Die Ein­stel­lung des Schul­be­triebs bei den "Zwölf Stäm­men"

Der Betrieb einer Ergän­zungs­schu­le ist zu unter­sa­gen, wenn die Schu­le über kei­ne aus­ge­bil­de­te Lehr­kraft mehr ver­fügt. Der sofor­ti­ge Voll­zug eines ent­spre­chen­den Bescheids ist gerecht­fer­tigt, um klar­zu­stel­len, dass der Trä­ger der Ergän­zungs­schu­le – Anhän­ger einer Glau­bens­ge­mein­schaft, die Kin­der mit Ruten züch­tigt – ab sofort kei­ne Schu­le mehr betrei­ben darf.

Die Ein­stel­lung des Schul­be­triebs bei den "Zwölf Stäm­men"

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Augs­burg in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren, mit dem der Ver­ein als Trä­ger einer Ergän­zungs­schu­le sich gegen die sofor­ti­ge Unter­sa­gung sei­nes Schul­be­triebs gewehrt hat. Nach lan­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen um die Schul­pflicht von Kin­dern der Ange­hö­ri­gen der Glau­bens­ge­mein­schaft "Zwölf Stäm­me" grün­de­ten die­se im Jahr 2006 einen Ver­ein als Trä­ger einer Ergän­zungs­schu­le. Der­ar­ti­ge Schu­len sind nicht geneh­mi­gungs­pflich­tig, son­dern nur der Schul­auf­sicht anzu­zei­gen. Da die Schu­le eine aus­ge­bil­de­te Lehr­kraft nach­wei­sen konn­te, stell­te das Staats­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und Kul­tus, Wis­sen­schaft und Kunst fest, dass an der Schu­le die Schul­pflicht erfüllt wer­den kön­ne.

Für das Schul­jahr 2013/​2014 konn­te die Schu­le kei­ne aus­ge­bil­de­te Lehr­kraft mehr vor­wei­sen. Auch wur­de mitt­ler­wei­le den Eltern der meis­ten Kin­der und Jugend­li­chen das Sor­ge­recht ent­zo­gen. Die in Pfle­ge­fa­mi­li­en oder Hei­men unter­ge­brach­ten Kin­der und Jugend­li­chen besu­chen der­zeit öffent­li­che Schu­len.

Mit Bescheid vom 22. Novem­ber 2013 unter­sag­te die Regie­rung von Schwa­ben dem Ver­ein den Betrieb einer Ergän­zungs­schu­le. Grund hier­für war, dass die Schu­le kei­ne aus­ge­bil­de­te Lehr­kraft mehr habe. Wei­ter sei davon aus­zu­ge­hen, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler auch beim Schul­be­trieb kör­per­lich gezüch­tigt wür­den. Um die Unter­sa­gung sofort wirk­sam wer­den zu las­sen, wur­de der sofor­ti­ge Voll­zug ange­ord­net. Dage­gen ist ein Eil­an­trag gestellt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Augs­burg sei der Bescheid der Regie­rung von Schwa­ben recht­mä­ßig, da die Schu­le über kei­ne aus­ge­bil­de­te Lehr­kraft ver­fü­ge. Da sich die Glau­bens­ge­mein­schaft dar­auf beru­fe, die Bibel gebie­te ihnen, die Kin­der mit Ruten zu züch­ti­gen, sei davon aus­zu­ge­hen, dass die­ses "Gebot" vor den Türen der Unter­richts­räu­me nicht halt mache. Der sofor­ti­ge Voll­zug sei schon des­halb gerecht­fer­tigt, um klar­zu­stel­len, dass die Glau­bens­ge­mein­schaft ab sofort kei­ne Schu­le mehr betrei­ben dür­fe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Augs­burg, Beschluss vom 21. Janu­ar 2014 – Au 3 S 14.2