungs­plan nichts ande­res fest­ge­setzt ist, son­dern auch Rechts­grund­la­ge für die pla­nen­de Gemein­de, die Rege­lung des § 23 Abs. 1 Satz 1, Abs. 3 BauN­VO, wonach Gebäu­de eine fest­ge­setz­te Bau­gren­ze nicht über­schrei­ten dür­fen, auf Neben­an­la­gen aus­zu­deh­nen.

Nach § 23 Abs. 5 Satz 2 BauN­VO kön­nen bau­li­che Anla­gen auf den nicht über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­chen zuge­las­sen wer­den, soweit im Bebau­ungs­plan nichts ande­res fest­ge­setzt ist und sie nach Lan­des­recht in den Abstands­flä­chen zuläs­sig sind oder zuge­las­sen wer­den kön­nen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat hilfs­wei­se ange­nom­men, Nr. 9.1 der text­li­chen Fest­set­zun­gen des Bebau­ungs­plans las­se Raum für eine Anwen­dung des § 23 Abs. 5 Satz 2 BauN­VO. Auch das ist mit Bun­des­recht nicht ver­ein­bar.

Wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits ent­schie­den hat, trifft § 23 Abs. 5 BauN­VO für Neben­an­la­gen i.S.v. § 14 BauN­VO einer­seits (in Satz 1) und für bau­li­che Anla­gen, die nach Lan­des­recht in der Abstands­flä­che zuläs­sig sind oder zuge­las­sen wer­den kön­nen, ande­rer­seits (in Satz 2) jeweils eine eigen­stän­di­ge Rege­lung 3. In der Ent­schei­dung ist bereits der Rechts­ge­dan­ke ange­legt, dass § 23 Abs. 5 Satz 1 BauN­VO eine abschlie­ßen­de Rege­lung für die Zulas­sung von Neben­an­la­gen i.S.v. § 14 BauN­VO auf den nicht über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­chen ent­hält und sich mit dem Anwen­dungs­be­reich des § 23 Abs. 5 Satz 2 BauN­VO nicht über­schnei­det. Eine unter § 23 Abs. 5 Satz 1 BauN­VO fal­len­de Neben­an­la­ge wird folg­lich nicht (mehr) von § 23 Abs. 5 Satz 2 BauN­VO erfasst, nur weil sie (auch) nach Lan­des­recht in der Abstands­flä­che zuläs­sig ist oder zuge­las­sen wer­den kann. Unter § 23 Abs. 5 Satz 2 BauN­VO fal­len viel­mehr nur sol­che bau­li­chen Anla­gen, die nicht Neben­an­la­gen i.S.v. § 14 BauN­VO sind, wie z.B. Gara­gen oder Stell­plät­ze i.S.v. § 12 BauN­VO 4.

Wenn nach den text­li­chen Fest­set­zun­gen des Bebau­ungs­plans Gebäu­de als Neben­an­la­gen i.S.v. § 14 BauN­VO auf dem Grund­stück aus­ge­schlos­sen sind, kön­nen die­se nicht im Wege einer Ein­zel­fall­ent­schei­dung über § 23 Abs. 5 Satz 1 BauN­VO zuge­las­sen wer­den. Auf­grund des dar­ge­stell­ten abschlie­ßen­den Cha­rak­ters der vor­ge­nann­ten Vor­schrift bezüg­lich Neben­an­la­gen bleibt auch kein Raum für eine Anwen­dung des § 23 Abs. 5 Satz 2 BauN­VO. Das Vor­ha­ben ist bau­pla­nungs­recht­lich unzu­läs­sig.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. März 2013 – 4 C 15.11

  1. BVerwG, Urteil vom 28.04.2004 – 4 C 10.03 – BRS 67 Nr. 68[]
  2. BVerwG, Urtei­le vom 17.12.1976 – 4 C 6.75, Buch­holz 406.11 § 29 BBauG Nr.19; und vom 04.10.1985 – 4 C 26.81, Buch­holz 406.11 § 9 BBauG Nr. 27; eben­so Zieg­ler, in: Brü­gel­mann, Bau­GB, Stand Sep­tem­ber 2007, § 14 BauN­VO Rn. 100[]
  3. Beschluss vom 13.07.2010 – 4 B 27.10ZfBR 2010, 694 = BauR 2010, 2069 = juris Rn. 5[]
  4. vgl. z.B. VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 23.07.1991 – 8 S 1606/​91, BRS 52 Nr. 177[]