Die Büro­aus­stat­tung unter­liegt dem Daten­schutz – zumin­dest bei Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten

Der Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten von Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges kann nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts Pres­se­aus­künf­te zur Büro­aus­stat­tung aus­schlie­ßen.

Die Büro­aus­stat­tung unter­liegt dem Daten­schutz – zumin­dest bei Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten

Die Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges haben die Mög­lich­keit, im Rah­men ihrer Amts­aus­stat­tung nach dem Abge­ord­ne­ten­ge­setz für einen Betrag von der­zeit 12 000 € jähr­lich Gegen­stän­de für den Büro- und Geschäfts­be­darf anzu­schaf­fen (Sach­mit­tel­pau­scha­le). Zu die­sem Zweck hat die Ver­wal­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges für jeden Abge­ord­ne­ten ein Sach­leis­tungs­kon­to ein­ge­rich­tet.

In den bei­den hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fäl­len hat­te der Redak­teur einer Tages­zei­tung geklagt. Im Anschluss an Pres­se­be­rich­te über das Ein­kaufs­ver­hal­ten von Abge­ord­ne­ten for­der­te er von der beklag­ten Ver­wal­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges, ihm Zugang zu allen Unter­la­gen über den Erwerb von Mont­blanc-Schreib­ge­rä­ten und Digi­tal­ka­me­ras aus der Sach­mit­tel­pau­scha­le durch Abge­ord­ne­te im Jahr 2009 zu gewäh­ren sowie Ablich­tun­gen von die­sen Unter­la­gen aus­zu­hän­di­gen1. Dar­über hin­aus begehr­te er, ihm unter Nen­nung der Namen Aus­kunft über den Erwerb von iPods aus der Sach­mit­tel­pau­scha­le durch Abge­ord­ne­te im ers­ten Halb­jahr 2010 zu ertei­len2. Nach­dem die Bun­des­tags­ver­wal­tung die begehr­ten Aus­künf­te ver­wei­ger­te, erhob der Klä­ger in bei­den Fäl­len Kla­ge, die in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin3 und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg4 auch inso­weit erfolg­los blie­ben, als sie auf einen pres­se­recht­li­chen Aus­kunfts­an­spruch gestützt waren.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die Revi­sio­nen des Redak­teurs zurück­ge­wie­sen:

Die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten haben, befand das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Ver­trau­lich­keit von Infor­ma­tio­nen über die Inan­spruch­nah­me ihrer Sach­mit­tel­pau­scha­le, weil es sich um per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten han­delt, die von der Frei­heit des Man­dats geschützt sind. Die Schutz­wür­dig­keit die­ses Inter­es­ses an Ver­trau­lich­keit ist aller­dings gemin­dert, wenn – nament­lich auf der Grund­la­ge zunächst ohne Namens­nen­nung erteil­ter oder zusam­men­ge­fass­ter Anga­ben – kon­kre­te Anhalts­punk­te für eine miss­bräuch­li­che, ins­be­son­de­re nicht man­dats­be­zo­ge­ne Inan­spruch­nah­me der Sach­mit­tel­pau­scha­le durch Abge­ord­ne­te vor­lie­gen. In einem sol­chen Fall über­wiegt das grund­recht­lich geschütz­te Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Pres­se, auch unter Nen­nung der Namen über die Anschaf­fun­gen von Abge­ord­ne­ten Aus­kunft zu erhal­ten. Ein sol­cher Fall war hier nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts nicht gege­ben.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 16. März 2016 – 6 C 65.14 und 6 C 66.14

  1. BVerwG – 6 C 65.14 []
  2. BVerwG – 6 C 66.14 []
  3. VG Ber­lin, Urtei­le vom 11.11.2010 – 2 K 35.10; und vom 01.09.2011 – 2 K 178.10 []
  4. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 07.06.2012 – 12 B 34.10 und 12 B 40.11 []