Die Ein­rich­tung einer G8-Lern­grup­pe

Ange­sichts des Bedeu­tungs­ge­halts der Pri­vat­schul­frei­heit muss nur ein Min­dest­maß an Ver­träg­lich­keit mit den vor­han­de­nen Schul­struk­tu­ren ein­schließ­lich der damit ver­folg­ten päd­ago­gi­schen Zie­le vor­lie­gen. Die Frie­dens­schu­le Müns­ter erfüllt auch bei Ein­rich­tung einer "G8-Lern­grup­pe" pro Jahr­gang die Merk­ma­le einer Ersatz­schu­le.

Die Ein­rich­tung einer G8-Lern­grup­pe

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren, mit dem die Frie­dens­schu­le Müns­ter über den 31. Juli 2014 hin­aus die wei­te­re vor­läu­fi­ge Geneh­mi­gung zur Ein­rich­tung einer Lern­grup­pe mit gym­na­si­al-ori­en­tier­tem Lern­pro­fil zur Erlan­gung der Hoch­schul­rei­fe nach acht Schul­jah­ren begehrt hat. Ende 2006 hat­te die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter dem Bis­tum Müns­ter als Trä­ger der Frie­dens­schu­le die Geneh­mi­gung erteilt, für einen Zeit­raum von sechs Jah­ren pro Jahr­gang eine soge­nann­te G8-Lern­grup­pe ein­zu­rich­ten. Danach durf­ten bzw. dür­fen die Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Jahr­gän­ge, die in den Schul­jah­ren 2008/​2009 bis 2013/​2014 jeweils die Klas­se 8 besuch­ten bzw. besu­chen und Teil der nach Abschluss der Klas­se 7 "früh­zeit­lich neu­ge­bil­de­ten" gym­na­sia­len Lern­grup­pen waren bzw. sind, bereits nach erfolg­rei­chem Abschluss der Klas­se 9 in die Ein­füh­rungs­pha­se der gym­na­sia­len Ober­stu­fe ein­tre­ten. Im Juli 2013 hat­te das Bis­tum Müns­ter bean­tragt, die G8-Lern­grup­pen auch wei­ter­hin zu geneh­mi­gen. Dies lehnt die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter unter ande­rem mit der Begrün­dung ab: Für Art und Dau­er des Bil­dungs­gangs an einer Gesamt­schu­le sei die Struk­tur des län­ge­ren gemein­sa­men Ler­nens und der Erwerb ver­schie­de­ner Schul­ab­schlüs­se, unter ande­rem der all­ge­mei­nen Hoch­schul­rei­fe nach 13 Jah­ren, prä­gend. Daher füh­re die Ein­rich­tung von gym­na­sia­len Lern­grup­pen zu einem Wider­spruch zu Grund­li­ni­en der staat­li­chen Schul­po­li­tik, die sich in der Schul­form "Gesamt­schu­le in Nord­rhein-West­fa­len" nie­der­ge­schla­gen hät­ten. Dage­gen hat sich das Bis­tum mit dem Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung gewehrt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter erfül­le die Frie­dens­schu­le Müns­ter auch bei Ein­rich­tung einer "G8-Grup­pe" pro Jahr­gang die Merk­ma­le einer Ersatz­schu­le. Auch inso­weit ent­spre­che sie in ihren Bil­dungs- und Erzie­hungs­zie­len im Wesent­li­chen Bil­dungs­gän­gen und Abschlüs­sen, die nach dem Schul­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len oder auf­grund die­ses Geset­zes vor­han­den sei­en. Ange­sichts des Bedeu­tungs­ge­halts der Pri­vat­schul­frei­heit müs­se nur ein Min­dest­maß an Ver­träg­lich­keit mit den vor­han­de­nen Schul­struk­tu­ren ein­schließ­lich der damit ver­folg­ten päd­ago­gi­schen Zie­le vor­lie­gen. Dies sei für die Frie­dens­schu­le auch der Fall, wenn Ein­rich­tung und Betrieb je einer "G8-Lern­grup­pe" pro Jahr­gang fort­daue­re. Die "G8-Lern­grup­pe" ent­spre­che in wesent­li­chen Merk­ma­len dem in dem Schul­ge­setz nor­mier­ten acht­jäh­ri­gen Bil­dungs­gang am Gym­na­si­um ein­schließ­lich der gym­na­sia­len Ober­stu­fe. Es sei auch nicht erkenn­bar, dass die Frie­dens­schu­le nach Ein­füh­rung der "G8-Lern­grup­pen" in ihren Lehr­zie­len und Ein­rich­tun­gen sowie in der wis­sen­schaft­li­chen Aus­bil­dung ihrer Lehr­kräf­te hin­ter den öffent­li­chen Schu­len zurück­stün­de. Die Ergeb­nis­se der Lern­stands­er­he­bun­gen in den Jah­ren 2009 bis 2013 und die Ent­wick­lung der Fach­no­ten der Schü­ler des ers­ten G8-Durch­gangs beleg­ten einen dem Besuch von öffent­li­chen Gym­na­si­en ver­gleich­ba­ren Erfolg, so dass ein gleich­wer­ti­ger Schul­er­folg gege­ben sei. Daher hat das Ver­wal­tungs­ge­richt dem Antrag des Bis­tums Müns­ter auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung statt­ge­ge­ben.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 15. Mai 2014 – 1 L 133/​14