Die Deut­sche Lebens­mit­tel­buch-Kom­mis­si­on und die Infor­ma­ti­ons­frei­heit

Die Deut­sche Lebens­mit­tel­buch-Kom­mis­si­on muss nach einem aktu­el­len Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len kei­ne Ein­sicht­nah­me in ihre Pro­to­kol­le erlau­ben, soweit sie den Bera­tungs­ver­lauf wie­der­ge­ben.

Die Deut­sche Lebens­mit­tel­buch-Kom­mis­si­on und die Infor­ma­ti­ons­frei­heit

Die Deut­sche Lebens­mit­tel­buch-Kom­mis­si­on wird beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz gebil­det. Ihr gehö­ren 32 Mit­glie­der in glei­chem Ver­hält­nis aus den Krei­sen der Wis­sen­schaft, der Lebens­mit­tel­über­wa­chung, der Ver­brau­cher­schaft und der Lebens­mit­tel­wirt­schaft an. Auf­ga­be der Kom­mis­si­on ist die Erstel­lung von soge­nann­ten Leit­sät­zen, die im Deut­schen Lebens­mit­tel­buch zusam­men­ge­fasst sind. Die­se Leit­sät­ze beschrei­ben Her­stel­lung, Beschaf­fen­heit oder sons­ti­ge Merk­ma­le von Lebens­mit­teln. Ihnen kommt im Rechts­ver­kehr eine gro­ße – fak­ti­sche – Bedeu­tung zu, weil sie von den Gerich­ten als "Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten von beson­de­rer Qua­li­tät" ein­ge­stuft wer­den.

Der Klä­ger ist Geschäfts­füh­rer von Food­watch e.V. und hat­te – gestützt auf das Gesetz zur Rege­lung des Zugangs zu Infor­ma­tio­nen des Bun­des (Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz – IFG) – Ein­sicht in die Pro­to­kol­le die­ser Kom­mis­si­on begehrt. Die­sen Antrag hat­te die Kom­mis­si­on vor allem mit dem Argu­ment abge­lehnt, sie sei schon kei­ne Behör­de im Sin­ne des IFG. Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Kla­ge abge­lehnt: Die Kom­mis­si­on sei zwar eine Behör­de, sie kön­ne sich aber auf den Ver­sa­gungs­grund des beson­de­ren Amts­ge­heim­nis­ses nach § 3 Nr. 4 IFG beru­fen.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter hat die Ent­schei­dung jetzt im Ergeb­nis bestä­tigt. Es hat sein Urteil aller­dings auf den Aus­schluss­grund der Ver­trau­lich­keit der Bera­tung von Behör­den (§ 3 Nr. 3 b IFG) gestützt, durch den eine offe­ne Mei­nungs­bil­dung und eine effek­ti­ve, funk­ti­ons­fä­hi­ge und neu­tra­le Ent­schei­dungs­fin­dung gewähr­leis­tet wer­den sol­le. Ohne den Schutz der Ver­trau­lich­keit bestehe die Gefahr, dass bei zukünf­ti­gen Bera­tun­gen die not­wen­di­ge Atmo­sphä­re der Offen­heit und Unbe­fan­gen­heit feh­le. Die Kom­mis­si­ons­mit­glie­der könn­ten einem Druck durch die (ver­meint­li­chen) Erwar­tun­gen der von ihnen reprä­sen­tier­ten Krei­se oder der Öffent­lich­keit aus­ge­setzt sein.

Soweit es um die in den Pro­to­kol­len ent­hal­te­nen blo­ßen Bera­tungs­er­geb­nis­se ging, hat die Kom­mis­si­on in der münd­li­chen Ver­hand­lung dem Klä­ger die Ein­sicht­nah­me in die Pro­to­kol­le zuge­si­chert.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 2. Novem­ber 2010 – 8 A 475/​10