Die Daten­wei­ter­ga­be für den Rund­funk­bei­trag

Ein umfas­sen­der Mel­de­da­ten­ab­gleich im Zuge der Rund­funk­fi­nan­zie­rungs­re­form, bei dem auch Daten wie Dok­tor­ti­tel, Fami­li­en­stand und letz­te Haupt- und Neben­woh­nung erfasst wer­den, ist nicht erfor­der­lich.

Die Daten­wei­ter­ga­be für den Rund­funk­bei­trag

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen in dem hier vor­lie­gen­den einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren, mit dem ein Bür­ger sich dage­gen gewehrt hat, dass sei­ne Daten am 11. Sep­tem­ber 2013 von der für die Mel­de­be­hör­de, hier die Stadt Bad Gan­ders­heim, täti­gen Kom­mu­na­len Daten­ver­ar­bei­tungs­zen­tra­le Süd­nie­der­sach­sen an den Bei­trags­ser­vice über­mit­telt wer­den. Mit dem zum 1. Janu­ar 2013 in Kraft getre­te­nen 15. Rund­funk­än­de­rungs­staats­ver­trag wird das Sys­tem zur Finan­zie­rung des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks grund­le­gend geän­dert. Muss­te bis­her eine Rund­funk­ge­bühr nur von dem­je­ni­gen ent­rich­tet wer­den, der ein Radio oder einen Fern­se­her zum Emp­fang bereit hielt, ist künf­tig jeder Wohungs­in­ha­ber unab­hän­gig davon, ob er ein Rund­funk­ge­rät besitzt, ver­pflich­tet, den Rund­funk­bei­trag zu zah­len. Da die Rund­funk­an­stal­ten und der für sie bei der Ein­zie­hung des Bei­trags täti­ge Bei­trags­ser­vice – frü­her GEZ – die Daten aller Woh­nungs­in­ha­ber nicht besitzt, sieht § 14 Abs. 9 des Rund­funk­bei­trags­staats­ver­trag vor, dass die Mel­de­be­hör­den bun­des­weit ein­ma­lig an einem bestimm­ten Stich­tag der jewei­li­gen Lan­des­rund­funk­an­stalt ver­schie­de­ne Daten wie z.B. Namen, Geburts­da­tum, Dok­tor­ti­tel, Fami­li­en­stand oder Anschrift von Haupt- und Neben­woh­nung über­mit­teln. Ins­ge­samt han­delt es sich um ca. 70 Mio Daten­sät­ze, die in vier Tran­chen, jeweils im März und Sep­tem­ber der Jah­re 2013 und 2014 über­mit­telt wer­den. Gegen die Über­mitt­lung sei­ner Daten hat der Antrag­stel­ler um die Gewäh­rung einst­wei­li­gen gericht­li­chen Rechts­schut­zes nach­ge­sucht. Er berief sich auf sein Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung und hat gemeint, nicht nur der Mel­de­da­ten­ab­gleich sei ver­fas­sungs­wid­rig, da er zu einem bun­des­wei­ten Mel­de­re­gis­ter füh­re, son­dern der 15. Rund­funk­än­de­rungs­staats­ver­trag ins­ge­samt sei ver­fas­sungs­wid­rig; für einen ver­fas­sungs­wid­ri­gen Zweck dürf­ten geschütz­te pri­va­te Daten nicht wei­ter­ge­ge­ben wer­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Göt­tin­gen sei der durch § 14 Abs. 9 RBStV statt­fin­den­de Ein­griff in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung bezüg­lch der Über­mitt­lung des Dok­tor­ti­tels, Fami­li­en­stan­des und der letz­ten Haupt- und Neben­woh­nung rechts­wid­rig. Es sei nicht erkenn­bar, dass die­se Daten für die Fest­set­zung des Rund­funk­bei­trags von Bedeu­tung sei­en. Die übri­gen Daten sei­en dage­gen für die Bei­trags­fest­set­zung in irgend­ei­ner Wei­se erfor­der­lich. Da jede Rund­funk­an­stalt nur auf die Daten der Bei­trags­pflich­ti­gen in ihrem Sen­de­ge­biet zurück­grei­fen kön­ne, ent­ste­he ein bun­des­wei­tes Mel­de­re­gis­ter, wie der Antrag­stel­ler behaup­tet, nicht. Auch der Daten­schutz, ins­be­son­de­re die Siche­rung der Daten gegen unbe­fug­ten Zugriff und deren Löschung nach Ver­wen­dung sei­en recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Daher hat das Ver­wal­tungs­ge­richt dem Begeh­ren des Antrag­stel­lers hin­sicht­lich fol­gen­der Daten ent­spro­chen und die Gemein­de ver­pflich­tet, vor­läu­fig dafür zu sor­gen, dass sie nicht an den NDR wei­ter­ge­ge­ben wer­den: Dok­tor­ti­tel, Fami­li­en­stand und letz­te Haupt- und Neben­woh­nung.

Soweit der Antrag­stel­ler gemeint hat, der 15. Rund­funk­än­de­rungs­staats­ver­trag sei ins­ge­samt, vor allem hin­sicht­lich der damit zusam­men­hän­gen­den finanz­ver­fas­sungs-recht­li­chen Fra­gen, ver­fas­sungs­wid­rig, hat das Ver­wal­tungs­ge­richt die­se, beim Rhein­land-Pfäl­zi­schen und beim Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof anhän­gi­gen, Fra­gen offen gelas­sen und eine Fol­genab­wä­gung vor­ge­nom­men. Dabei hat es das Recht des Antrag­stel­lers auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung gegen die eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Insti­tuts­ga­ran­tie des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks gegen­ein­an­der abge­wo­gen. Zwar gehe es hier nur um einen Ein­zel­fall mit gerin­gen finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hielt es jedoch nicht für aus­ge­schlos­sen, dass sei­ne Ent­schei­dung Brei­ten­wir­kung ent­fal­tet und dadurch das Finan­zie­rungs­sys­tem des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks ins­ge­samt infra­ge gestellt wird. Die Abwä­gung fiel zulas­ten des Antrag­stel­lers aus.

Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen, Beschluss vom 6. Sep­tem­ber 203 – 2 B 785/​13