Die Denk­ma­l­ei­gen­schaft einer Gar­ten­an­la­ge

Eine Gar­ten­an­la­ge kann mit einem Bau­denk­mal auch dann eine Ein­heit gemäß § 3 Abs. 3 Satz 2 NDSchG bil­den, wenn sie sich auf­grund man­geln­der Pfle­ge­maß­nah­men in einem schlech­ten Erhal­tungs­zu­stand befin­det. Maß­geb­lich ist, ob sie im Auge eines sach­kun­di­gen Betrach­ters wei­ter­hin als Gar­ten­an­la­ge erkenn­bar ist und die Aus­sa­ge­kraft des Bau­denk­mals stei­gert.

Die Denk­ma­l­ei­gen­schaft einer Gar­ten­an­la­ge

Gemäß § 3 Abs. 1 NDSchG sind Kul­tur­denk­ma­le im Sin­ne des Nie­der­säch­si­schen Denk­mal­schutz­ge­set­zes Bau­denk­ma­le, Boden­denk­ma­le, beweg­li­che Denk­ma­le und Denk­ma­le der Erd­ge­schich­te. Bau­denk­ma­le sind gemäß § 3 Abs. 2 NDSchG bau­li­che Anla­gen (§ 2 Abs. 1 NBauO), Tei­le bau­li­cher Anla­gen, Grün­an­la­gen und Fried­hofs­an­la­gen, an deren Erhal­tung wegen ihrer geschicht­li­chen, künst­le­ri­schen, wis­sen­schaft­li­chen oder städ­te­bau­li­chen Bedeu­tung ein öffent­li­ches Inter­es­se besteht; die­se Vor­schrift beschreibt das Ein­zel­denk­mal.

Bau­denk­mal ist gemäß § 3 Abs. 3 Satz 1 NDSchG auch eine Grup­pe bau­li­cher Anla­gen, die aus den in § 3 Abs. 2 NDSchG genann­ten Grün­den erhal­tens­wert ist, unab­hän­gig davon, ob die ein­zel­nen bau­li­chen Anla­gen für sich Bau­denk­ma­le sind. Pflan­zen, Frei- und Was­ser­flä­chen in der Umge­bung eines Bau­denk­mals und Zube­hör eines Bau­denk­mals gel­ten als Tei­le des Bau­denk­mals, wenn sie mit die­sem eine Ein­heit bil­den, die aus den in § 3 Abs. 2 NDSchG genann­ten Grün­den erhal­tens­wert ist (§ 3 Abs. 3 Satz 2 NDSchG). Die letzt­ge­nann­ten Bestim­mun­gen regeln den sog. Ensem­ble­schutz.

Soweit ein Ein­zel­denk­mal nicht vor­liegt und der Gar­ten selbst kei­ne bau­li­che Anla­ge gemäß § 3 Abs. 3 Satz 1 NDSchG i. V. mit § 2 Abs. 1 NBauO dar­stellt, kommt Denk­mal­schutz allein nach Maß­ga­be des § 3 Abs. 3 Satz 2 NDSchG in Betracht. Erfor­der­lich ist danach zwei­er­lei: Es muss ers­tens ein Bau­denk­mal nach § 3 Abs. 2 oder Abs. 3 Satz 1 NDSchG vor­lie­gen. Mit die­sem Bau­denk­mal muss der Gar­ten zwei­tens eine erhal­tens­wer­te Ein­heit bil­den.

Dabei ist ent­schei­dend, dass das Grund­stück min­des­tens in den Augen eines sach­kun­di­gen Betrach­ters – auf die­sen kommt es an – wei­ter­hin als Gar­ten erkenn­bar ist. So auch in dem hier vom Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg ent­schie­de­nen Fall: Auch wenn klas­si­sche Gestal­tungs­ele­men­te eines Gar­tens wie Bee­te, Wege und Ein­fas­sun­gen unter­ge­gan­gen sind, bestehen wesent­li­che Ele­men­te eines Gar­tens fort. Zu die­sen Ele­men­ten gehört zunächst der alte Baum­be­stand (Traue­resche und Wal­nuss im nörd­li­chen Teil, Obst­bäu­me im süd­li­chen Teil), der die vor­ma­li­ge Tren­nung in Zier- und Nutz­gar­ten auf­zeigt. Die­se Tren­nung wird auch dar­an deut­lich, dass sich der Wohn­teil des Gulfhau­ses nach Wes­ten zum Zier­gar­ten­teil hin öff­net und die Traue­resche in einer Blick­ach­se aus­ge­hend von der Ein­gangs­tür steht. Gut erhal­ten ist wei­ter­hin die Graft; auch der anschlie­ßen­de Zin­gel ist noch vor­han­den, wenn­gleich die­ser man­gels Pfle­ge­maß­nah­men von aus­trei­ben­den Ulmen über­deckt wird. Bei­des grenzt den Gar­ten nach Wes­ten und Süden hin ab, wohin­ge­gen nach Osten zum Wohn­teil hin kei­ne über­kom­me­ne Tren­nung vor­han­den ist. Erkenn­bar ist der Gar­ten schließ­lich dar­an, dass es sich um eine nur teil­wei­se mit Bäu­men bestan­de­ne Frei­flä­che in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft des Gulfhau­ses K.-stra­ße 1 han­delt.

Soweit der Klä­ger dem­ge­gen­über unter Bezug­nah­me auf ein Pri­vat­gut­ach­ten meint, der Gar­ten sei voll­stän­dig unter­ge­gan­gen, folgt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt dem nicht. Wenn das Gut­ach­ten aus­führt, es gebe kei­ne rele­van­ten Zeu­gen einer his­to­ri­schen Gar­ten­nut­zung mehr, steht dies bereits in Wider­spruch zu der eige­nen Fest­stel­lung, die Graft, der Zin­gel sowie die bei­den Alt­bäu­me sei­en zu erhal­ten. Zudem lässt das Gut­ach­ten außer Acht, dass die Frei­flä­che inner­halb des Bebau­ungs­zu­sam­men­hangs nach ihrer Lage, Grö­ße und Form bereits für sich genom­men den Ein­druck eines Gar­tens ver­mit­telt.

Ist das Grund­stück dem­nach trotz des auf­grund man­geln­der Pfle­ge und der Jah­res­zeit weit­hin üppi­gen Bewuch­ses als Gar­ten erkenn­bar, besteht eine erhal­tens­wer­te Ein­heit mit dem Gulfhaus K.-straße 1. Der Gar­ten stei­gert die Aus­sa­ge­kraft des Gulfhau­ses, weil sich an ihm – das betrifft den Zier­gar­ten, aber auch die Gräf­te und den Zin­gel – die Reprä­sen­ta­ti­ons­an­sprü­che der wohl­ha­ben­den Bau­ern, aber auch die Not­wen­dig­keit der Selbst­ver­sor­gung – das betrifft den Nutz­gar­ten – able­sen las­sen. Mit­hin trägt er zum his­to­ri­schen Cha­rak­ter der Anla­ge wesent­lich bei.

Die vor­ste­hen­de Ein­heit ist ihrer­seits aus den Grün­den des § 3 Abs. 2 NDSchG schüt­zens­wert. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nimmt inso­fern Bezug auf sei­ne obi­gen Aus­füh­run­gen; die städ­te­bau­li­chen Grün­de für den Erhalt der Ein­heit ent­spre­chen den­je­ni­gen, die für den Erhalt des Gulfhau­ses selbst strei­ten. In städ­te­bau­li­cher Hin­sicht ist zu ergän­zen, dass der Gar­ten – in den Som­mer­mo­na­ten einen Rück­schnitt der Gehöl­ze vor­aus­ge­setzt – das Gulfhaus nach Wes­ten hin frei­stellt und zu einer Sicht­bar­keit von allen Sei­ten bei­trägt. Das unter­streicht den Cha­rak­ter als einer groß­zü­gi­gen Hof­an­la­ge. In his­to­ri­scher Hin­sicht tritt hin­zu, dass der Objekt­typ des länd­li­chen Gar­tens bun­des­weit sel­ten gewor­den ist und es sich um einen von nur vier ent­spre­chen­den Gär­ten im Land­kreis Aurich han­delt. Der so begrün­de­te Sel­ten­heits­wert strei­tet eben­falls für das öffent­li­che Erhal­tungs­in­ter­es­se.

Der Ein­wand des Klä­gers, die Erhal­tung des Gar­tens sei wirt­schaft­lich unzu­mut­bar, ist für die Fra­ge der Denk­ma­l­ei­gen­schaft ohne Bedeu­tung. Die Gren­zen der Erhal­tungs­pflicht gemäß § 7 NDSchG sind in einem bau- bzw. denk­mal­recht­li­chen Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren gemäß § 10 Abs. 1 und 4 NDSchG zu bestim­men.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 15. Juli 2014 – 1 LB 133/​13