Die Dau­er der Über­stel­lungs­haft – und der Haft­an­trag

Das Vor­lie­gen eines zuläs­si­gen Haft­an­trags ist eine in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung. Zuläs­sig ist der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nur, wenn er den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung ent­spricht.

Die Dau­er der Über­stel­lungs­haft – und der Haft­an­trag

Erfor­der­lich sind Dar­le­gun­gen zu der zwei­fels­frei­en Aus­rei­se­pflicht, zu den Abschie­bungs­vor­aus­set­zun­gen, zu der Erfor­der­lich­keit der Haft, zu der Durch­führ­bar­keit der Abschie­bung und zu der not­wen­di­gen Haft­dau­er (§ 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 bis 5 FamFG).

Zwar düren die Aus­füh­run­gen zur Begrün­dung des Haft­an­trags knapp gehal­ten sein; sie müs­sen aber die für die rich­ter­li­che Prü­fung des Falls wesent­li­chen Punk­te anspre­chen. Fehlt es dar­an, darf die bean­trag­te Siche­rungs­haft nicht ange­ord­net wer­den [1].

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de der Haft­an­trag im hier ent­schie­de­nen Fall nicht gerecht:

Im Antrag wird aus­ge­führt, die Abschie­bung kön­ne bis spä­tes­tens 17.12.2018 voll­zo­gen wer­den, mit­hin inner­halb von sechs Wochen. Ein neu­er Schub­auf­trag wer­de umge­hend erteilt; da die antrag­stel­len­de Behör­de eine hohe Zahl von Stor­nie­run­gen habe, sei davon aus­zu­ge­hen, dass ein stor­nier­ter Über­stel­lungs­ter­min genutzt wer­den kön­ne. Der mit der Über­stel­lung ver­bun­de­ne Auf­wand, ins­be­son­de­re die zwei­wö­chi­ge Anmel­de­frist des Betrof­fe­nen in Ita­li­en und die Orga­ni­sa­ti­on einer Luft­über­stel­lung durch die Poli­zei, recht­fer­tig­ten die Dau­er der Haft.

Damit liegt kei­ne aus­rei­chen­de Begrün­dung für eine Haft­dau­er von sechs Wochen vor. Für die Abschie­bung des Betrof­fe­nen war kei­ne Sicher­heits­be­glei­tung vor­ge­se­hen. Auf­grund der Aus­füh­run­gen der betei­lig­ten Behör­de ist nicht nach­voll­zieh­bar, wie­so dann trotz der nur zwei­wö­chi­gen Anmel­de­frist und der Annah­me, einen stor­nier­ten Über­stel­lungs­ter­min nut­zen zu kön­nen, für die Orga­ni­sa­ti­on der Luft­über­stel­lung des Betrof­fe­nen nach Ita­li­en sechs Wochen erfor­der­lich sein soll­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Juni 2020 – XIII ZB 67/​19

  1. BGH, Beschluss vom 13.09.2018 – V ZB 57/​18 5; Beschluss vom 12.11.2019 – XIII ZB 5/​19 8 mwN[]