Die Ein­sicht in einen Ermitt­lungs­be­richt des EU-Amtes für Betrugs­be­kämp­fung

Ist kein Ver­wal­tungs­ver­fah­ren anhän­gig, in des­sen Rah­men Akten­ein­sicht ver­langt wer­den könn­te, steht die Gewäh­rung von Akten­ein­sicht im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen der akten­füh­ren­den Behör­de. Es ist dabei nicht ermes­sens­feh­ler­haft, wenn die­se vor der eige­nen Ent­schei­dung über die Akten­ein­sicht ins­be­son­de­re die Ent­schei­dung der zustän­di­gen Staats­an­walt­schaft über die Frei­ga­be des Schrift­stücks für Drit­te abwar­tet und damit der Staats­an­walt­schaft die fach­li­che Beur­tei­lung über­lässt, ob eine Wei­ter­ga­be der mög­li­cher­wei­se zum Gegen­stand eines straf­recht­li­chen Ermitt­lungs­ver­fah­rens gewor­de­nen Unter­la­gen gegen die Straf­vor­schrift des § 353 d Nr. 3 StGB ver­stößt.

Die Ein­sicht in einen Ermitt­lungs­be­richt des EU-Amtes für Betrugs­be­kämp­fung

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Eil­an­trä­ge des Prä­si­dent der Leu­pha­na Uni­ver­si­tät Lüne­burg Prof. Dr. Sascha Spoun und der Stif­tung Uni­ver­si­tät Lüne­burg auf Ein­sicht in den dem Nds. Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kul­tur (MWK) kürz­lich zuge­gan­ge­nen vor­läu­fi­gen Bericht des Euro­päi­schen Amtes für Betrugs­be­kämp­fung (OLAF) bzw. auf Über­las­sung von Kopi­en des Berichts abge­lehnt. Die Antrag­stel­ler hiel­ten ihre Anträ­ge für eil­be­dürf­tig, da am 07.06.2013 eine Sit­zung des Stif­tungs­ra­tes statt­fin­den soll­te.

Die­ser Auf­fas­sung war das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver nicht. Es hat weder einen Anspruch noch eine Eil­be­dürf­tig­keit als gege­ben ange­se­hen:

Einem eige­nen Anspruch des Prä­si­den­ten der Leu­pha­na Uni­ver­si­tät Lüne­burg ste­he schon ent­ge­gen, dass dem Land durch das MWK nur die Rechts­auf­sicht über die Stif­tung als Trä­ger der Hoch­schu­le oblie­ge und daher nur die Stif­tung selbst ent­spre­chen­de Ansprü­che ver­fol­gen könn­te.

Da es in Bezug auf die Stif­tung kein anhän­gi­ges Ver­wal­tungs­ver­fah­ren gebe, in des­sen Rah­men Akten­ein­sicht ver­langt wer­den könn­te, ste­he die Gewäh­rung von Akten­ein­sicht im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen der akten­füh­ren­den Behör­de. Die Kam­mer sieht es nicht als ermes­sens­feh­ler­haft an, dass das MWK den ihm mit der aus­drück­li­chen Bit­te um Nicht­wei­ter­lei­tung – inzwi­schen in sei­ner End­fas­sung – vor­ge­leg­ten Bericht des Euro­päi­schen Amtes für Betrugs­be­kämp­fung nicht an Drit­te wei­ter­ge­be, bevor nicht das OLAF und die Staats­an­walt­schaft selbst den Inhalt des Berich­tes frei­ge­ge­ben hät­ten. Inso­weit dür­fe das MWK vor der eige­nen Ent­schei­dung über das Zugäng­lich­ma­chen des Ermitt­lungs­be­richts ins­be­son­de­re die Ent­schei­dung der zustän­di­gen Staats­an­walt­schaft über die Frei­ga­be des Schrift­stücks für Drit­te abwar­ten und damit der Staats­an­walt­schaft die fach­li­che Beur­tei­lung über­las­sen, ob eine Wei­ter­ga­be des mög­li­cher­wei­se zum Gegen­stand eines straf­recht­li­chen Ermitt­lungs­ver­fah­rens gewor­de­nen Berichts des Euro­päi­schen Amtes für Betrugs­be­kämp­fung an die Stif­tung Uni­ver­si­tät Lüne­burg gegen die Straf­vor­schrift des § 353 d Nr. 3 StGB ver­sto­ße. Dies zumal die Antrag­stel­ler gera­de vor­tra­gen, dass sie den Inhalt des Ermitt­lungs­be­richts ken­nen müss­ten, um den bis­her vor­lie­gen­den Pres­se­be­rich­ten in der Öffent­lich­keit ent­ge­gen zu tre­ten.

Unab­hän­gig davon hät­ten die Antrag­stel­ler auch Grün­de für den Erlass einst­wei­li­ger Anord­nun­gen nicht glaub­haft gemacht. Ihr Vor­trag, dass am 07.06.2013 eine Sit­zung des Stif­tungs­rats statt­fin­de, die sich unter ande­rem mit der Ände­rung des Zeit­pla­nes für den Uni­ver­si­täts­neu­bau, einem Hin­aus­schie­ben des Fer­tig­stel­lungs­ter­mins, dem Finan­zie­rungs­plan, der Ein­rich­tung einer Bau­kom­mis­si­on und ande­ren Fra­gen des Neu­baus befas­sen sol­le, hat das Ver­wal­tungs­ge­richt nicht davon über­zeugt, dass sich die Stif­tung schon jetzt über inhalt­li­che Ein­zel­hei­ten des Berichts des OLAF infor­mie­ren müss­te. Glei­ches gel­te für die von Antrag­stel­ler­sei­te vor­ge­tra­ge­nen orga­ni­sa­to­ri­schen Schwie­rig­kei­ten der Hoch­schul­ver­wal­tung bei der Ter­mi­nie­rung der Sit­zun­gen des Stif­tungs­rats und der Ladung sei­ner Mit­glie­der.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Beschlüs­se vom 6. Juni 2013 – 6 B 4440/​13 und 6 B 4459/​13