Die drin­gen­de Emp­feh­lung einer Schu­le zum Mas­ken­tra­gen im Unter­richt

Es gibt für die drin­gen­de Emp­feh­lung einer Schu­le zum Tra­gen eines Mund-Nasen-Schut­zes auch im Unter­richt kei­ne Rechts­grund­la­ge.

Die drin­gen­de Emp­feh­lung einer Schu­le zum Mas­ken­tra­gen im Unter­richt

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren ent­schie­den und dem Eil­an­trag eines Schü­lers statt­ge­ge­ben, soweit er die Fest­stel­lung der Unzu­läs­sig­keit der durch die von ihm besuch­ten Schu­le aus­ge­spro­che­nen drin­gen­den Emp­feh­lung zum Tra­gen eines Mund-Nasen-Schut­zes auch im Unter­richt begehrt hat. Er wand­te sich außer­dem gegen die in dem schu­li­schen Hygie­ne­plan ent­hal­te­ne Emp­feh­lung zur Instal­la­ti­on der Coro­na-Warn-App und gegen die Doku­men­ta­ti­ons- und Mel­de­pflicht für exter­ne Besu­cher.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den aus­drück­lich betont, dass die Schu­le zwar auf­grund der Rege­lun­gen zum Infek­ti­ons­schutz­ge­setz ver­pflich­tet sei, einen eige­nen Hygie­ne­plan auf­zu­stel­len und dar­in inner­schu­li­sche Ver­fah­rens­wei­sen zur Infek­ti­ons­hy­gie­ne fest­zu­le­gen. Für die drin­gen­de Emp­feh­lung zum Tra­gen eines Mund-Nasen-Schut­zes auch im Unter­richt gäbe es aller­dings kei­ne Rechts­grund­la­ge. Die drin­gen­de Emp­feh­lung der Schu­le gehe hier über eine ein­fa­che Bit­te oder Emp­feh­lung hin­aus. Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Wies­ba­den wür­de eine Form von Zwang aus­ge­übt, die dazu füh­re, dass im Fal­le einer Abwei­chung mit „Sank­tio­nen“ oder gar dis­kri­mi­nie­ren­dem Ver­hal­ten durch den Lehr­kör­per mit hoher Wahr­schein­lich­keit zu rech­nen sei. Die Schu­le habe ins­be­son­de­re miss­ach­tet, dass nach der aktu­el­len Ver­ord­nung ein Mund-Nasen-Schutz im Unter­richt gera­de nicht zwin­gend zu tra­gen sei. Der Prä­senz­un­ter­richt im Klas­sen- oder Kurs­ver­band wür­de von einer für das übri­ge Schul­ge­län­de gel­ten­den Mas­ken­pflicht durch den Ver­ord­nungs­ge­ber aus­drück­lich aus­ge­klam­mert wer­den. Das Tra­gen von Mas­ken im Unter­richt habe damit eine Aus­nah­me zu sein und nicht der Regel­fall. Der ein­zel­nen Schu­le stün­de die Kom­pe­tenz zur Abwei­chung hier­von nicht zu.

Wei­ter­hin hat das Ver­wal­tungs­ge­richt den Antrag abge­lehnt, soweit sich der Schü­ler gegen eine ver­meint­lich ver­pflich­ten­de Instal­la­ti­on der Coro­na-Warn-App durch alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler gewandt habe. Denn es han­de­le sich im Hygie­ne­plan ledig­lich um eine Emp­feh­lung und nicht um eine Ver­pflich­tung gera­de der Schü­le­rin­nen und Schü­ler.

Dar­über hin­aus war der Antrag hin­sicht­lich der Doku­men­ta­ti­ons- und Mel­de­pflicht für exter­ne Besu­cher bereits des­halb abzu­leh­nen, weil der Schü­ler durch die­se Rege­lung ersicht­lich nicht in eige­nen Rech­ten betrof­fen sein konn­te.

Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den, Beschluss vom 24. August 2020 – 6 L 938/​20.WI